Mit "Prof. Sigmund Freud" legt das Hörspiellabel "Stil", das man durch Produktionen wie die "Edgar-Allan-Poe"-Reihe, dem "Perry-Rhodan-Sternenzyklus" aber auch "Hui Buhs Neue Welt" kennt, erstmals eine Hörspielreihe unter eigener Flagge vor. Mit ins Boot geholt hat man allerdings den hr, mit dem man schon früher zusammengearbeitet hat. Damit wird die Reihe nicht nur auf CD erscheinen (ab Januar 2011), sondern wird auch im Sommer 2011 im Radio zu hören sein.
In der ersten Folge treffen die künftigen Protagonisten der Reihe aufeinander. Der Gendarm Gruber macht seine Arbeit zu schaffen, was ihn in die Behandlung von Sigmund Freud treibt. Insbesondere ein Mord am Theater steht dabei im Fokus. Freud interessiert sich für den Fall, ist aber aufgrund seiner eigenen Tätigkeit an seine Praxis gebunden. Stattdessen schickt er seine Tochter Anna, um Gruber bei den Ermittlungen zu unterstützen und so Licht ins Dunkel zu bringen. Der Fall nimmt mysteriöse Züge an - in einem dramatischen Finale muss aber Sigmund Freud auch selbst handeln, um eine Gefahr abzuwenden.
Die Erzählweise hebt sich etwas vom Üblichen ab. Es gibt keinen nominellen Erzähler, stattdessen bringt man Freuds Ich, Über-Ich und Es zu Gehör und schafft so ein Abbild der jeweiligen Gedankengänge und Folgerungen. Ein origineller Kniff, der perfekt zu dieser Serie passt. Ansonsten findet sich die Geschichte auschließlich in Dialogen wieder. Trotz einer Spielzeit von etwas über einer Stunde gelingt es, die Charaktere einzuführen und einen soliden Kriminalfall unterzubringen.
Die Inszenierung lebt von der großartigen Stimmung, die man durch eine sehr dezente Musikuntermalung und durch die eher ruhig auftretenden Protagonisten erreicht. Gerade Andreas Fröhlich und Hans-Peter Hallwachs prägen dieses Bild; Fröhlich als etwas zurückhaltender und unsicherer Gendarm, Hallwachs als ruhig und sachlich auftrender Analytiker. Etwas mehr Lebendigkeit bringt Felicitas Woll als Anna in die Geschichte ein. Aber auch sie hält sich dabei im Rahmen dessen, was das historische Klischee der Handlungszeit vorgibt. Sehr gute Besetzungen gibt es aber auch in den Nebenrollen, insbesondere Rolf Zacher und Sascha Rotermund setzen hier Akzente.
Besonders an der Reihe ist, dass jede Folge einen besonderen Aspekt der Psychologie in den Fokus des Falles rückt. Dieser ist dann nicht nur das tragende Motiv des Falles, sondern wird auch noch in einem Bonustrack von Dr. Salwa Meier erläutert.
Mit "Das zweite Gesicht" startet das Label Stil in eine vielversprechende Serie. Die originelle Erzählweise, die perfekt an das Grundthema angepasst ist, sorgt für eine sehr unterhaltsame Krimistunde. Die Folge trotzt den Schwierigkeiten einer Anfangsfolge, das Vorstellen der Charaktere und einen ansprechenden Plot, in einer begrenzten Spielzeit unterzubringen, recht gut und so kann ich diese Episode Freunden atmosphärisch gelungener Krimis durchaus ans Herz legen.