Von einem deutschen Autor erwartet man eigentlich eine etwas differenziertere Darstellung des Weges, den die Zigarre in Europa, insbesondere in Deutschland, genommen hat. Etwa 2/3 des Lexikons befassen sich ausschließlich mit Begriffen, welche die Cuba-Zigarre betreffen. Der - durchaus interessante - Rest des Lexikons befasst sich fast nur mit hochpreisigen Premiumzigarren aus der Karibik, Mexico und den Kanaren. Die einst renommierte deutsche Zigarrenindustrie wird kaum erwähnt, obwohl das auch für den heutigen Leser von Interesse wäre. Wer, wie ich, über ein Zigarrenbuch aus dem Jahr 1970 verfügt, weiß noch, in welcher Vielfalt deutsche Zigarren früher hergestellt wurden. Damals gabs noch keine Premium-Zigarren und Importe waren was für Neureiche und Angeber. Daß es den Prototyp des damaligen Zigarrenrauchers mitsamt seinen altmodischen Zigarrenformaten wie Kneifer, Kreisel, Keule, Doppelkopf usw nicht mehr gibt, weiß ich auch. Andererseits: wenn nach den Angaben des Autors im Jahr 1996 in Deutschland etwa 1,4 Milliarden Zigarren verkauft wurden, davon rund 16% einen minimalen Durchschnittspreis hatten und von hochpreisigen Zigarren nur etwa 20.000 Stück verkauft werden konnten, stellt sich die Frage, ob dieses Lexikon nicht am Verbraucher vorbeigeht. Die Verkaufszahlen teurer Importzigarren hat sich seit 1996 zweifellos vervielfacht, aber etwa 90% der deutschen Zigarrenraucher können sich diesen Luxus wahrscheinlich gar nicht leisten. Die können mit einem solchen Lexikon wohl kaum etwas anfangen. Bedauerlich auch, daß die Sumatra-Zigarre, einst die europäische Zigarre überhaupt, nur nebenbei erwähnt wird, so als gäbe es die gar nicht mehr. Dieses Zigarren-Lexikon, mehr als lückenhaft und nur für Leute mit Geld interessant, die sich die angepriesenen Premium-Zigarren auch leisten können, scheint sein Ziel verfehlt zu haben. Über Buchpreise kann man - abschließend gesagt - sowieso streiten. Aber so viel Geld für ein Zigarrenlexikon ohne ein einziges Foto?