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4.0 von 5 Sternen
Bittere Erkenntnis, 24. März 2005
Rezension bezieht sich auf: Das bleiche Herz der Revolution: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ein trauriges Buch. Ein ernsthaftes Buch. Ein wichtiges Buch.
Eine junge Autorin beschreibt die Opfer der 68 Generation- mit erstaunlicher Kenntnis der damaligen Szene an der Frankfurter Uni. Was hebt dieses Buch aus den diversen Lebensberichten von Röhl, Rabehl, Koenen, Mahler, Schütt etc. heraus? Es sind zwei Kapitel, die mich nicht mehr losgelassen haben: einmal der Versuch des ( letztendlich auch von den 68ern erledigten fiktiven Professors Arber), im Jahre 2004 auf einem Soziologenkongreß die Lebensgeschichte von Kitty, einem Kind der 68er Eltern, als Beispiel für die Zerstörungen einer " utopischen" Jugendrevolte zu präsentieren. Er kommt gar nicht zu Wort, die damaligen Krawallstudenten sind etablierte und fette Professoren geworden, aber die Taktik ist die gleiche geblieben: totschweigen, nicht zu Wort kommen lassen, und dabei schon im Vorfeld die Entscheidung zu treffen, wer am Diskurs teilnehmen darf und wer nicht. Selten habe ich heutige Wirklichkeit besser dargestellt gelesen wie in diesem Kapitel. Und dann der Höhepunkt: die Autorin lässt Kittys Großvater zu Wort kommen- ohne jede moralische Arroganz, dafür aber mit einer heutzutage seltenen Einfühlsamkeit: ein alter Mann spricht am Ende seines Lebens aus, was ihm jahrzehntelang verwehrt wurde zu sagen, was verzweifelt kompensiert werden musste, und das unter erheblichen Opfern: Flucht aus Ostpreußen, das Erlebnis der Vergewaltigung der Mutter und der Ermordung des Vaters durch russische Soldaten, das unsagbare Grauen der Flüchtlingstrecks, die von russischen Tieffliegern angegriffen wurden. Das ist Zeitgeschichte, bei der ich mich fassungslos fragte, wie schafft es eine junge Autorin, gegen den Zeitgeist einfach die Geschichte der Opfer zu erzählen? Großartig, beeindruckend , erschreckend.
Der Rest des Buches mag für historisch Interessierte ein hübsches Suchspiel sein ( ist das nun Horst Mahler oder Otto Schily, war Adorno wirklich so in Frankfurt,telefonierte Habermas wirklich die ganze Zeit....) oder mag auch eine Fundgrube für Psychologen sein, denen man das ganze Ausmaß an Kinderzerstörung in Folge der ach so befreiten Verhältnisse zur Untersuchung anbieten könnte.
Dahingestellt. Aber die zwei letzten Kapitel sind literarisch mehr wert als unzählige Bücher irgendwelcher BRD Großschreiber, die eh nur das erzählen, was die Oberlehrer in der Oberstadt , um Degenhardt zu verfremden, untertänig und beflissen von sich geben.
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18 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Dachte an meinen Sozialkundelehrer, 21. November 2004
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Das bleiche Herz der Revolution: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ich bin Jahrgang '56. Meine Eltern waren Gott sei dank keine '68er sondern normale Menschen. Aber ich hatte sofort meine Sozialkundelehrer vor Augen, der ein '68er wie aus dem Buche war. Schon im Gymnasium war ich ziemlich sauer dass diese Chaoten die gesamte Generation meiner geliebten Oma so verdammte, und derweil Mao's rotes Buechlein las. Ich habe das Buch in einer Nacht durchgelesen. Es tat mir gut. Die Autorin entlarvt die Pharisaer gut. Ich kann es nur weiterempfehlen!
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22 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Schön, daß die 68er nicht mehr sakrosankt sind, 27. November 2004
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Das bleiche Herz der Revolution: Roman (Gebundene Ausgabe)
Eine Generation von Wirrköpfen wird unter die Lupe genommen. Was dabei heraus kommt, ist wenig schmeichelhaft. Die angeblichen Klischees dieses Romans treffen leider allzuoft zu.
Auffällig ist der besonders hohe Wiedererkennungswert bei ehemaligen Lehrern. Wer in den 80ern in der Schule war, wird das eine oder andere Exemplar dieser besonderen Gattung Mensch erlebt und erduldet haben. Anscheinend fühlten sich viele 68er dazu berufen, ideologische Frontarbeit an der Basis zu leisten, natürlich auf Staatskosten.
Amüsant ist das Gestänkere gewisser Herrschaften über dieses Buch.
Eine destruktive Bewegung, die unter dem Deckmäntelchen der Kritik alles kaputtredete, hält sich selbst für sakrosankt.
Eines Tages wird dieses Land das 68er-Unheil bewältigt haben. Gott sei Dank.
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