Im entlegenen und lebensfeindlichen Alpinador haben sich abellikanische Mönche niedergelassen, um die einheimischen Stämme zu missionieren. Ihre Kapelle wurde auf einer Insel im Mithranidoon, einem von heißen Quellen gespeisten See, errichtet - ausgerechnet an diesem heiligen Ort der Samhaistaner. Schon seit längerem toben religiöse Auseinandersetzungen in Honce und der Altvater der Samhaistaner hatte sich nach der Verdrängung durch die Abellikaner nach Alpinador zurückgezogen. Erbost stellt er fest, dass die uralte Kultstätte von Barbaren, Pauris (Rotkappenzwergen) und den verhassten Abellikanern gleichermaßen besiedelt wurde. Der Altvater ersinnt daraufhin einen tückischen Plan, um den Mithranidoon zu säubern.
Die abellikanischen Mönche der Kapelle Isle sehen sich den sturen und traditionsbewussten Barbarenstämmen gegenüber, die gegen jegliche Missionierungsversuche resident zu sein scheinen. Außerdem müssen sie sich gegen die kriegerischen und brutalen Pauris und gegen die Eistrolle - Feinde aller am See lebenden Gemeinschaften - durchsetzen. Ihre eigentliche Bestimmung verliert so mancher Abellikaner dabei aus den Augen. Als Bruder Cormack sich mit der Schamanin Milkeila anfreundet und in einem Konflikt für die Barbaren Partei ergreift, weil seine Mitbrüder sich in seinen Augen nicht gemäß der Lehren des heiligen Abelle verhalten, wird er verstoßen und halbtot dem Mithranidoon überantwortet.
Weiter südlich macht sich Bransen Garibond einen Namen es gewitzter Wegelagerer. Noch weiß niemand, dass er eigentlich körperlich arg gehandikapt ist. Gemeinsam mit seine Frau Cadayle und deren Mutter reist er auf der Suche nach seinem Vater durch die Lande. Nur die Vermächtnisse seiner Eltern - einer Jhesta Tu Mystikerin und eines abellikanischen Mönches - erlauben es ihm, zu weilen als herausragender und einzigartiger Krieger in Erscheinung zu treten. Allerdings hat er sich bei einigen einflussreichen Fürsten unbeliebt gemacht und es so zu zweifelhaftem "Ruhm" gebracht. Durch eine List wird er in den Dienst der Lady Gwydre gezwungen, die sich mit dem samhaistanischen Altvater im Krieg befindet.
Bransen reist mit einigen Gefährten unfreiwillig nach Alpinador, um der Lady einen Dienst zu erweisen und damit die Freiheit für sich und seine Familie zu erkaufen. Dort muss er erkennen, welch mächtiger Gegner der Älteste der Samhaistaner ist und wie mörderisch sein Plan für alle Ansässigen aussieht. Nur gemeinsam mit den vereinten Völkern des Mithranidoon besteht auch nur der Hauch einer Hoffnung, den fundamentalistischen Altvater zu bezwingen und eine Katastrophe zu verhindern. Doch ist ein solches Bündnis überhaupt möglich?
"Todfeind" ist der Auftaktband zum "Zeitalter der Dämonenkriege" und ganz typisch Salvatore - viele Kämpfe und detaillierte Beschreibung der Selben. An sich empfinde ich dies bei entsprechender Erwartungshaltung als wenig problematisch, allerdings habe ich bei diesem Buch eine ganze Weile gebraucht, um warm zu werden. Verschiedene Szenarien erschweren den Einstieg und eine ganze Weile habe ich mich gefragt, wie das alles zusammen passt. Ich muss jedoch gestehen, dass die Geschichte in der zweiten Buchhälfte um so spannender wird, nachdem sich die Handlungsstränge verbinden.
Die Idee der abellikanischen Edelsteinmagie, wie sie schon in der "Dämonendämmerung" und "Schattenelf" - Reihe auftaucht, finde ich noch immer sehr spannend und innovativ. Außerdem begrüße ich es, dass die Pauris endlich einmal "ein Gesicht" bekommen und nicht mehr nur grausame Zwerge sind, die ihre Kappen in das Blut ihrer Opfer tauchen.
Die Figur des Bransen empfand ich anfänglich als etwas unglaubwürdig und auch wehleidig, musste dies jedoch revidieren. Gemessen an seiner Vita sind seine Beweggründe durchaus nachvollziehbar. Etwas obskur bleiben meines Erachtens seine kämpferischen Fähigkeiten, berücksichtigt man seine Behinderungen.
Sehr vielschichtig beschreibt Salvatore politische und religiöse Intrigen und auch die Charaktere gewinnen glücklicherweise Seite um Seite an Tiefe. Für Fans der "Dämonendämmerung" oder "Schattenelf" - Reihe ist diese neue Serie auf jeden Fall ein Muss aber auch für den Einstieg in diese Welt ist "Todfeind" geeignet, wenn man sich vom etwas schleppenden Beginn nicht abschrecken lässt.