Hier und bei der professionellen Kritik. Heute wählen diverse Kritiker der Süddeutschen diese Aufnahme zu einer der wesentlichen Jahres, gleich mehrere, aber man kann auch das lesen.:
"Mit großer Spannung ist sie allgemein erwartet worden: Maurizio Pollinis erste Bach-Aufnahme. Umso größer ist die Enttäuschung, die diese CD hinterlässt. Nicht nur klanglich, weil alles mit viel zu viel Hall zugekleistert ist. Nicht weil Pollini - ganz ungewohnt - kleine Ungenauigkeiten unterlaufen. Da rutschen einzelne Töne weg, sind Läufe ungleichmäßig. Sondern in der Interpretation, die Bachs Musik Züge verleiht, die nun wirklich nicht zu ihr passen: Sprunghaftigkeit, Unentschlossenheit und Hektik. Wie von einer inneren Unruhe getrieben spielt Pollini (sein immer wieder hörbares heftiges Atmen verrät die Anspannung). Er präsentiert zahlreiche seltsame Tempowechsel, jähe Dynamikbrüche, keine oder kleine statt großer Spannungsbögen. Nur gelegentlich findet er in einigen Sätzen wie den Präludien in cis-moll oder in E-Dur einen ruhigen, überzeugenden Zugang."
Wenn ich an die Aufnahmen denke, die ich kenne, fällt mir bei den Klavierversionen zuerst Richter ein, dann aber auch die "schräge" von Christian Zacharias. Interessant, dass Richter viel weniger umstritten mit seiner Auffassung ist, Christian Zacharias sicher ein Aussenseiter, aber man jeden empfehlen, sich das einmal anzuhören, wie transparent, und mit welcher Anschlagskultur.
Wenn ich dagegen Pollini höre, stellt sich bei mir auch eher eine gewisse Langeweile ein. Gegenüber der Konkurrenz sicher keine Referenz. Da wären ja auch Schiff und Gulda, von Gould gar nicht zu schreiben. Die Herausforderung, das "alte Testament" des Pianisten zu gestalten, dass man über 24 Präludien und Fugen interessiert bleibt, ist erheblich.
Ich meine, dies ist Pollini nicht gelungen.