... und das Zimmer der Signora. So heisst das Hauptkapitel von Hansjörg Schertenleibs Roman aus dem Jahr 1996 und zeigt, dass der Titel problematisch ist und nicht wirklich etwas über den Inhalt des Buches aussagt.
Im ersten Kapitel geht es um den 24-jährigen Italo-Schweizer Stefano Mantovani, der nach Norditalien zurückkehrt, da sein Vater Suizid begangen hat. Seine Familiengschichte ist wirklich interessant. Nach der Scheidung der Eltern wächst er in der Schweiz auf, getrennt von seinem Bruder, der bei seinem Vater geblieben ist. Zudem trifft Stefano seine Jugendliebe Carla wieder.
Das zweite Kapitel spielt in einem Veteranenheim, wo alte Männer ausrangiert worden sind, bis sie sterben. Stefano wird vom Militär verhaftet und muss dort als Pfleger seinen Wehrdienst ableisten. Das Leben im Altersheim und die Geschichten der alten Männer wird sehr zähflüssig erzählt. In Rückblenden kommt immer wieder die Vergangenheit von Stefano zu Tage, die von sexuellen Obsessionen durchdrungen ist. Schliesslich taucht eine geheimnisvolle Signora auf, die Stefano als Vorleser engagiert, um in einer Frauenrunde sexuell anstössige Texte vorzutragen. Diese Szenen erinnern mich irgendwie an den Kubrick-Film "Eyes Wide Shut".
Im dritten Kapitel fasst Stefano von der Signora den Auftrag, ein Bild von einem verkaufsunwilligen Künstler zu beschaffen. Er quittiert den Militärdienst und geht nach London. Schliesslich endet der Roman in Irland.
Schertenleibs Roman "Das Zimmer der Signora" ist ein kunstvolles Konglomerat von verschiedensten Erzählsträngen, Erzählebenen und Themen. Insgesamt fand ich die Szenen im Veterenanheim zu episch und folglich auch etwas langweilig. Die Familien- und Liebesgeschichte kommt leider zu kurz. Vieles bleibt für mich unklar, insbesondere auch die Rolle der Signora. Keine klare Message ist für mich erkennbar. „Das Zimmer der Signora" ist nicht gerade ein Buch, dessen Inhalt durch den Leser leicht erfassbar ist.