Unlängst habe ich mir das Zigarren Handbuch von Dieter H. Wirtz gekauft, und ich muss sagen: Als passionierter Zigarrenraucher habe ich noch nie ein besseres "Handbuch" über Zigarren in den Händen gehalten. Allein die Aufmachung und das Layout des Bandes sind lobenswert. Das Buch selbst ist mit einer Banderole verziert und obendrein in einer hölzernen Zigarrenkiste verpackt. Schon dadurch erhält das Handbuch eine bibliophile Aura. Aber jetzt zum Inhalt: Das Buch schildert ausführlich den Produktionsprozess der Zigarre, vom Saatkorn bis hin zur fertig verpackten Zigarre. Der Autor erklärt alles Wesentliche über die Geschichte der Zigarre, über die richtige Verpackung, Lagerung sowie alles Wissenswerte über die verschiedenen Sorten und Typen. Die letzten beiden Kapitel des Buches sind ein jeweils lexikalisches Verzeichnis über die Formate respektive über die unterschiedlichen Zigarrenmarken.
So ist es beispielsweise interessant zu erfahren, dass fast täglich eine neue Zigarrenserie kreiert wird, andererseits aber genau so oft eine Marke oder ein bestimmtes Format aus dem Handel verschwindet. Und das nicht nur aus Qualitätsgründen: Gewisse Zigarrenmarken können einfach nicht mehr hergestellt werden, weil nicht mehr genügend Tabake zur Verfügung stehen.
Das Zigarrerauchen galt schon lange vor der Entdeckung Amerikas als Tradition bei den präkolumbischen Indianern. Mit dem Rauchen einer Zigarre wurde zum Beispiel ein Vertrag besiegelt, wodurch diese Vertragsvereinbarung bereits rituellen Charakter bekam. Und dieser Ritus des Zigarrerauchens ist bis zum heutigen Tage bei den "Aficionados" nicht verloren gegangen. Eine Zigarre wird nicht nur einfach geraucht, sondern das Rauchen wird zelebriert. Das beginnt schon mit dem Anschneiden. Der Autor geht auf die diversen Techniken ein. Die allseits bekannte Guillotine ist in diesem Fall nicht der Weisheit letzter Schluss. Mehr und mehr sind so genannte Rundcutter auf dem Markt verbreitet: Der Zigarrenkopf wird erst mithilfe eines Rundmessers angebohrt, so dass ein ca. 1,5 Millimeter tiefes Loch entsteht. Dreht man den Bohrer dann zurück, wird der losgeschnittene Tabak herausgezogen. Aber auch das Anzünden ist eine Philosophie für sich, sei es mit einem Gasfeuerzeug oder einem Holzspan.
Mal abgesehen von diesen rituellen Zeremonien erfährt der Leser auch sehr viel über die unterschiedlichen Anbaugebiete der Zigarre: von Afrika über Europa und Asien bis hin zu Mittel- und Südamerika. Und dann gibt es ja noch die Fälschungen: Die falschen Havannas, die man natürlich zum Preis der echten zu verkaufen versucht. Der Autor beschreibt jedoch, worauf man beim Kauf achten sollte. So zeichnet sich die Kiste der echten Havannas durch eine gleichmäßig glatte Lackierung aus; die gefälschten hingegen lagern in einer Kiste, die nur ungleichmäßig lackiert worden ist. Eine echte Havanna-Kiste ist außerdem an den Scharnieren und Verschlüssen aus Messing zu erkennen, und auch das ist bei Fälschungen nicht immer der Fall.
Man kann also - auch als passionierter Zigarrenliebhaber - noch viel aus dem Buch lernen. Die schöne Verpackung und die edle Aufmachung des Buches machen das Ganze auch zu einem schönen Geschenk für alle, die den Genuss einer guten und echten Zigarre zu schätzen wissen.