Vorsicht vor diesem Buch! Wer es nur oberflächlich liest, dem mag die Idee kommen, für unsere Zukunft nichts mehr tun zu müssen. Alles ist rosig, alles und jeder, der die Zukunft in düsteren Farben malt, wird niedergemacht und als Panikmacher angeprangert. Sicher hat Horx Recht, wenn er z.B. die Panikmache einiger Umweltschützer skeptisch sieht. Aber nüchterne Analysen, welche Gefahren der Zukunft heute realistisch dargestellt werden, sind nirgendwo zu finden. Dafür abgestandene, oberflächliche Sätze wie diesen:
"Firmen und Konzerne sind mit vielen unsichtbaren Fäden mit den Gesellschaften und Märkten verbunden, und sie lernen immer mehr, mit dieser Komplexität differenzierter umzugehen als in den Input-Output-Logiken des frühen industriellen Zeitalters."
Hübsche Formulierung, die letztlich aussagt, dass die Unternehmen auf Profit verzichten würden. Doch wo bleiben die Beweise? Man findet keinen einzigen in dem Buch.
Horx bringt z.B. das Beispiel der sog. "Familienfirmen", in der der Arbeitnehmer gut versorgt wird, usw. Dass es solche Ausnahmen auch schon zu Zeiten der Industrialisierung gab, will er nicht wahrhaben. Einen generellen Trend, der besagt, dass Wirtschaftskrisen nicht mehr zustande kommen, weil die Unternehmen ja soviel "dazugelernt" haben, kann Horx nicht beweisen.
Überhaupt sieht Horx die Welt recht unternehmerfreundlich - v.a. die neoliberalen Arbeitsmarktmodelle aus aller Welt (v.a. aus den USA) lobt er über den grünen Klee. Auch die Flexibilisierungen des Arbeitsmarktes vertritt er vehement. Am Anfang des Buches noch schreibt er darüber, wie sich bestimmte Erfindungen wie das Bildschirm-Telefon nicht durchsetzten, weil sie den menschlichen Bedürfnissen widersprechen. Dass die ganzen Flexibilisierungen diesen auch widersprechen, ignoriert er und meint sogar, Familien würden Vertreter dieser Flexibilisierungen werden. Alle diese unlogischen Gedankengängen werden vermischt mit schönen Phrasen, die, wenn man sie mal genauer durchdenkt, seine Thesen aber überhaupt nicht belegen.
Seine Basis-These ist, dass der Fortschritt in der Welt auf der Aufhebung von Widersprüchen besteht. Dies ist auch durchaus richtig, aber seine abgeschmackten extremst oberflächlichen Schlussfolgerungen sind schockierend. Anstatt bei Hegel und Marx nachzulesen, was die wirklichen Widersprüche in unserer Gesellschaft sind, erklärt er seinen Optimismus anhand von nebensächlichen Widersprüchen wie den, dass der Staat die Armen durch Forderungen fördern muss.
Läuft letztendlich alles wieder auf neoliberale Forderungen heraus. Ein Buch, das schwach an Beweisen ist und versucht die Zukunft zu verklären.