Es gibt Bücher, die man auch nach Jahren immer wieder lesen kann. Ein solches Buch ist für mich "Das Wunschtal" von Ursula K. LeGuin, einer der ganz Großen der fantastischen Literatur.
Diese kleine, in sich abgeschlossene Geschichte, fasziniert weniger durch spektakuläre aktionreiche Handlung, als durch die sehr glaubhafte Darstellung der Hauptcharaktere, ihrer ganz persönlichen Probleme und ihrer trostlosen Umwelt. Hugh und Irena "stecken fest" in ihrer jeweiligen ausweglosen Alltagswelt beherrscht von selbst auferlegten Verpflichtungen und Furcht vor Veränderung. Beide halten es eines Tages nicht mehr aus, rennen davon und gelangen in eine stille, friedliche Parallelwelt, in der die Zeit langsamer vergeht und stets alles gleich bleibt. Hier her können sie vor ihren Problemen flüchten, Ruhe und Liebe finden und ein Leben neben dem Leben führen. Anders als in anderen "Tor zu einer anderen Welt" fantasy-Werken, ist mit dieser Realitätsflucht jedoch nichts wirklich gelöst. In der anderen Welt müssen sie sich schließlich der Angst stellen und sie überwinden...
Trotz (oder wegen) der etwas parabelartigen Story ist auch dieses Buch von Ursula K. LeGuin wieder spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Für jemanden, der ein Buch nach Schema-F erwartet, etwas gewöhnungsbedürftig, dann aber um so bezaubernder. Kein Buch, was man am Ende ohne Wehmut weglegen kann, ohne noch länger darüber nachzugrübeln. Eines meiner Lieblingsbücher!