"Ich bin überzeugt, daß die Frage, ob es einen Gott gibt oder nicht, vernünftig erörtert werden kann und sollte, und zwar in dem Sinn, dass klare Antworten möglich sind. Es handelt sich dabei um eine echte, sinnvolle und wichtige Frage. Sie ist zu wichtig, als daß wir zu ihr rein zufällig oder bloß willkürlich Stellung beziehen sollten. Weder die positive noch negative Antwort versteht sich von selbst" (9).
John Leslie Mackies 1982 erschienender Klassiker "Das Wunder des Theismus - Argumente für und gegen die Existenz Gottes" bleibt bis heute einer der wichtigsten Beträge zum Thema Atheismus. Fair und unpolemisch, doch gleichzeitig keinen Zweifel an seiner (atheistischen) Position lassend, widmet sich der australische Philosoph in einem ersten Hauptteil der Darstellung und Widerlegung der wichtigsten Gottesbeweise der vergangenen 800 Jahre. Die verschiedenen ontologischen, kosmologischen und teleologischen Beweise von theistischen Denkern wie Anselm von Canterbury, Descartes, Berkeley oder Swinburne werden schlüssig zusammengefasst und Überzeugend ad absurdum geführt.
Nach diesem historischen Überblick beschäftigt sich Mackie mit dem Theodizeeproblem, also der Frage, wie es in einer Welt, die von einem allmächtigen und gütigen Gott erschaffen wurde, Leid und Unrecht geben kann. Mackie listet eine Vielzahl von Versuchen religiöser Denker auf, den Zustand der Welt mit der Existenz Gottes zu vereinbaren und zeigt, dass alle diese Ansätze scheitern.
Nach zwei weiteren Kapiteln über eine Religion ohne Glauben bzw. eine Religion ohne Gott, wendet sich Mackie im letzten (und wichtigsten!!) Kapitel den moralischen Konsequenzen des Atheismus zu. Seit Jahrhunderten versuchen die Vertreter der Religionen den Eindruck zu erwecken, dass nur der Glaube an einen Gott, oder mehrerer Götter, in der Lage sei, moralische Kategorien für ein friedliches Zusammenleben zu liefern. Dass dies der blanke Hohn ist, dürfte jedem selbst denkenden Menschen, der einmal die Bibel oder den Koran gelesen hat, nur allzu klar sein. Diese Schriften sind größtenteils ein Dokument der Gewaltverherrlichung und Menschenverachtung und es bleibt nur zu hoffen, dass die hier vorgeschlagenen Moralkategorien niemals eins zu eins in die Tat umgesetzt werden. Passend zitiert Mackie den Ausspruch von Lukrez: "Zu so viel Unheil hat die Religion die Menschen verleitet" (412).
Atheisten hingegen seien sich bewusst, dass die Menschen selbst, und nicht irgendein metaphysisches Fabelwesen, dafür verantwortlich sind, Moral und Werte für ein friedliches Zusammenleben zu schaffen. Daraus lasse sich ableiten, so Mackie, dass Atheisten die tugendhafteren Menschen seien, da sie Verantwoertung nicht allzu schnell an ein göttliches Wesen abtreten. Doch muss auch auch Mackie zugeben, dass sich diese Behauptung nicht statistisch belegen lässt (405).
Fazit: ein Klassiker des Unglaubens, den jeder denkende Mensch im Bücherregal haben sollte.