Stimmt, das Thema um den Gedächtnisverlust ist abgegriffen, und von einem "Marken"-Autor wie Ken Follett erwartet man etwas frisches, besonders weil er zwei Jahre Zeit verbrachte diesen Roman zu schreiben. Ich ließ mich auf die Geschichte ein, und wurde positiv überrascht. Der Roman hat eine Menge Schwächen - lange Zeit keine konsequenter Spannungsaufbau, man weiß was kommt; man fühlt sich nie in den Jahren, von denen Follett schreibt; usw. - aber die schöne und auch dramatische Liebesgeschichte der Hauptfiguren fesselt mehr als der eigentliche Agentenroman. Das ist nicht schlecht, aber wohl eine Genreverfehlung. Die Recherche ist grandios, da an alles von was Follett schreibt schwer ran zu kommen ist, das gebührt einem Lob, aber leider täuscht das am Ende nicht über die Vorhersehbarkeit des Romans hinweg.
Alles in allem ist "Das zweite Gedächtnis" in Teilen vergleichbar mit "Die Nadel", "Der Schlüssel zu Rebecca" und "Die Löwen". Auch dort ist die Liebesgesichte oft dominierender als der Thrill.
Noch ein Wort zur Übersetzung: Eine gewisse Christel Rost hat da mitübersetzt; ich liebe die bayerische Sprache, aber in einem "amerikanischen" Roman Ausdrücke wie "Ah weh", "Herrgott nochmal" oder "greinen" zu lesen ist peinlich für den Verlag.