Es ist erstaunlich, dass dies die erste Amazon-Rezension ist. Handelt es sich bei Solly Ganors Schilderung seines Wegs durch den Holocaust doch mit Sicherheit nicht nur um eines der erschütterndsten, sondern zugleich auch um eines der wichtigsten Zeugnisse über den Mord an den europäischen Juden.
Zur letzten Behauptung:
Als litauischer Jude hat Solly Ganor nahezu alle Dimensionen des Völkermordes exemplarisch miterlebt, angefangen von den spontanen Massakern der litauischen Nationalisten über die planmäßigen Massenerschießungen der Gettobewohner in Kaunas, das Elend des KZ (Stutthof) und das Unternehmen der Nazis, die Juden (in Kaufering/Landsberg) durch Arbeit zu vernichten. Dem Leser wird deutlich, dass der Holocaust nicht nur in Ausschwitz und den Vernichtungslagern praktiziert wurde, sondern auch auf andere Arten, die besonders auch, was die quantitative Opfer-Dimension betrifft, in ihren Ausmaßen im Bewusstsein vieler Deutscher imer noch nicht präsent sind.
Das, was Solly Ganor erlebte, entspricht dem Schicksal vieler der überlebenden litauischen Juden, die dem Vernichtungsbestreben der Nazis seit ihrem Einmarsch 1941, im Ergebnis also ca. vier Jahre lang ausgeliefert waren. Doch abgesehen von der Bedeutsamkeit des inhaltlichen Panoramas, welches hier entfaltet wird, ist es vor allem die Vielfalt außerordentlicher Erlebnisse, die Solly Ganor hier erinnert:
Zur ersten Behauptung:
Man sagt (etwa Primo Levi), das es eigentlich unmöglich sei, das Wesen des Holocaust verbal und gar in Erinnerungsbildern wirklich adäquat zu fassen, denn dies sei nur denen möglich, die den Kelch der Vernichtung ganz geleert haben und damit dazu nicht mehr in der Lage seien. Ganz recht! Gleichwohl hat Solly Ganor auf seinem leidvollen Weg Dinge erfahren, die ganz nah an das eigentlich Unsagbare heranreichen, sei es sein Bericht von der Vernichtung des Gettokrankenhauses oder - Unfassbarkeit des Unfassbaren! - die Wiedergabe des Berichtes seines besten Freundes, der eine der planmäßigen Massenerschießungen als Opfer miterleben musste, diese wie durch ein Wunder überlebte und sich nachts aus dem unbewachten Massengrab befreien konnte.
Diese und eine ganze Reihe anderer Episoden sind dabei - im Gegensatz zu vielen anderen Überlebensberichten (die damit aber nicht kritisiert werden sollen, denn wer vermöchte schon, dem unvorstellbaren Grauen auch noch geschliffene Worte zu widmen) - von Solly Ganor so lebendig und anschaulich geschildert worden, dass ich, wenn es denn so etwas gäbe, dieses Buch einer Altersbeschränkung unterwerfen würde (ab 16).
Dieses Werk ist also ungemein erschütternd, ja auf seine Art literarisch herausragend und dabei zugleich auch sehr lehrreich, so dass es seinen Zweck, über den Holocaust wirklich aufzuklären, in meinen Augen wie kaum ein anderes erfüllt.