Da ich bisher alle Bücher von Bernard Cornwell mit Begeisterung verschlungen habe, war natürlich auch "Das Zeichen des Sieges" ein absolutes Muß für mich und ich hatte mich auf die Lektüre des historischen Romans schon lange gefreut.
Bernard Cornwell erzählt die Geschichte rund um die Schlacht von Azincourt, bei der sich ca. 6.000 Engländer der Übermacht 30.000 französischer Ritter in scheinbar aussichtsloser Lage ausgesetzt fanden, am Beispiel des jungen Nicholas Hook, Sohn eines mittellosen Schäfers, dessen größte Gabe seine Fähigkeiten mit dem Bogen sind. Nicholas steckt in großen Schwierigkeiten, nachdem er die Hand gegenüber einem Priester erhoben hat. Seine einzige Chance zu entkommen, sieht er darin, in die Armee des Königs Henry V. beizutreten, der zum Kampf gegen die Franzosen rüstet. Im Kampf um Harfleur muss Nicholas die Schrecken des Krieges aber auch Machtkämpfe und Intrigen erleben. Als er die junge Melisande rettet, ahnt er noch nicht, dass die Französin zu seiner Gefährtin werden wird, die ihm in schlimmsten Lebensumständen folgt und ihn unterstützt. Im schlammigen Acker von Azincourt entscheidet sich die Zukunft von Nicholas Hook und Melisande, aber auch von tausenden Franzosen und Engländern.
Ich schätze Bernard Cornwell, weil es ihm gelingt weitestgehend historientreu und spannend Geschichte anhand interessanter Charaktere zu vermitteln, und es ihm sogar gelingt, mich für Kriegsgeschichte zu interessieren. Wenn Bernard Cornwell Schlachten, Belagerungen und Kriegsgeschehen beschreibt, ist dies nie verherrlichend, im Gegenteil - er stellt das Grauen und die Brutatlität des Krieges drastisch und eindringlich dar.
Auch in "Das Zeichen des Sieges" kommen einige Stärken des Autors wie Detailgenauigkeit und Authentizität wieder zum Tragen. Dennoch bin ich diesmal etwas enttäuscht. Nicholas Hook erinnert doch sehr an seine Hauptfigur in der Bogenschützen-Trilogie (Der Bogenschütze, Der Wanderer, Der Erzfeind) und auch der Aufbau der Geschichte weist sehr viel Ähnlichkeiten dazu auf. Verglichen mit den Protagonisten der diversen Reihen des Autors erscheint Nicholas Hook regelrecht blass. Die Charaktere haben aus meiner Sicht nicht genug Raum, um voll entwickelt zu werden, zu sehr dominiert das Schlachtgeschehen die Handlung des Romans. Was ich aber besonders vermisste, war der Humor bis hin zum Zynismus, der Cornwells Alfred-Reihe belebt, und der Cornwells Arthur-Trilogie zu einem besonderen Leseerlebnis macht.
Bernard Cornwell zielt mit seinem Roman darauf ab, am Beispiel der Schlacht von Azincourt zu zeigen, dass es auch in scheinbarer Unterlegenheit möglich ist, sein Ziel zu erreichen. Leider wird mir das aber nicht über seinen Roman "Das Zeichen des Sieges" im Gedächtnis bleiben. Dafür hoffe ich, dass Bernard Cornwell mit einem anderen Thema und einem neuen Roman sich so zeigen wird, wie ich ihn kenne und schätze.
Der Wunderlich Verlag hat "Das Zeichen des Sieges" mit drei historischen Karten und einem Nachwort des Autors mit zusätzlichen Informationen zur geschichtlichen Entwicklung und zur Differenzierung zwischen Fakten und Fiktion ausgestattet.