Mit dem Dom von Florenz wollten die Medici den Reichtum und die Pracht ihrer Stadt verewigen. Aber ein Jahrhundert nach der Grundsteinlegung wußte immer noch niemand, wie man den Traum von der riesigen Kuppel realisieren könnte, welche die Santa Maria del Fiore krönen sollte. Erst als Filippo Brunellschi, ein begnadeter Erfinder und zugleich ein mißtrauischer Einzelgänger, im Jahre 1418 ein revolutionäres Modell vorlegte, nahm die Vision Gestalt an. Mit seinen Erfindungen trieb Brunelleschi die Arbeiten voran. Er konstruierte einen neuartigen Lastenaufzug mit Ochsenantrieb und ließ in Pisa das bis dahin längste (180 Meter) und schwerste (eine halbe Tonne) Seil der Welt anfertigen. Er kreierte einen neuen Kran, der auch zur Seite schwenkbar war. Brunelleschi war der erste Ingenieur, der sein geistiges Eigentum rechtskräftig vor Nachahmung schützen durfte. Aber er hatte auch schwere Rückschläge zu überwinden. Das floßähnliche Schiff, mit dem er die riesigen Marmorblöcke den Arno hinauf transportieren wollte, kenterte auf halber Strecke. Im Gemäuer des Doms traten Risse auf, unter den Steinmetzen und Mauern kam es zu Unruhen. Die mailändischen Truppen belagerten Florenz, und Brunelleschi mußte seine Energie in militärischen Konstruktionen stecken, die jedoch kläglich scheiterten. Als auch noch sein Förderer, der mächtige Cosmio de Medici, ins Exil geschickt wurde, wuchs der Widerstand gegen den geheimniskrämerischen Ingenieur, der sich oft wie ein Bettler kleidete. Im August 1431 wurde er verhaftet, weil er seinen Beitrag für die Maurerzunft nicht entrichtet hatte. Kurz zuvor war er von seinem eigenen Adoptivsohn und langjährigen Mitarbeiter bestohlen worden. Aber am Ende mußten auch seine Feinde einsehen, daß allein Brunelleschi das Bauwerk vollenden konnte. Man ließ dem "capomaestro" wieder freie Hand, gab seinen oft bizarren Wünschen nach, und so konnte die Kuppel am 30. August 1436 eingeweiht werden. Die Wirkung auf die Zeitgenossen war ungeheuer, Brunelleschi wurde zum ersten Star der Architektur, die er mit seiner Leistung von dem Ruf eines niedrigen Handwerks befreite hatte. Diesen Höhepunkt der Kulturgeschichte hat der kanadische Autor Ross King detailgenau, spannend und farbig dargestellt.