Viel konnte man von "Das Wunder von Berlin" im Vorfeld nicht erwarten: Ein Titel, der sich an den Film zur Fußball-WM 1954 anlehnt, und dazu ein bei solchen öffentlich-rechtlichen "TV-Events" wohl unvermeidliches Ensemble - als ob es abseits der Ferres-Ferch-Riege keine anderen guten deutschen Schauspieler gäbe. Nach den ersten Minuten hatte man schon Angst, dass es sich bei dem "Wunder von Berlin" in Wirklichkeit um eine Produktion mit dem internen Arbeitstitel "The Return of Checkpoint Charlie" handeln würde, mit dem Unterschied, dass Veronica Ferres die Haare statt blond-raspelkurz braun-mittellang trägt, was wohl auf die erhöhte Spießigkeit ihrer Figur hindeuten soll - vielleicht traute man Frau Ferres nicht zu, dies auch schauspielerisch vermitteln zu können.
Wie dem auch sei, den Filmemachern gelingt es schnell, solcherlei Zweifel an der Ernsthaftigkeit und Klasse des Films zu zerstreuen. Ferch und Ferres nehmen sich zurück und geben der klug konstruierten Geschichte viel Raum zur Entfaltung, auch wenn diese zum Ende hin mit all ihren 180-Grad-Drehungen, Affären und Intrigen etwas zur Überladung neigt und schließlich beinahe zu einem keimfrei-pathetischen Hollywood-Happy-End gestaubwedelt wird. Ein Kunstgriff ist allerdings die famos gespielte Figur des mürrischen Opas, der zunächst in unnachahmlich nervtötender Weise den Familienbetrieb behindert, aber in Anfällen von wohldosierter Altersweisheit den ein oder andern unverschämt klugen Spruch absondert.
Insgesamt steht mit "Das Wunder von Berlin" eine durchaus unterhaltsame Produktion ins Haus, die sich weitgehend unfallrei auf den ausgetretenen, weil in letzter Zeit überstrapazierten DDR-Gefilden bewegt - Mein Bedarf an Veronica-Ferres-DDR-Filmen ist damit aber trotzdem bis einschließlich 2010 gedeckt.