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Produktinformation
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Von Kleists Mann arbeitete damals als Dolmetscher bei den Nürnberger Prozessen und hat das Gästebuch des Zeugenhauses aufbewahrt, das er Kohl später einmal zeigte, womit er sie zu weiteren Recherchen und letztlich zu diesem Buch animierte. Man muss es ihm danken! Christiane Kohls Zeugenhaus führt uns außerordentlich lebhaft ein überaus bizarres, bislang aber weitgehend unbeachtetes Kapitel unmittelbarer Nachkriegsgeschichte vor Augen. (Mit-)Täter, Nazis aus der zweiten und dritten Reihe und (davongekommene) Opfer des Holocaust unter einem Dach und an einem Tisch
Das Zeugenhaus gibt uns eine plastische Vorstellung davon, wie es gewesen sein muss, wenn ein ehemaliger Häftling des KZ Dora-Mittelbau, wo in unterirdischen Stollen unter im Wortsinne mörderischen Arbeitsbedingungen Teile für die ersten Messerschmitt-Düsenjäger montiert wurden, beim Abendessen plötzlich dem Konstrukteur eben dieser Flugzeuge gegenübersaß. Ein Wunder, dass sich Messerschmitt von diesem Abendessen wieder erheben durfte. Noch erstaunlicher aber, dass man nicht nur diese Beiden im Zeugenhaus so bedenkenlos einander ausgesetzt hat. -- Hasso Greb -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Ja, es geht um die Stunde "Null" in Deutschland und in Europa, um das Gericht, das die Allierten im Nürnberger Justizpalast gegen die führenden Nationalsozialisten anstrengten.
Und mitten drin in diesem Drama die Zeugen beider Seiten in einem Haus, das eine deutsch-ungarische Gräfin leitet. "Keep things running smoothly", tragen ihr die US-Militärs auf.
Christiane Kohl, die vor einigen Jahren das Buch "Der Jude und das Mädchen" auf den Markt brachte, hat schon damals sehr einfühlsam und beiden Seiten ziemlich gerecht werdend das Thema: Juden in Deutschland besprochen.
Es ist immer wieder erschütternd zu vernehmen, wie eine jahrhundertlange, jahrtausendlange Gemeinsamkeit plötzlich und aggressiv unterbrochen wurde und wo man sich an den Kopf greifen mag, es ist einfach nicht zu verstehen.
Die Gräfin im Zeugenhaus in Nürnberg scheint mir sehr menschlich und vielseitig geschildert, als Romanfigur fast greifbar. Humor und Aggression, Überstürzungen jeglicher Art werden sichtbar, ein Hin- und Her der Ereignisse in dieser Zeit, wo z. B. ein Leibfotograf des Unaussprechlichen sich generiert als wäre alles nicht sonderlich, weil er ihn ja seit Jahren kennt usw. Und seine ehemalige Angestellte, mit der er vielleicht selbst... diese hätte dann den "Führer" (welch eine Bezeugung!) schließlich geheiratet. Viel Interessantes, auch Amüsantes, aber immer wieder durchscheinend dieser eigenartige Geist, der damals wohl herrschte, daß doch "alles" irgendwie einem "Ziel", wie gesagt, diente und daß jetzt zunehmend Verräter am Werk seien.
Ja, sind wir denn im Tollhaus?
Nicht nur die Erlebnisse einer ehemaligen Sekräterin, deren Erinnerungen unlängst zu einem Untergangsfilm Stoff lieferte, auch hier, in diesem Buch wird romanhaft und trotzdem glaubhaft bewiesen, daß man sich hüten muß vor Menschen, die absolut denken, fundamental wirken und, auch als sogenannte Gebildete, derartigen Unfug anrichten können, daß fast eine halbe Welt zusammenbricht.
Und daß Reue nur selten geübt wird, das bekommen wir wieder einmal nachhaltig mit.
Das aber ist die Crux überhaupt und immer wieder steht die große Gefahr von Wiederholung auf dem Spielplan.
Können Menschen denn nicht friedlich zusammenleben, ohne irgendwann einmal auszurasten? Das fragt man sich nach der Lektüre dieses spannenden Buches.
Die Autorin macht ihre Sache dadurch auch spannend, daß sie nicht nur genau erzählt, wie alles sich zutrug damals in Nürnberg, sondern auch Einblicke in ihre Forschungsarbeit gibt.
Da lebt etwas und bringt vielleicht Gutes in die Welt.
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