Ich muss sagen, ich war von dem Buch sehr enttäuscht. Vor allem finde ich den Titel sehr irreführend (ich gebe zu, ich habe mich daran und an den guten Rezensionen orientiert), denn es handelt sich aus meiner Sicht mitnichten um "Das Wichtigste über..." sondern eher eine Zusammenstellung von Schlaglichtern, ohne wirklichen roten Faden, zu diesem Thema eine Seite, zu jenem Thema zwei, und alles angerissen und nichts wirklich behandelt. Nicht falsch verstehen, mir war schon klar, dass ich beim Titel "Das Wichtigste über" keine tiefen Betrachtungen verlangen kann, aber weniger Themen und etwas mehr Hintergründe und Zusammenhänge machen meiner Meinung nach mehr Sinn als eine krude Ansammlung von ein paar Fakten hier und da. So wie es ist habe ich nicht das Gefühl, dass es mir etwas gebracht hat, weil einfach nur hier und da ein paar Häppchen Fakten in den Raum geworfen wurden. Es war für mich nicht mehr als eine Auffrischung des Schulwissen, wobei selbst in der Schule genauer darauf eingegangen wird.
Ich will noch ein paar genauere Punkte nennen:
- auf den ersten 66 Seiten werden 18 Persönlichkeiten vorgestellt mit einer Kurz(!)biographie. Von Karl Marx (3 Seiten) erfährt man immerhin, warum er als Mitarbeiter der "Rheinischen Zeitung" gefeuert wurde und dass er das (für seine Zeit revolutionäre) Buch "Das Manifest" geschrieben hat. Dann starb er. Und seine Idee entwickelte sich weiter, heute ist China das einzige Land, dass sich in seinem Geiste stehen sieht. Punkt. Etwas mehr zum Inhalt seiner Theorie, Fehlanzeige. Die damaligen Umstände, die ihn geprägt haben - nichts. Dafür immerhin eine halbe Seite über sein Verhältnis zur deutschen Revolution. Adenauer kriegt immerhin 4 Seiten und es wird auch erwähnt, dass er sich sehr bemüht hat um die Einigung Europas (Beziehung zu Frankreich) und das Grundgesetz. Ach ja, dann starb er irgendwann.
- die weiteren 40 Seiten haken im Eiltempo 14 Themen wie "Globalisierung" (2 Seiten: Begann um 1900, umfasst viele Aspekte wie Ideen und Waren, Kritiker bemängel Demokratiemangel -> ernsthaft, mehr steht da nicht, nur mit ein paar Beispielen noch auf grad mal 2 Seiten gedehnt), "Staatsformen" (2 1/2 Seiten, davon immerhin eine ganze für die Diktatur) oder "Angebot und Nachfrage" (3 Seiten, auf denen die Autoren inhaltlich nicht darüber hinauskommen, anhand des Beispiels eines "Bazars" eingehend zu erklären, dass der Marktwert vom Interesse der Käufer abhängt und wie man sich mit dem Verkauf von Orientteppichen ein "Monopol" aufbaut).
- weitere 23 Seiten beschreiben 7 "Wichtige Schauplätze" (der letzte davon ist der "Cyberspace"), wir erfahren, dass New York die Börse und die UNO beheimatet, bei letztere wird immerhin in ganzen fünf Sätzen angerissen, was sie ist und wie sie aufgebaut ist. Ach ja, zu Schauplatz Nr. 7 zitiere ich mal diesen Satz: "Mittlerweile hat die seriöse Geschäftswelt gelernt, immerhin einen Teil des Cyberspace zu zähmen." Auch schön: "Open Source Software, ehrenamtlich geschrieben und unentgeltlich verteilt, wird selbst von Microsoft gefürchtet." (S.137) Da spricht die geballte Medienkompetenz!
- zu guter letzt werden noch 26 Seiten für 9 "Meilensteine" eingeräumt, von der griechischen Demokratie über die industrielle Revolution hin zum Euro, der - wer hätte es gedacht - von manchen bejubelt von anderen verteufelt wird, die genauen Gründe beider Seiten finden sich höchstens in 2 Sätzen angerissen.
Am besten fand ich aber immernoch, dass ganz am Ende unter "Zum Weiterlesen (!) für Interessierte" empfohlen wird: "Abiturwissen Geschichte. Stark Verlag" Darf man von daher Rückschlüsse auf die Zielgruppe machen?
Fazit: Wie oben schon geschrieben, einfach zu kurz, um gut zu sein. Man hätte sich besser auf ein paar Themen wie z.B. Grundbegriffe und Systeme ODER Wichtige Persönlichkeiten beschränkt und die dann wirklich mal genauer erklärt. Ich verstehe ja, dass man geschichtliches Wissen braucht, um das Heute zu verstehen, aber um über Marx und die industrielle Revolution zu lesen, oder auch "große Gestalten der Politik und Wirtschaft" kaufe ich mir ein Geschichtsbuch und kein Buch mit dem Thema "Politik und Wirtschaft". Ich verstehe nicht, warum diesem geschichtlichen Hintergrund mehr als die Hälfte des Buches gewidmet wird.
Ich muss ehrlich sagen, ich hatte erwartet, dass in diesem Buch Grundbegriffe und Grundkonzepte geklärt werden, z.B. wie die Börse funktioniert oder wie das politische System der BRD aufgebaut ist oder auf welchen Ebenen internationale Zusammenarbeit funktioniert oder so. Klar habe ich nichts tiefgreifendes Erwartet, aber das hier ist, Entschuldigung, echt zu nichts zu gebrauchen. Hier mal ein bisschen, dort mal ein bisschen und der größte Teil des Buches dann auch noch für Dinge verwendet, die ich persönlich im Leben nicht unter die Überschrift "Wirtschaft und Politik" gesteckt hätte sondern "Geschichte".
Zwei Punkte statt einem, weil sich tatsächlich um eine einfache und verständliche Sprache bemüht wird. Und wenn jemand jetzt gar zu lang aus der Schule raus ist oder auch vll in der Schulzeit nicht so viel mitbekommen hat, der kann hier was auffrischen. Aber ehrlich gesagt würde ich DANN eher zum Buch "Abiturwissen Geschichte" raten.
Ich denke: Man kann sein Geld meiner Meinung nach wesentlich sinnvoller ausgeben.