Abenteuerbuch, Krimi, Entwicklungsroman? Alles gleichzeitig. Mit den Mitteln des Fantasy -Romans erzählt Ursula Wolter die spannende Geschichte des Drachenjungen Meris. Sie entfaltet eine fantastische Welt, aus der man wie von selbst Brücken zum menschlichen Leben findet. Geschwisterliebe und Geschwisterrivalität, Freundschaft und Enttäuschung, Krisen und ihre Bewältigung, Freiwerden von Bevormundung durch Eltern - fast alles, was in der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen bedeutsam ist, wird in kindgerechter Sprache und spannenden Szenen entfaltet.
Dabei spürt man nie einen erhobenen Zeigefinger. Am Leben des nicht immer so heldenhaften Helden findet der junge Leser - so hoffe ich - selbst seine Lösung. Zart, einfühlsam und ohne jeden Schnulzenton beschrieben finde ich die jugendliche Verliebtheit und Liebe des "Helden".
Die Dialoge sind locker, manchmal auch tiefgründig, nie langweilig. Phasen ruhiger Erzählung wechseln sich mit spannenden Action-Teilen ab. Einmal mehr zeigt sich die überbordende Fantasie der Autorin, die schon das Lesen ihres ersten Buches ("Timona") zu einem Vergnügen gemacht hat. Sehr fesselnd zu beschreiben weiß sie Wettkämpfe und später auch Kämpfe um Leben und Tod. Das berechtigte Bedürfnis von Kindern nach gefahrvollen Abenteuern kommt dabei voll auf seine Kosten.
Die Spannung wird ohne falsche Effekte durch jedes Kapitel und durch das ganze Buch gehalten. Höhepunkt waren für mich die letzten Kapitel, in denen das Buch zu einer Kriminalgeschichte wird und der Leser sich unversehens in einem Milieu von Spielern und Erpressern wieder findet. Mehr will ich nicht verraten. Nur so viel: Meris meistert auch dies.