-
Tipp für Studenten
Ein Jahr Prime kostenlos und einen 20% erhöhten Eintauschwert auf Trade-In erhalten alle Studenten die bei Amazon Student angemeldet sind.
Produktinformation
|
Tags, die Kunden mit diesem Produkt verbinden(Was ist das?)Klicken Sie zum Suchen verwandter Artikel, Diskussionen oder Personen auf ein Tag.
|
Crevelds neues Werk über "Das bevorzugte Geschlecht" (The Privileged Sex) hätte man unter diesem Gesichtspunkt vielleicht erwarten können. Dennoch hat es uns deswegen besonders überrascht, weil damit erstmals ein renommierter und weltweit anerkannter Sozialhistoriker, ein gestandener Wissenschaftler mithin das bestätigt, was wir in unserer meist eher flapsig-polemisch daherkommenden Elektropostille seit nunmehr anderthalb Jahren behaupten. Ohne den Autoren bisheriger Feminismuskritik damit zu nahe treten zu wollen:
Erstmals steht ein Name aus dem internationalen akademischen Establishment als Zeuge für etwas zur Verfügung, das die Feministinnen und ihre beflissenen Freunde bisher immer als Produkt einer intellektuellen Nische voller unsensibler Underdogs angesehen haben. Feminismus ist dagegen für Creveld recht eindeutig ein Dekadenzphänomen. Er sei "das Produkt einer außergewöhnlich langen Friedens- und Wohlstandsperiode." Und der Autor selbst kleidet diese Ansicht schon mal in Fragen wie diese: "Warum glauben nur zwanzig Prozent aller Europäerinnen, die keine Kinder haben - und nur zehn Prozent derer, die welche haben - dass es für Frauen das beste sei, berufstätig zu sein? ... Die Frauen haben mit allen Kräften rebelliert - warum führt diese Rebellion nirgendwohin, und warum ist die schöne neue Gesellschaft nirgends in Sicht?"
Er lässt die Leser selbst zu der Einsicht gelangen, dass Rebellion und Gejammer hier - im Gegensatz zu anderen Beispielen historischen Aufbegehrens - vor allem dem Erhalt der Verhältnisse und ihrer Stabilisierung dienen. Der Feminismus ist insofern nichts anderes als eine konservative Revolution - für den Erhalt und den Ausbau erreichter Privilegien jenes bevorzugten Geschlechts. Eines der herausragendsten Privilegien ist es, deutlich weniger arbeiten und überhaupt nicht kämpfen zu müssen (wobei die so privilegierten Frauen es sich oft nicht nehmen lassen, sich gerade deswegen als diskriminiert darzustellen).
Nach obigem Zitat zu urteilen, ist die durchschnittliche Neigung zur Arbeit unter Frauen jedoch nicht sehr groß. Darüber wollen wir insofern den Stab nicht brechen, als wir selbst lieber zuhause blieben, mit den Kindern spielten, Lifestyle-Zeitschriften läsen und mit dem Geld anderer Leute Einkaufen gingen!
Unsereinen fragt aber keiner, ob wir es "für das beste halten", berufstätig zu sein. Es versteht sich von selbst, dass Mannsbilder arbeiten. Nicht nur das. Es versteht sich auch, dass sie diejenigen Arbeiten erledigen, für die eine Quote einzufordern den Femitessen niemals einfallen würde! Frauen dagegen sehen dies laut Creveld differenzierter: "Obwohl zuerst sozialistische und dann feministische Autoren und Autorinnen Arbeit zum Recht wie auch Privileg erklärt haben, hat sich die Situation nicht grundlegend geändert. Verständlicherweise betrachten die meisten Frauen, die aus wirtschaftlichen Gründen zur Erwerbstätigkeit gezwungen sind, ihre Arbeit weiterhin als Last. Wie Statistiken zur Fluktuation zeigen, nehmen sie oft die erste Gelegenheit wahr, sich dieser Bürde zu entledigen. Dies ist nebenbei bemerkt ein Grund dafür, warum der Feminismus bei Arbeiterinnen nur begrenzt Erfolg hatte." (161)
Wir fühlen uns fast bemüßigt, die Gerechten unter den Frauenbewegten in Schutz zu nehmen, die aus ihren eigenen Rollenverständnisse nicht dauernd einen Kult machen müssen, malochen gehen und - teilweise jedenfalls - in einem emanzipierten Verhältnis mit Mann und Kindern am gleichen Strang ziehen, anstatt diese als Unterhaltsgarantien anzusehen und jene als werktätige Lebensversicherungen.
In seinem letzten Kapitel "Das wehleidige Geschlecht" befasst sich Creveld mit dem erstaunlichen Phänomen, dass sich in der Psychiatrie unserer modernen Staaten die weiblichen Patienten in so überwältigender Mehrheit einfinden, dass es nur darauf zurückzuführen sein kann, dass sie als häufig Nicht-Erwerbstätige einer stetigen Sinnkrise ausgesetzt sind. Allerdings machte dieser Tage eine Pressenotiz darauf aufmerksam, dass auch beschäftigte Frauen größere Fehlzeiten aus psychischen Gründen aufweisen.
Sigmund Freuds Tochter Anna, die beobachtet habe, wie ihr Vater seine Patientinnen verhätschelte, warnte ihn, "sich nicht aufzuopfern. Ihrer Ansicht nach konnten die 'Millionärinnen' ruhig verrückt bleiben, da dies ihre einzige Beschäftigung sei." (367) Frauen, die nicht arbeiten mussten, also saturierte Ehegesponse vom klassischen Mittelstand aufwärts, konnten es sich einfach leisten, häufiger krank zu werden und länger im Sanatorium zu bleiben als Männer. Und sie brauchten es im übrigen, um auf sich aufmerksam zu machen, wenn sie als Hausfrauen den (möglicherweise nicht unbegründeten) Eindruck hatten zu verkümmern.
Den "Mythos Männermacht" dekonstruiert Creveld im Laufe von 400 Seiten plus weiterer knapp 100 Seiten mit Anmerkungen und zwei nützlichen Registern übrigens, ohne seinen vielleicht wichtigsten Vorläufer, den amerikanischen Männerrechtler Warren Farell, offenbar zu kennen. Das ist merkwürdig, tut seinem in die gleiche Kerbe schlagenden Buch aber keinen Abbruch.
Creveld betrachtet die Gemengelage aus einer anderen, entgegengesetzten Perspektive: Er betont die Privilegierung der Frauen anstelle der Benachteiligung von Herren:
"In fast jeder Hinsicht sind Frauen seit eh und je das privilegierte Geschlecht. Als Kinder werden sie sanfter angefaßt und mehr behütet. Als Studentinnen wird ihnen schon seit langem nachgesehen, dass sie sich von Fächern fernhalten, die als die schwierigsten gelten. Als Erwachsene sind sie unter weniger Konkurrenz- und Leidensdruck. Was ihren Lebensunterhalt betrifft, sind sie oft in der beneidenswerten Lage, konsumieren zu können ohne produzieren zu müssen. Als Kriminelle und Prozessführende werden sie vom Gesetz und von den Gerichten wesentlich nachsichtiger behandelt. Als Staatsbürgerinnen sind sie nicht nur von der Pflicht befreit, an den schrecklichsten aller menschlichen Aktivitäten, d.h. dem Krieg, teilzunehmen, sondern werden auch besser vor ihm geschützt. Von Männern auf den Schultern getragen - manchmal, wenn es darum geht, Naturkatastrophen und ähnlichem zu entkommen, im wörtlichen Sinne - haben Frauen stets den Löwenanteil der Annehmlichkeiten genossen, die eine Gesellschaft, egal wann und wo, zu bieten hatte. Frauen, deren Leben als wertvoller gilt als das von Männern, sind seltener Opfer von Gewaltverbrechen" (347).
Die Forderung des Feminats nach Gleichheit UND Privilegien erscheint als "fundamentaler Widerspruch". "Sollten Frauen wahre Gleichheit erzielen, werden sie viele ihrer Privilegien verlieren. Viele, ja vielleicht die meisten von ihnen, müssen dann damit rechnen, daß ihre Lebensqualität abnimmt und ihre Lebenswerwartung rapide sinkt. Das gilt vor allem für verheiratete Frauen, die solange sie verheiratet waren und oft auch, wenn sie sich scheiden ließen, von den Männern auf Händen getragen wurden" (401).
Den Aufschrei der Jammersusen, die aufgrund der über Jahrhunderte konsistent zusammengetragenen FAKTEN um ihr wertvollstes Privileg bangen müssen, nämlich ihren exklusiven Opferstatus, ahnt auch van Creveld: "Frauen sind so entschlossen, sich um jeden Preis zu beklagen, daß das Patriarchat verdammt wird, gleich was es auch tut oder läßt" (394, 345).
Prädikat: BESONDERS LESENSWERT
|
Das Forum zu diesem Produkt
Fragen stellen, Meinungen austauschen, Einblicke gewinnen Aktive Diskussionen in ähnlichen Foren
Kundendiskussionen durchsuchen
|
Ähnliche Foren
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|