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Nicht viel! Dies belegt neben der brillanten Studie von Martin Riesebrodt über Die Rückkehr der Religionen eindrucksvoll auch Harald Müllers Arbeit über Das Zusammenleben der Kulturen. Müller, Mitglied des Hessischen Instituts für Friedens- und Konfliktforschung, liefert mit seinem Buch zunächst das notwendige Rüstzeug für jeden, der gegen Huntington oder einen seiner Epigonen in einer Talkshow bestehen will. Dazu freilich braucht er nicht mehr als 20 Seiten. Auf diesen liefert er zunächst eine hervorragende Zusammenfassung des Mega-Bestsellers, eine wissenschaftstheoretisch abgestützte Kritik der zugrunde liegenden Methode (die auch auf die Frage eingeht, weshalb das Buch so erfolgreich ist), sowie schließlich die Widerlegung der zentralen Thesen, wie etwa der von den "blutigen Grenzen des Islam".
Für die glaubt Huntington einen statistischen Beweis führen zu können, weil "von einunddreißig gewaltsamen Konflikten zwischen zwei und mehreren Parteien aus verschiedenen Kulturen einundzwanzig -- also zwei Drittel -- mit moslemischer Beteiligung stattfinden". "Das sieht freilich ganz danach aus", so Müller, "als sei der Islam eine besonders gewaltfreudige Kultur. Denkt man jedoch einen Augenblick nach, so fällt einem auf, dass die islamischen Kämpfer für einen 'interkulturellen Konflikt' ja stets eine nichtislamische Gegenpartei brauchen. Mit dieser Überlegung kann man die Statistik in der folgenden Weise neu lesen: Von zweiundsechzig Parteien, die in gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen den Kulturen verwickelt sind, sind einundzwanzig -- also etwa ein Drittel -- Staaten und Gruppierungen islamischer Herkunft." Angesichts der Tatsache, über die uns ein Blick auf die Weltkarte belehrt, "dass der Islam weitaus mehr Außengrenzen zu Lande hat als jede andere Weltreligion", entpuppt sich Huntingtons Statistik bei genauem Hinsehen als Mogelpackung und die angeblich überdurchschnittliche Kampfeslust der Muslime als statistischer Erwartungswert.
Doch Müller liefert nicht nur schwerlich zu entkräftende Argumente gegen die simple, der tatsächlichen Komplexität der Welt nicht annähernd adäquaten Theorie Huntingtons -- wie gesagt, damit ist er schnell fertig, und er bietet vor allem einen bedenkenswerten Gegenentwurf. In dessen Zentrum steht die wohl begründete Überzeugung, dass es zu einer umfassenden, kulturübergreifenden Zusammenarbeit zwischen den Kulturen keine sinnvolle Alternative gibt, und dass dies den auf der politischen Bühne agierenden Akteuren zunehmend auch ins Bewusstsein tritt. --Andreas Vierecke
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Anderseits mangelt es dem Autor allerdings keineswegs an Selbstbewußtsein. Im Buch steht als drin was wir tun "müssen" und denken "sollen". Eine Gesinnungspredikt für jeden geistigen Masochisten.
Huntington erwähnt auch den Bosnienkonflikt und stellt ihn als ein Beispiel für den Kampf der Kulturen dar. Aber eigentlich, so der Autor, handele es sich um einen ethnischen Konflikt, bei dem der christliche Westen die moslemische Bosnier unterstützt hat usw.
Überhaupt faßt der Autor den Begriff "Kultur" enger und bezieht ihn im Prinzip auf politische Werte (z.B. Individualismus, Demokratie, Marktwirtschaft). Die meisten, eigentlich alle Konflikte, die auf dem ersten Blick Kulturkonflikte darstellen, sind für ihn ethnische Konflikte.
Der Autor stellt dann dar, daß es wichtige Gegenargumente gegen einen Kampf der Kulturen gibt: Die Welt befindet sich im Umbruch, es gibt funfamentale technologische Neuerungen, noch nie haben Menschen so intensiv weltweit Handel getrieben, es gibt ungeahnte Möglicchkeiten der Kommunikation. Die Weltpolitik wird immer noch von Staaten bestimmt, die folgende Ziele haben: Erstens möchten sie sich gerne erhalten und zweitens wird es für sie immer wichtiger, die Bedürfnisse ihrer Bürger zu befrieden. Die Bürger der Staaten nehmen zunehmend Einfluss und streben nach Wohlstand und Wissen unabhängig von ihrer Kultur. Das setzt alle Staaten einem Modernisierungsdruck aus, der einen Kulturkampf zumindest teilweise mindert. Auf der anderen Seite schüren Veränderungen auch Ängste, aber der Autor sieht nicht, daß die Welt deswegen in Kulturblöcke gespalten wird.
Anschließend geht der Autor auf die wichtigsten Kulturregionen ein und beschreibt die möglichen Konfliktpotentiale und die möglichen Mittel, diese Konflikte zu entschärfen. China z.B. hat mit fast allen Nachbarn Grenzkonflikte, sieht sich als der natürliche Hegemon der Region, wie es früher in der Geschichte immer war. Der Autor beschreibt nun, wie einerseits die Führung hin- und hergerissen wird zwischen Anspruch eines totalitären Staates und den Modernisierungsdruck, ohne den China seine Machtvisionen nicht verwirklichen kann. Der Autor meint, daß längerfristig die Modernisierung mit der Demokratie siegen wird, denn freie Marktwirtschaft sei ohne Freiheit letztendlich nicht zu verwirklichen. Außerdem stellt der Autor dar, wie die Nachbarn sich gegen eine mögliche Aggression Chinas schützen, z.B. durch Bündnisse wie ASEAN oder die Anlehnung an die USA (Japan).
Meine Meinung: Wenn der Autor recht hätte, hätte es nie Kriege gegeben, denn die Menschen trieben immer Handel miteinander und wollten immer Wohlstand und Glück. Außerdem ist Krieg immer ein hohes Risiko und meistens unvernünftig. Trotzdem verlief die Geschichte nicht so, es gab immer unvernünftige und unvorhergesehene Entwicklungen, man kann die Geschichte nicht berechnen und nichts ausschließen.
Ich glaube außerdem, daß er Huntington nicht richtig verstanden hat. Es geht Huntington nur vordergründig um Religion, das ist für ihn nur ein Aufhänger, natürlich glaubt Huntington nicht, daß Indien einen Weltkrieg anfängt, um das Schlachten von Rindern weltweit zu ächten oder so. Huntington schrieb von der Position der Weltmacht aus, er sagt, daß die USA nicht immer Weltmacht sein werden und stellt sich die Frage: "Wer kommt nach uns? Wer macht uns unsere Position streitig?" Außerdem glaubt Huntington nicht, daß die Demokratie alle Menschen gleich macht: Indien ist eine Demokratie, aber dennoch sind die Menschen anders, was ihre Werte betrifft und werde anders Politik machen, auch gegen den Westen möglicherweise, das ist die Botschaft Huntingtons. In diesem letzten Punkt besteht eine echte Meinungsverschiedenheit zwischen den beiden Autoren, wobei ich da Huntigton recht gebe, daran hat das Buch nichts geändert.
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