Das Wohltemperierte Klavier darf mit gutem Recht als der Kern von Bachs Klavierwerk angesehen werden. Der Begriff 'wohltemperiert' bezieht sich auf die 1681 von Andreas Werckmeister erfundene Stimmung, die ein Spiel in allen Tonarten möglich machte; vorher klangen die höheren Tonarten umso verstimmter, je weiter sie von C-Dur entfernt waren, so dass Tastenspieler und Komponisten diese entfernten Tonarten mieden. Die neu erschlossenen Tonarten wurden in der Folgezeit aber kaum verwendet. Neben pädagogisch-didaktischen Gründen, hatte J.S.Bach mit dieser Sammlung von 24 Präludien und Fugen die Absicht die Eignung der wohltemperierten Stimmung zum Komponieren und Spielen in allen Tonarten praktisch zu demonstrieren.
Der erste Teil des Wohltemperierten Klaviers ist dabei von weitaus einheitlicher Gestalt als der zweite und wirkt wie aus einem Guss.
Es handelt sich hier um eine Urtextausgabe, d.h es werden die zuverlässigsten und ältesten Quellen zu Rate gezogen. Wie dort, gibt es keine Metronomangaben, Artikulations-Phrasierungs-Pedalisierungs-oder Lautstärkehinweise.
Lesbarkeit, Machart und Papierqualität dieses Heftes sind gut, wobei die Hefte der Henle-Ausgaben erfahrungsgemäß im Material noch etwas robuster sind.
Die Fingersätze des Herausgebers Alfred Kreutz favorisieren eine möglichst gebundene Spielweise und sind in dieser Hinsicht wirklich unübertrefflich, meist wird man dort, wo man glaubt ihm widersprechen zu müssen, bald eines Besseren belehrt; man kann sich eigentlich keine raffinierteren mehr vorstellen... Es wäre sehr interessant, sie mit den Fingersätzen von András Schiff der aktuellen Henle-Ausgabe zu vergleichen.