Diese Abhandlung von Frank Kolb über das antike Rom versteht sich als kurze Einführung in Geschichte und Archäologie der Stadt. Dem wird der Text jedoch nur zur Hälfte gerecht.
Das chronologisch aufgebaute Buch liest sich über weite Partien nicht schlecht. Es enthält eine Fülle von Informationen, zum Beispiel zur Situation römischer Mieter, zur Organisation der Feuerwehr oder zur Anlage der Kaiserfora. Etwas sperrig sind dagegen Partien, in denen es um Inneneinrichtungen, Raumensembles oder die Gestaltung christlicher Kirchen geht, ohne durch Abbildungen eine Vorstellung derselben zu liefern. Ohne eingehende Ortskenntnis bleibt dem Leser daher vieles schwer verständlich.
Das trockene erste Kapitel zur frühen Geschichte wirkt etwas einseitig. So werden die Gründungsmythen um Romulus und Remus und die Erzählungen über Könige und Tarquinier von Kolb von vornherein als Erfindung späterer Zeiten eingestuft, abweichende Meinungen anderer Wissenschaftler qualifiziert er schon im Vorwort als "durch politische und ideologische Voreingenommenheit beeinträchtigt" ab. Erst nach dem Kelteneinfall 387 v. Chr. nimmt Kolb historisch verlässliche Kunde über die Geschichte Roms an. In der Tat ist die Gründungsgeschichte Roms in der Forschung umstritten und nicht mit Gewissheit zu klären; Kolb aber glaubt prinzipiell nur, was nun wirklich nicht mehr bestritten werden kann. Diese hyperkritische Einstellung kommt in der ganzen Diktion des Textes zum Ausdruck.
Ein weiterer Kritikpunkt ist der etwas einseitige historische Schwerpunkt: Die rein architekturgeschichtliche Besprechung der Monumente Roms erfolgt in diesem Buch fast ausschließlich aus dem Blickwinkel des Althistorikers. Archäologische Betrachtungen sind Mangelware. Zwei Beispiele: Es gibt im gesamten Buch nur eine einzige Abbildung eines Monuments (die Maxentiusbasilika auf S. 95), sonst benutzt Kolb ausschließlich Karten und Grundrisse, um die politischen Intentionen der römischen Bauherren aufzuzeigen. Und über römische Wandmalerei, Sepulkralkunst oder die Reliefs der Triumphbögen wird nicht ein Wort verloren. Dieses Werk liefert also mehr trockene Geschichtsschreibung als lebendige Archäologie.
Wer in einer kurzen Einführung etwas über römische Kunst- und Kulturgeschichte erfahren will, ist mit Paul Zankers Büchlein in derselben Reihe besser bedient, und das obwohl in Zankers Werk der Gesichtskreis weit über die Stadtmauern Roms hinausgeht.