Nein, es ist nicht nur die zufällige Gleichheit des Vornamens des Protagonisten, die den Rezensenten dazu bringt, dies hier für einen der besten, unbekannten Filme aller Zeiten zu halten.
Wider alles Erwarten kriegt unser Held, Nicholas, eine schöne Frau rum, die von Jane Birkin gespielte Marie-Paule. Als er seinem Schulfreund Claude dies erzählt, erkennt dieser in Nicholas ein Instrument, das er steuern und mit dem er die Welt von seinem Cafehaustisch beeinflussen kann. Denn dieser Nicholas, der bisher farblose, kleine Angestellte einer Bank hat einen einfachen Traum. Er will "reich werden und mit vielen, schönen Frauen schlafen". Einen Traum, den scheinbar jeder Mann hat. Aber tatsächlich bricht Nicholas für die Verwirklichung dieses Traums aus seiner Existenz aus, folgt den Anweisungen von Claude und beginnt seinen Aufstieg in die Gesellschaft der Reichen und Schönen im Paris der 70er Jahre.
Oberflächlich ist dieser Film deshalb eine recht zynische Kritik an den höheren Kreisen der französischen Gesellschaft. Als manipulierbar und verkommen erweisen sich diese. Für einen hübschen Hintern (natürlich den von Marie-Paule) ist man bereit, viel zu opfern. Will man Abgeordneter werden, so ist es egal, für welche Partei man es wird. Und letztendlich ist überhaupt alles ein Geben und Nehmen, wobei ausgerechnet die den meisten Spaß an der Sache zu haben scheint, die ihr Hobby darauf beschränkt, Macht über andere zu haben. Das alles ist auch sehr genau und zeitweise witzig inszeniert, aber das würde diesen Film noch zu keinem herausragenden Werk machen. Was den Film aus der Reihe der vielen, guten, gesellschaftskritischen, französischen Filmen der 60er bis 80er heraushebt, ist ein anderes Thema.
Nicholas erlebt, wie er alles erreichen kann, was er wirklich will. Doch was will er denn nun? Wirklich "reich sein und mit vielen Frauen schlafen"? Erweist sich genau das nicht als eine Ablenkung von den wirklich wichtigen Dingen? Da hätten wir zum Beispiel Roberte, die als perfekte Gefährtin in sein Leben tritt und ihm weit mehr anbietet als Sex mit einer schönen Frau. Fast meint man, in den Dialogen zwischen Nicholas und dieser von Romy Schneider herausragend gespielten Roberte eine Art von philosophischem Dialog herauszuhören, obwohl es doch eigentlich nur um die kleinen Dinge einer außerehelichen Affäre geht. Schließlich erweist sich diese Roberte als die wahre Antagonistin von Claude, dem Philosophen, der sein Leben am Cafehaustisch verbringt. Sie ist mehr als alles Planen und die Intrigen. Sie ist das Leben, aber wird sie auch das Spiel gewinnen, dessen Teil sie ist?
Völlig zur Farce wird der Kampf um Geld, Macht und Sex dann, wenn man nach der Motivation von Claude fragt. Geld lehnt er ab. Sieht er das alles als ein intellektuelles Experiment? Oder ist auch da mehr als man vermutet? Man erfährt es erst, als dieser Claude sich in seinem Cafe von seinem Tisch erhebt. Letztendlich folgt für den Zuschauer aber eine ganze Serie von Tiefschlägen, an deren Ende ein großer Teil der Teilnehmer an diesem Spiel die Löffel abgeben muss. So gibt der Film tatsächlich eine Antwort auf die Frage aller Fragen, nämlich wozu dieses absurde Leben auf dieser komischen Welt eigentlich gut ist. Und eigentlich gibt er sogar mehrere Antworten. Ich kenne keinen anderen Film, dem das so gut gelingt. Nicht wie wir etwas erreichen können, sondern was wir eigentlich erreichen wollen, das ist die viel spannendere Frage.
Die Schauspieler sind durchweg herausragend, denn obwohl der Plot sich fast akademisch anhört, wird er durch das Ensemble mit Leben erfüllt. Zu den schon genannten Frauen muss man auch die Darsteller von Nicholas und Claude, Jean-Louis Trintignant und Jean-Pierre Cassel, extra noch einmal erwähnen. Der Schnitt des Films ist genial, die Geschichte wird schnell erzählt, kaum eine Sekunde hier ist zuviel. Die Dialoge sind klasse, man hat viel zu lachen, trotzdem der Film natürlich alles andere als eine Komödie ist. Das durchweg gelungene Handwerk des Films sorgt dafür, dass er neben seiner Botschaft auch unglaublich unterhaltsam ist. Und als männlicher Zuschauer kann man sich in Romy Schneider und Jane Birkin gleichzeitig verlieben, so wunderbar erscheinen diese in diesem Film.
Prädikat: Film für die Insel.