Fünf Mitglieder einer ehrenwerten Familie einer nordfranzösischen Hafenstadt planen das perfekte Verbrechen. Der Überfall auf ein Casino soll nicht nur reiche Beute bringen, sondern auch ganz ohne Spuren und ohne jegliche Gewalt vonstatten gehen. Doch trotz akribischer und ausgefeilter Planung läuft nicht alles nach Wunsch. Das Nachspiel an das Verbrechen wird im Anschluss ungleich spannender und fulminanter als der eigentliche Coup.
Pierre, einer der Ganoven, erzählt seine Sicht der Geschichte, richtet die Worte an seinen Chef Marin. Häufig bedauernd einer Lebensbeichte nicht unähnlich, doch mitunter auch mit den vorwurfsvollen Worten einer Anklage. Dabei lässt Pierre seiner Erinnerung freien Lauf, seine Gedanken und Gefühle mischen sich stets mit dem Erlebten. Dieser Bewusstseinsstrom sprudelt die Geschichte nur so hervor, die Sätze und Fragmente gehen fließend ineinander über, der Erzähler kommt immer mehr in Fahrt, verleiht der Story seine eigene Intensität. In einer selten gekannten Vitalität erzeugt Tanguy Viel so Bilder, die sich mit zunehmender Lesegeschwindigkeit zu einem bunten und virtuosen Kopfkino steigern. Ein wesentlicher Anteil an diesem Lesevergnügen gebührt sicherlich dem preisgekrönten Übersetzer Hinrich Schmidt-Henkel. Manches Detail dieser Geschichte mag am Ende unerwähnt bleiben, doch gewährt das Gesamtbild dem Leser immer genügend Raum für eigene Interpretationen.
Der eigentliche Raubzug mag zu Mitte des Buches bereits erzählt sein, doch findet der Coup mit seinem Nachspiel ein paar Jahre später ein dramatisches Finale, welches die Spannung noch einmal auf die Spitze treibt.
Eine kluger Thriller, in seiner Stimmung und Sprache überaus virtuos und spannend in Szene gesetzt.