Von diesem Whisky-Buch bin ich sehr enttäuscht und kann nur vom Kauf abraten. Es nennt sich "Handbuch", was eine unverschämte Übertreibung ist. Nur ein Bruchteil der existierenden Destillerien wird überhaupt erwähnt, und dann werden jeweils nur Anekdoten erzählt und keine harten Fakten. Das wäre ja mal was anderes und könnte eine spannende und witzige Lektüre sein - würden sich nicht die Geschichten ständig wiederholen. Alle Brennmeister erzählen, dass genau ihre Destillerie den besonderen Tropfen macht, weil das Wasser das Beste ist oder das Torf oder das Brennverfahren, man steckt beim Lesen in einer Endlosschleife. Langweilig.
Die Bewertungen der wenigen ausgesuchten Whiskys sind an den Haaren herbeigezogen. Auch hier scheint es kein System zu geben. Da werden Blends und Bourbons nach dem gleichen Prinzip wie edle schottische Single Malts bewertet, ein 10 Euro Whisky ist plötzlich um Welten besser wie der 50 Euro Whisky. Klar, sowas kann schon mal vorkommen, und Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Auch ich kenne billige Whiskies, die ich gerne trinke, und teure, die mich abstoßen. Dennoch wird in diesem Buch überhaupt nicht ersichtlich, wie die Bewertungen entstanden sind, welche Kriterien ein Tropfen erfüllen musste oder welche Maßstäbe überhaupt gelten. In Relation zu den Single Malts werden erstaunlich viele Blends vorgestellt - doch einer der Marktführer (Dimple) wird mit keinem Wort erwähnt. Armselig: es lebe der hervorragende Jim Beam aus dem Supermarkt.
Würde das Buch nicht Handbuch heissen, sondern z.B. "Ein Streifzug durch die Welt der Whiskies" könnte meine Kritik anders ausfallen. Aber in einem Handbuch erwarte ich Information und Vollständigkeit, so gut es eben geht. Michael Jackson hat es schließlich vorgemacht.