Interessant und quellenlastig beschreibt Markschies die ersten Jahrhunderte christlichen Lebens in der Antike. Dabei verfolgt er im Wesentlichen vier Themenkomplexe. Ein erster beschäftigt sich mit der Aus- und Verbreitung des Christentums in der antiken Welt. Hierunter fällt der geographische Raum wie auch eine Eingrenzung und Gliederung der besagten Epoche. Im zweiten großen inhaltlichen Abschnitt seines Buches geht Markschies näher auf die Stellung des Individuums in der Gesellschaft und im Christentum ein und veranschaulicht eindringlich an zahlreichen Textbeispielen, wie der antike Christ glaubt, wie seine Frömmigkeit aussieht, wie er an christlichen Festen partizipiert, wie er mit der Heiligen Schrift umgeht und letztlich, welche Hoffnungen er durch seinen Glauben hegt. Interessant dabei sind immer wieder die Vergleiche mit der heidnischen Umwelt. Im dritten Teil stehen besonders die christlichen Lebensformen wie Ehe und Familie und deren Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu den heidnischen Lebensformen, aber auch das asketische Mönchtum im Blickfeld. Fasst der zweite große Themenkomplex das Individuum und somit die Mikroperspektive christlichen Lebens zusammen, so der vierte die Strukturen - die Makroperspektive - des christlichen Zusammenlebens (wie ist das Gemeindeleben organisiert, welche kirchlichen Ämter gibt es etc). Insgesamt zeigt Markschies, dessen vorliegendes Buch eine Neuaflage seines vormaligen Buches mit dem programmatischen Titel "Zwischen den Welten wandern" ist, dass Antike und Christentum keine sich ausschließende Gegebenheiten sind. Christliches Leben besitzt all zu oft Gemeinsamkeiten mit dem der heidnischen Umwelt (besonders die Ehe), oft klaffen der Anspruch der religiösen Autoritäten an die Gläubigen und tatsächliches Zusammenleben der Christen merklich auseinander, doch nichts desto trotz bringen die Christen auch "Neues" in die antike Gesellschaft mit. Der Leser erhält insgesamt einen fundierten Einblick in diese Epoche christlichen Lebens, der absolut eingängig lesbar für alle Interessierten empfehlenswert ist und zudem mit Abbildungen, Karte und Anhang gut aufgearbeitet ist. Markschies geht es keineswegs um die Aneinanderreihung von Daten und Fakten, vielmehr um einen tiefen Einblick in das Leben der Christen, besonders das der "einfachen" und "normalen" - soweit es das Quellenmaterial zulässt-, nicht in das ihrer Vorsteher.