Aufgrund der anderen - positiven - Rezessionen besorgte ich die CD für meinen Patensohn. Und ich bin sauer: was hier als Meditation zur Stärkung des Selbstbewusstseins für Kinder und zur Förderung der seelischen Entwicklung beschrieben wird, ist eine Art Wiederholungen suggestiver Positivismen (Du bist toll. Du bist schlau. Du bist schön. Keiner ist so einzigartig wie Du )mit ausgesprochenen Tendenzen zur Anregung eines als z.B. im Buddhismus bezeichneten Prozesses der Anhaftung.
Schon in den ersten Minuten wird darauf hingewiesen, dass die/der ZuhörerIn "schlauer", "mutiger" und "kräftiger" als die Anderen werden wird, wenn sie/er die CD nur oft genug hört. Ich vermute, dass Herr Weiss die Entwicklung von Selbstbewusstsein damit verwechselt, sich zu vergleichen und dann zu schauen: wo bin ich "besser / toller" - um daraus ein besseres Lebensgefühl zu beziehen.Damit nimmt er jedoch gerade denjenigen Prozess (den wertenden Vergleich mit anderen) auf, der in Wirklichkeit Ursache für mangelndes Selbstbewusstsein auf - und behandelt sozusagen den "Teufel mit dem Beelzebub".
"Die Tür geht nach innen auf" - wertvolle Lehrer, wie Karlfried Graf Dürckheim weisen immer wieder darauf hin. Daher wünsche ich mir einen behutsam geführten Weg - weg vom stets kreisenden Kopf zu einem inneren Ort der Sammlung und Ent - Spannnung; einem Ort, an dem das Kind sich und den auch ihm innewohnenden Frieden als Referenz erlebt - statt das auf "Haben" ausgerichtete ebenfalls ihm innewohnende Verlangen nach "immer mehr", als Grundlage vermeintlichen Glücks. (Herr Weiss bietet übrigens auf seiner Homepage Kurse zum Thema "Die Energie des Geldes" an...)
Was mich ebenfalls erschreckt ist das Versprechen von Herrn Weiss: "Wenn Du diese CD oft hörst und im Moment vielleicht krank bist - brauchst Du bald keine Medikamente mehr." Hallo?! (Und was, wenn die z.B. kleine Tanja, die seit 2 Jahren an Leukämie erkrankt ist, das hört und es nicht klappt? Was wird sie denken, an wem das wohl liegt - wo doch der Zauberer, Herr Weiss, ihr versprochen hat, dass sie selbst sich gesundzaubern kann?)
Herr Weiss stellt außerdem dem Kind einen "kleinen Freund" zur Seite, der "ihn immer ganz toll finden wird, egal, was er tut." Ich ahne, dass es ihm daran gelegen ist, Vertrauen und Selbstliebe damit zu fördern; doch weckt er damit auch ein Bild, dass Freunde immer nur "für einen" sind, das tun, was man will und kritiklos alles nicht nur hinnehmen, sondern unterstützen.
Ich arbeite beruflich viel mit Kindern, die es schwer mit sich und oft auch mit den Menschen in ihrer Umgebung haben; würde man diese Sicht in die Welt und den Menschen in ihnen fördern, würde das Gefühl der (Selbst-)Ablehnung in ihnen perfide verstärkt: wenn Du nicht immer und überall "für mich" bist, bist Du kein guter Freund.
Damit nicht genug: in der ersten Meditation weist der Sprecher dann - krude pädagogisch bemüht - darauf hin, dass das Kind in Zukunft mit Hilfe der CD auch dann freundlich zu Eltern und Lehrern sein kann, wenn diese etwas tun, was ihm nicht gefällt - und ihnen selbstverständlich trotzdem auch noch "folgen" kann (wörtlich!). Hallo?! Danach habe ich mir erlaubt, auszuschalten; es könnte also sein, dass die nächsten Meditationen professioneller und in Bezug auf Absicht und Mittel besser reflektiert und umgesetzt sind...