Eliot Weinberger ist ein US-amerikanischer Schriftsteller und Journalist, der am sechsten Februar 1949 in New York City geboren wurde. Als Kind wollte er Archäologe werden. Seine Neugierde führte ihn zur Geschichte der Hochkulturen Mesoamerikas und den Azteken. Ihr vielfältiger Reichtum an Sagen, Traditionen, Ritualen faszinierte ihn. In einem Wälzer der High-School findet er ein Gedicht von Octavio Paz eingeklebt: 'Sun Stone'. Es ist der Augenblick, in dem er weiss, dass er Schriftsteller werden will. Mit neunzehn Jahren beginnt er, als Übersetzer Octavio Paz`s tätig zu werden. Weitere Autoren wie Vicente Huidobro und Bei Dao sind bis heute dazugekommen. 2000 verlieh ihm die mexikanische Regierung als erstem Nordamerikaner überhaupt den höchsten mexikanischen Staatspreis, den Azteken-Adler.
Durch das Essay 'Was ich hörte vom Irak', wurde Weinberger im deutschen Raum mehr Aufmerksamkeit zuteil. Darin trug er verschiedene Zitate der amerikanischen Regierung und Politik zusammen und schuf so eine widersprüchliche, von Lügen durchzogene Montage, welche die damalige Verantwortlichkeit in ihrer Unzulänglichkeit und Unfähigkeit blossstellte. Hier war es ein naiver Objektivismus, mit dem Weinberger distanziert subtile Kritik übte, empfindlichen Fragen nachspürte und zum Hinterfragen anregte.
'Das Wesentliche' erschien 2008 im deutschen Berenberg-Verlag und wurde von Peter Torberg ins Deutsche übertragen. Die Originalausgabe mit dem Namen 'An Elemental Thing' wurde 2007 in New York publiziert. Im Ganzen ist es eine Sammlung von verschiedenen Essays, die Weinberger über die Jahre hinweg geschrieben hat. Viel Zeit verbringt er in Bibliotheken. Die Schauplätze bereist er stets selbst und begutachtet sie, um Eindruck und Vorstellung von Stimmung und Gestus zu erhalten. Tatsächlich unterscheiden sich seine Essays nicht nur thematisch stark voneinander, sondern auch in ihrer sprachlichen Methode und Stil.
Weinberger`s Essays sind Berichte aus der weltlichen Kultur, Geschichte, Religion und Mystik. Betrachtet man seine Themen wie etwa 'Wind', 'Frühling' oder 'Eis', könnte man ihm eine gewisse Banalität unterstellen. Weinberger weiss jedoch, dass er diese nicht einfach als Tatsachen -oder Informationsberichte verarbeiten kann. Jeder Text besitzt eine eigene, ihm gebürtige Struktur, die ihm den nötigen Raum bietet. Ob der Autor nun durch die Jahrhunderte in kurzen Absätzen hintereinander alle grossen Geister der Vergangenheit mit dem Namen Chang vorstellt oder in einfachem, bündigem Text ein wunderschönes, südindisches Märchen erzählt, das man in den nächtlichen Dörfern um Tirupati kannte. Jeder Text hat seinen eigenen Gestus.
Auch in der Komposition des Textes überzeugt Weinberger. Denn er sammelt nicht einfach Textpassagen und setzt sie zu einem Kompendium des Wissens zusammen. In seinen Texten schafft es der Autor bemerkenswerte und überraschende Zusammenhänge aufzubauen. Oft stellt er grösste Gegensätze zueinander und erzeugt so eine ungemeine Spannung, wie man sie zuvor nicht erwartet. Oder bringt nach einer grossen Informationsdichte plötzlich einen scheinbar aus dem Zusammenhang gerissenen Satz ein. Das Geheimnisvolle in seinem Text bewahrt er stets und unterzieht es keiner sezierenden und erklärenden Analyse. Eine Vielzahl von Andeutungen und Unklarheiten bleiben bestehen und werfen zuweilen viele Fragen auf, die wohl nur Weinberger selbst beantworten könnte.
Die Sprache ist präzise und einfach. Gerne verwendet der Autor in Absätzen eine einzige Person in Folge, wenn er Handlungen oder Aussehen beschreibt. Er verändert den gefundenen Text eines Themas nicht in seiner Reinform. Ordnet ihn in seiner Ursprünglichkeit auf besondere Weise an, kombiniert. Im Text sorgt dies machmal für einen archaischen Charakter und verleiht dem Text eine Stimmung von Rätsel. Viele Texte sind poetisch. Manchmal sind es auch ganz kurze Ausschnitte von Informationen, die einen gewaltigen Gehirnsturm auszulösen imstande sind, wobei man sich fragen muss, was man denn da an Wirrköpfigkeit denn gerade gelesen habe. Ist aber bewusstes Stilmittel, macht einen grossen Reiz des Buches aus und regt zum Nachdenken an.
Fazit: Eine faszinierende Montage verschiedenster Informationen aus viertausend Jahren Natur -und Menschheitsgeschichte, die durch ihre Vielfältigkeit und literarische Vision ihres Autors überzeugt.