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Saramagos neuer Roman Das Zentrum heißt im Original A Caverna, ein Titel, der den Bezug zu Platos Höhlengleichnis deutlich hervortreten lässt. Die deutsche Übersetzung hingegen stellt den realen Ort der Handlung klarer in den Mittelpunkt: Spielt doch das Buch in eben jenem Einkaufszentrum, das die Menschheit und ihre Nachgeborenen nach Ansicht des kommunistischen Autors zu bloßen Konsumenten degenerieren lasse. An seiner Peripherie, in einem kleinen Dorf, fristen der alte Töpfer Capriano Algor und seine Tochter sowie deren Mann Marçal Gacho ihr kärgliches Dasein. Tagtäglich fahren Algor und Gacho mit ihrem klapprigen Laster zum Supermarkt, um ihre Waren abzuliefern -- bis plötzlich das industrielle Leben sie rechts zu überholen droht. Aber so einfach will die pfiffige Familie es dem Kapitalismus und der alles egalisierenden Globalisierung nicht machen. Und dann tut sich schließlich sogar noch eine zweite, wahre, wundervolle Grotte auf, die ein Bautrupp durch Zufall öffnet -- und die vielleicht die echte platonische Höhle ist.
Neben Die Stadt der Blinden und Alle Namen gehört Das Zentrum zu Saramgos so genannter Trilogie der menschlichen Zustände. Nach seinem Erscheinen in Portugal erfuhr der Roman innerhalb kürzester Zeit mehrere Auflagen und ging mit Rekordzahlen über den Ladentisch. Auch hier zu Lande steht zu hoffen, dass das Das Zentrum zu einem Bestseller avanciert. Denn so schwierig es ist, Moral und narrativen Anspruch zwischen zwei Buchdeckeln zu vereinen, so fulminant ist Saramago dies geglückt. --Thomas Köster -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
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"Das Zentrum" ist ein monströses, modernes Bauwerk, ausgestattet mit Wohnzellen, Arbeits-, Einkaufs- und Freizeitangeboten. Wer einmal dort einzieht, läßt sein Leben komplett vom Zentrum bestimmen. Cipriano Algor, ein alter Töpfer, wohnt (noch) auf dem Land und verkauft seine Tonwaren an das Zentrum. Erst als seine Waren nicht mehr angenommen werde, muß auch er sein Leben nach dem Zentrum ausrichten.
Aber obwohl Cipriano sich und seine Arbeit ständig anpasst, gegenüber Zentrums-Bediensteten geradezu unterwürfig auftritt, lässt sich ein innerer Widerstand nie brechen. Das Ende der Geschichte ist zwar vorhersehbar aber gelungen; bei Saramago kommt es eben nicht nur auf die Handlung im Einzelnen an, sondern auch auf seine Erzählweisen und Wortwahl. Ihm gelingt ein Spagat zwischen Utopie und Tradition; gelegentlich greift er selbst in die Geschichte ein, führt den Leser weiter voran.
Auch wenn mir frühere Werke (Hoffnung im Alentejo, Alle Namen, Der Stuhl/Erzählungen) noch deutlich besser gefallen und "Das Zentrum" fast schon zu leicht zu lesen ist, kann man das Buch wohl empfehlen. Bei strenger Auslegung der 5er-Skala knappe 4 Sterne.
Zum einen ist es die traurige Geschichte eines Töpfers vom Dorf, der in regelmäßigen Abständen seine Ware im Zentrum abgibt - bis eines Tages daran kein Interesse mehr besteht. Davon schwer getroffen treten am selben Tag zwei Wesen in das Leben des Töpfers, die Witwe Isaura und ein herrenloser Hund, die seinem Leben wieder Sinn geben. Zusammen mit seiner Tochter arbeitet der Töpfer dann an neuen Produkten, in der Hoffnung, das Zentrum könnte sich dafür interessieren.
Während zwar das Glück und der Wohlstand der Menschen in dem Roman vom Zentrum abhängt, ist gerade das Zentrum der Ort, an dem später der Töpfer gar nicht leben will - und eben doch wie gegen seinen eigenen Willen hinzieht. Sein Schwiegersohn hat nämlich, wie es nur Privilegierten zusteht, dort eine Wohnung erhalten.
Zum anderen aber wird dem Töpfer erst vor Ort, also im Zentrum, klar, wie er seinem Leben doch noch Sinn geben kann. Aufgerüttelt durch den Besuch der Höhle, die unter dem Zentrum freigelegt wurde, beschließt der Töpfer, wieder zurückzukehren, in sein altes Leben im Dorf, hoffend darauf, dass der Hund und die Witwe noch dort wohnen.
Saramago malt das Bild einer wunderbaren Rettung aus einer kafkaesken Sinnlosigkeit.
In anderen Sprachen habe ich dieses äußerst wertvolle Werk unter dem Titel "Die Höhle" gesehen (wie im portugiesischen Orginal), was schon beim Öffnen des Buches erkennen lässt, was später im Zentrum sich offenbaren soll: die Wahrheit des Lebens und der Selbsttäuschung.
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