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Das Zusammenleben der Kulturen. Ein Gegenentwurf zu Huntington.
 
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Das Zusammenleben der Kulturen. Ein Gegenentwurf zu Huntington. [Broschiert]

Harald Müller
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Produktinformation

  • Broschiert: 256 Seiten
  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt (November 2001)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596139155
  • ISBN-13: 978-3596139156
  • Größe und/oder Gewicht: 19,1 x 12,6 x 1,9 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 542.899 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Harald Müller
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Seit dem 11. September 2001 ist -- wie sollte es anders sein? -- ständig die Rede vom Kampf der Kulturen, den Samuel Huntington vor ein paar Jahren für unsere Zukunft prognostiziert hat. Die einen sehen in den islamistisch-djihadistischen Anschlägen eine Bestätigung der Kulturkampfthese, die anderen werden nicht müde zu betonen, dass das, was wir jetzt erleben, eben kein Kampf der Kulturen sei. Die Frage aller Fragen ist nun: Was hat es denn nun tatsächlich auf sich mit den Thesen des amerikanischen Politikwissenschaftlers und Bestsellerautoren?

Nicht viel! Dies belegt neben der brillanten Studie von Martin Riesebrodt über Die Rückkehr der Religionen eindrucksvoll auch Harald Müllers Arbeit über Das Zusammenleben der Kulturen. Müller, Mitglied des Hessischen Instituts für Friedens- und Konfliktforschung, liefert mit seinem Buch zunächst das notwendige Rüstzeug für jeden, der gegen Huntington oder einen seiner Epigonen in einer Talkshow bestehen will. Dazu freilich braucht er nicht mehr als 20 Seiten. Auf diesen liefert er zunächst eine hervorragende Zusammenfassung des Mega-Bestsellers, eine wissenschaftstheoretisch abgestützte Kritik der zugrunde liegenden Methode (die auch auf die Frage eingeht, weshalb das Buch so erfolgreich ist), sowie schließlich die Widerlegung der zentralen Thesen, wie etwa der von den "blutigen Grenzen des Islam".

Für die glaubt Huntington einen statistischen Beweis führen zu können, weil "von einunddreißig gewaltsamen Konflikten zwischen zwei und mehreren Parteien aus verschiedenen Kulturen einundzwanzig -- also zwei Drittel -- mit moslemischer Beteiligung stattfinden". "Das sieht freilich ganz danach aus", so Müller, "als sei der Islam eine besonders gewaltfreudige Kultur. Denkt man jedoch einen Augenblick nach, so fällt einem auf, dass die islamischen Kämpfer für einen 'interkulturellen Konflikt' ja stets eine nichtislamische Gegenpartei brauchen. Mit dieser Überlegung kann man die Statistik in der folgenden Weise neu lesen: Von zweiundsechzig Parteien, die in gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen den Kulturen verwickelt sind, sind einundzwanzig -- also etwa ein Drittel -- Staaten und Gruppierungen islamischer Herkunft." Angesichts der Tatsache, über die uns ein Blick auf die Weltkarte belehrt, "dass der Islam weitaus mehr Außengrenzen zu Lande hat als jede andere Weltreligion", entpuppt sich Huntingtons Statistik bei genauem Hinsehen als Mogelpackung und die angeblich überdurchschnittliche Kampfeslust der Muslime als statistischer Erwartungswert.

Doch Müller liefert nicht nur schwerlich zu entkräftende Argumente gegen die simple, der tatsächlichen Komplexität der Welt nicht annähernd adäquaten Theorie Huntingtons -- wie gesagt, damit ist er schnell fertig, und er bietet vor allem einen bedenkenswerten Gegenentwurf. In dessen Zentrum steht die wohl begründete Überzeugung, dass es zu einer umfassenden, kulturübergreifenden Zusammenarbeit zwischen den Kulturen keine sinnvolle Alternative gibt, und dass dies den auf der politischen Bühne agierenden Akteuren zunehmend auch ins Bewusstsein tritt. --Andreas Vierecke

Kurzbeschreibung

Die Thesen des US-amerikanischen Politologen Huntington mit dem Schlüsselbegriff des »Kampfes der Kulturen« haben in den letzten Jahren großes Aufsehen erregt. Einer seiner qualifiziertesten Kritiker meldet sich nun zu Wort: Dr. Harald Müller von der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung in Frankfurt legt seinen Gegenentwurf vor. Kritisch betrachtet er Huntingtons Weltsicht, die geprägt ist von den angeblich feindseligen Zivilisationen, die den Westen bedrohen. Müller zeigt, wie gefährlich und verführerisch es ist, vereinfachte Welt- und Feindbilder zu zeichnen oder sie zu übernehmen. Die Weltgesellschaft muß auf Kooperation setzen und nicht auf Konfrontation. Die Komplexität der internationalen Beziehungen gilt es nicht nur auszuhalten, sondern zu nutzen. Globaler Friede ist nur möglich, wenn die wichtigen Akteure der Weltpolitik Offenheit und Interesse an anderen Kulturen zeigen. In eindringlicher Weise macht der Autor deutlich, daß nicht der Kampf, sondern der Dialog der Kulturen eine friedliche Zukunft der Weltgemeinschaft garantieren kann - und daß dies ein durchaus realistischer Weg ist.

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Kundenrezensionen

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
61 von 82 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Broschiert
Meine verzweifelte Hoffnung auf eine stringente und intellektuell anspruchsvolle Gegenposition zu Huntington, wurde leider auch diesmal entäuscht. Der Autor liefert lediglich eine reiche Vielfalt an utopischen Durchhalteparolen und überholten Thesen des ideologischen Zeitalters. Nur fehlt es eben an Substanz und kann ich es lediglich als Negativbeispiel für intellektuelle Hilflosigkeit empfehlen. Eine bessere Faktengrundlage hätte vielleicht dazu beigetragen, dass der Leser nicht (ungefähr ab Seite 14) den Eindruck gewinnt es handle sich hier möglicherweise um eine Art Sammelwerk der multikulturellen Endsiegmentalität.

Anderseits mangelt es dem Autor allerdings keineswegs an Selbstbewußtsein. Im Buch steht als drin was wir tun "müssen" und denken "sollen". Eine Gesinnungspredikt für jeden geistigen Masochisten.

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Format:Broschiert
Müller ist Professor für internationale Beziehungen an der Uni Frankfurt. In seinem Buch legt er einen Gegenentwurf zu Huntingtons Analyse zur Entwicklung der wirtschaftlichen und politischen Kulturräume. Nach H. grenzen sich Kulturräume aus kulturell-religiösen Motiven voneinander ab. Nur gegenseitige Anerkennung und nicht Angleichung an westliche Vorstellungen kann eine friedliche Koexistenz ermöglichen.
Müller vertritt hingegen im Rahmen der Modernisierung des Lebensstandards nichtwestlicher Kulturen auch die Globalisierung westlicher Werte. Offensichtlich geht er von einem säkularistischen Kulturverständnis aus, nach dem die religiös-kulturelle Dimension vom säkulären Bereich, also von Politik und Wirtschaft, getrennt betrachtet werden kann. Will man aber die Kultur von Ländern beurteilen, muss man berücksichtigen, dass diese meist eine Einheit von politischen, kulturellen und religiösen Vorstellungen vertreten. Insofern wird Müllers ständige Unterscheidung der religiösen Einstellung und wirtschaftlicher und politischer Dimensionen einer Gesellschaft der Realität solcher Länder nicht gerecht.
Man darf die Bedeutung der Religionen und Weltanschauungen nicht unterschätzen, nur weil sie vielleicht im Westen keine große Rolle mehr spielen. In Wirklichkeit dürfte da Huntington richtiger liegen, dass man eine wechselseitige Beeinflussung von den verschiedenen Interessenlagen mehr berücksichtigen muss. Huntingtons These ist nämlich, nachdem anfangs mit der Modernisierung auch westlicher Werte in eine nichtwestliche Gesellschaft eingeführt wurden, sie später wieder abgestoßen werden, wenn diese Länder wirtschaftlich und politisch mehr Profil gewonnen haben. Ich habe selbst solcherart Strategien und Absichten in Iran und Pakistan von Muslimen, die in der Wirtschaft eine Orientierung am Westen und westlichen Methoden vertraten, bestätigt bekommen. Mit zunehmender wirtschaftlicher Stärke, so Huntington, beginnt eine Rückbesinnung auf eigene kulturelle und religiöse Werte. Ob dies bei einer Mehrheit stattfindet oder nicht, ist eine andere Frage.
Müller hat in seinem Versuch einer Widerlegung von Huntington nicht genug gewürdigt, dass es diesem nur darum ging die Entwicklung der Kulturräume der letzten 20 Jahre zu analysieren, er wollte weniger prognostizieren. Betrachtet man die weltpolitischen Analysen der beiden, fällt auf, dass die Daten die gleichen sind, nur unterschiedlich gewertet werden. Sie gehen beide von einer fortschreitenden Modernisierung der nichtwestliche Gesellschaften aus und sehen die Ursachen der meisten Kriege in ethnischen Differenzen. Auch sehen sie, dass dabei die Religion eine nicht zu unterschätzenden Rolle spielt. Müller vermutet, dass sich bei dieser Modernisierung im Sinne einer Angleichung an den Westen auch die Werte angeglichen werden und die religiösen Differenzierungsmuster zurücktreten werden. Das westliche Denken des Pluralismus und Demokratisierungsprozesse werden voranschreiten und sich letzten Endes im großen Rahmen der Globalisierung durchsetzen. Und auch nur so sei künftig eine weltweite Zusammenarbeit möglich. Damit vertritt er eigentlich mit großer Zuversicht den westlichen Hegemonismus, der nichts anderes ist als westlicher Kulturimperialismus. Gerade den Islam schätzt er dabei meines Erachtens völlig falsch ein. Für islamische Kulturen ist eine Angleichung an westlichen Kulturen ein indiskutabler Gräuel.
Huntington sieht das wohl realistischer. Er unterscheidet zu Recht Modernisierung und Verwestlichung. Die Schere zwischen beiden könne weit auseinandergehen, da jederzeit eine Abgrenzung im kutlturell-religiösen Bereich möglich sei. Die meisten Muslime z.B. haben überhaupt keine gedanklichen Probleme die westlichen Errungenschaften im Bereich des technischen Fortschritts in ihr islamisch orientierte Sichtweise der Dinge einzufügen. Dabei bleibt ihr Glaubenssystem völlig unberührt. Die Immunität der Japaner gegen westliche Glaubenssätze trotz wirtschaftlichem Nachmachertum ist schon Legende.
Beide Autoren wünschen sich eine friedliche Koexistenz der Kulturen. Es wird spannend zu sehen wie sich das alles im wirklichen Leben entwickelt. Falls die Koexistenz nicht gelingen sollte, wird sich keiner an Huntington oder Müller erinnern!
Auch wenn ich die Theorien Müllers größtenteils nicht für realistisch halten, ist es dennoch ein informatives Buch.
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25 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Lesenswert 4. Juni 2005
Von Ein Kunde
Format:Broschiert
Zunächst mal stellt der Autor Begriffe klar und erklärt, worum es Huntington eigentlich gehe. Nach seiner Meinung macht es sich Huntington zu einfach, indem er Schwarz-Weiß-Malerei betreibt.
Zum Beispiel erklärt Huntington, daß bei 50% aller interkulturellen Konflikte der Islam beteiligt sei. Das klingt furchtbar, das heißt aber nur, daß von diesen 50% die Hälfte muslimische Staaten sind, also sind es eigentlich nur 33%.

Huntington erwähnt auch den Bosnienkonflikt und stellt ihn als ein Beispiel für den Kampf der Kulturen dar. Aber eigentlich, so der Autor, handele es sich um einen ethnischen Konflikt, bei dem der christliche Westen die moslemische Bosnier unterstützt hat usw.

Überhaupt faßt der Autor den Begriff "Kultur" enger und bezieht ihn im Prinzip auf politische Werte (z.B. Individualismus, Demokratie, Marktwirtschaft). Die meisten, eigentlich alle Konflikte, die auf dem ersten Blick Kulturkonflikte darstellen, sind für ihn ethnische Konflikte.

Der Autor stellt dann dar, daß es wichtige Gegenargumente gegen einen Kampf der Kulturen gibt: Die Welt befindet sich im Umbruch, es gibt funfamentale technologische Neuerungen, noch nie haben Menschen so intensiv weltweit Handel getrieben, es gibt ungeahnte Möglicchkeiten der Kommunikation. Die Weltpolitik wird immer noch von Staaten bestimmt, die folgende Ziele haben: Erstens möchten sie sich gerne erhalten und zweitens wird es für sie immer wichtiger, die Bedürfnisse ihrer Bürger zu befrieden. Die Bürger der Staaten nehmen zunehmend Einfluss und streben nach Wohlstand und Wissen unabhängig von ihrer Kultur. Das setzt alle Staaten einem Modernisierungsdruck aus, der einen Kulturkampf zumindest teilweise mindert. Auf der anderen Seite schüren Veränderungen auch Ängste, aber der Autor sieht nicht, daß die Welt deswegen in Kulturblöcke gespalten wird.

Anschließend geht der Autor auf die wichtigsten Kulturregionen ein und beschreibt die möglichen Konfliktpotentiale und die möglichen Mittel, diese Konflikte zu entschärfen. China z.B. hat mit fast allen Nachbarn Grenzkonflikte, sieht sich als der natürliche Hegemon der Region, wie es früher in der Geschichte immer war. Der Autor beschreibt nun, wie einerseits die Führung hin- und hergerissen wird zwischen Anspruch eines totalitären Staates und den Modernisierungsdruck, ohne den China seine Machtvisionen nicht verwirklichen kann. Der Autor meint, daß längerfristig die Modernisierung mit der Demokratie siegen wird, denn freie Marktwirtschaft sei ohne Freiheit letztendlich nicht zu verwirklichen. Außerdem stellt der Autor dar, wie die Nachbarn sich gegen eine mögliche Aggression Chinas schützen, z.B. durch Bündnisse wie ASEAN oder die Anlehnung an die USA (Japan).

Meine Meinung: Wenn der Autor recht hätte, hätte es nie Kriege gegeben, denn die Menschen trieben immer Handel miteinander und wollten immer Wohlstand und Glück. Außerdem ist Krieg immer ein hohes Risiko und meistens unvernünftig. Trotzdem verlief die Geschichte nicht so, es gab immer unvernünftige und unvorhergesehene Entwicklungen, man kann die Geschichte nicht berechnen und nichts ausschließen.

Ich glaube außerdem, daß er Huntington nicht richtig verstanden hat. Es geht Huntington nur vordergründig um Religion, das ist für ihn nur ein Aufhänger, natürlich glaubt Huntington nicht, daß Indien einen Weltkrieg anfängt, um das Schlachten von Rindern weltweit zu ächten oder so. Huntington schrieb von der Position der Weltmacht aus, er sagt, daß die USA nicht immer Weltmacht sein werden und stellt sich die Frage: "Wer kommt nach uns? Wer macht uns unsere Position streitig?" Außerdem glaubt Huntington nicht, daß die Demokratie alle Menschen gleich macht: Indien ist eine Demokratie, aber dennoch sind die Menschen anders, was ihre Werte betrifft und werde anders Politik machen, auch gegen den Westen möglicherweise, das ist die Botschaft Huntingtons. In diesem letzten Punkt besteht eine echte Meinungsverschiedenheit zwischen den beiden Autoren, wobei ich da Huntigton recht gebe, daran hat das Buch nichts geändert.

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