Das Ehepaar Bandini, beide honorige Wissenschafter, hat ein literarisches Faible für das Anderweltliche, seien es Elfen, Drachen oder eben Zwerge. Liebevoll recherchiert und mit Anekdoten durchsetzt bietet "Das Zwergen-Buch" ein hilfreiches Nachschlagewerk über all das, was das Kleine Volk betrifft. Dabei gehen die Bandinis großzügig mit dem Begriff Zwerg um, schließlich ist diese "Artbezeichnung" kultur- und zeitabhängig. So wird nicht nur den herkömmlich bekannten Zwergen mit ihren überdimensionierten Knollennasen, phrygischen Zipfelmützen und langen Spitzbärten viel Raum gegeben, sondern auch Trollen, Heinzelmännern (nebst ebenso bärtigen Heinzeldamen), dem Rumpelstilzchen samt verwandten Unholden oder J.R.R. Tolkiens Hobbits.
Schon in der altgermanischen Göttersaga "Edda" spielen Zwerge eine wichtige Rolle, später treten sie als legendäre Nibelungen in Erscheinung. Einer der ihren, Alberich, nimmt sogar den Kampf mit Siegfried auf (dummerweise verliert er dabei seine Tarnkappe). In Südtirols Alpen soll Zwergenkönig Laurin einen wunderbaren Rosengarten angelegt haben. Schätze sammeln und Gartenkunst scheinen wichtige Hobbys in der Zwergenwelt zu sein, neben dem Schabernacktreiben. Selbst der Halbgott Herkules musste sich mit vorlauten Kleinlingen herumbalgen, ehe er Freundschaft mit ihnen, den so genannten Daktylen, schloss.
Heutzutage fristen viele Zwerge ihr Dasein in Form verkitschter Vorgartenfiguren. Im traditionell revolutionär gesonnenen Frankreich rief dies eine "Befreiungsfront für Gartenzwerge", kurz FLNJ, auf den Plan. Sehr zum Unmut ihrer großgewachsenen Besitzer werden Zwerge aus den Garten "befreit" und im Wald "freigelassen". Da geht's m Thüringischen Gräfenroda weit konservativer zu, schließlich ist der Ort die Urheimat aller Gartenzwerge, wie der Leser von den Bandinis erfährt.
Wenn Sie nun auf den Geschmack gekommen sind und noch mehr wissen wollen, etwa warum britische Brownies hilfsbereit, ihre Verwandten, die Redcaps, allerdings das spitze Häubchen am allerliebsten in Menschenblut färben, warum schwedische Tomtes Tabak schätzen, irische Leprechauns Whiskey lieben, kornische Pixies gerne auf Hügelgräbern tanzen, bretonische Korrigans unter Menhiren wohnen oder was die Lieblingsspeise eines kultivierten Farfadet aus Frankreich ist, dann kaufen Sie "Das Zwergen-Buch". Amüsante Kurzweile ist garantiert. Und wer weiß, vielleicht kommt ein hilfreiches kleines Wesen mit Freihaus.