Als ich das Buch bestellt habe, habe ich eigentlich nichts besonderes erwartet. Bisher waren die Wikingerkochbücher auf dem deutschen und englischen Markt meist ziemlich mies. Hier wartete allerdings eine positive Überraschung. Das Wikinger-Kochbuch zeigt eindeutig, dass die Verfasserin sowohl das Thema recherchiert hat als auch etliche praktische Erfahrung mitbringt. Die reichliche Bebilderung und der eingängige Text sind besonders für Einsteiger von unschätzbarem Wert - Vieles, das ich selbst schmerzhaft erfahren musste, hätte ich hier leichter lernen können. Schade ist, dass es - vielleicht auch mit Blick auf interessierte Laien - wenig Literaturangaben und kaum direkte Verweise auf Quellen oder Funde gibt. Besonders für den weiteren Einstieg in die Materie wäre ein solcher direkter Weg sehr wünschenswert gewesen.
Die Rezepte sind sichtlich erprobt und oft auch sehr verlockend. Leider fehlt hier oft die Auseinandersetzung, wie man zu einer solchen Interpretation kommt. Grobe Schnitzer wie man sie aus anderen Büchern der Szene kennt - Kartoffeln oder Paprika - gibt es hier keine, und die Zugeständnisse an die Moderne sind übersichtlich geblieben. Auch auf die jahreszeitliche Verfügbarkeit von Produkten wird geachtet, wobei ich mir hier etwas mehr Blick auf die Geographie gewünscht hätte. Dass ich mit mancher Interpretation nicht übereinstimme - ich halte vieles für zu modern gedacht - steht auf einem anderen Blatt. Insgesamt kann ich das Buch interessierten Einsteigern und Laien sehr ans Herz legen. Erfahrenere Darsteller und Kulinarhistoriker werden hier wenig Neues finden, vielleicht aber auch die eine oder andere Anregung.