Ich für meinen Part kann nach meinem ersten Roman von Arno Strobel, ein zum größten Teil positives Resümee ziehen, denn bis auf ein paar Kleinigkeiten, macht dieser Roman richtig Spaß.
Die Hauptfiguren (so denkt man es zumindest) bekleiden in "Das Wesen" die Kommissare Alexander Seifert & Bernd Menkhoff. Wobei Seifert der ruhige, besonnene Typ ist, ja schon fast introvertiert, ist Menkhoff hingegen der eher aufbrausende, arrogante Typ. Hinzu kommt der großspurige Psychiater Dr.Joachim Lichner, der 13 Jahre im Gefängnis gesessen hat - wie er beteuert, unschuldig. Die Figuren sind gut gezeichnet und haben alles, was einem Leser genügt, um sie durch die Geschichte begleiten zu können. Sie werden nicht von ihrer Kindheit an bis zum heutigen Tag auseinander genommen und auf links gekrempelt, um dem Leser das auch so uninteressanteste Detail unter die Nase zu binden.
Die Story ist in zwei Erzählstränge aufgegliedert - der eine spielt im hier und jetzt, der andere ist eine Rückblende zu den Geschehnissen von vor 15 Jahren - die parallel nebeneinander herlaufen. Nach jedem Kapitel wechselt er von einem zum anderen Strang, die aber in beiden Fällen von den gleichen Protagonisten bekleidet werden. Geschildert werden sie jeweils in der "ersten Person", aus der Sicht von Alex Seifert, was einem die Story sehr viel näher bringt. Wobei man aber hier ganz klar sagen muss, die eigentliche Hauptfigur ist der Psychiater Lichner. Ihr werdet Euch nun vielleicht fragen wie und warum das? Um nicht zu viel zu spoilern, kann ich nur sagen, er ist der Puppenspieler, er hat die Fäden in der Hand und nur er bestimmt die Bewegungen der anderen. Die Idee mit den zwei Strängen und dem "Puppenspieler" war in der Tat eine sehr clevere, denn es treibt die - ich nenne sie mal -Sub-Protagonisten - an ihre Grenzen, was nicht nur den Job betrifft, sondern auch ihr menschliches Verhalten wird hart auf die Probe gestellt.
Im Vorfeld habe ich oft gehört, dass es sich um einen "normalen" Kriminalroman handeln soll, aber nachdem ich mich nun selbst überzeugt habe, kann ich das mit ruhigem Gewissen verneinen. "Das Wesen" ist nach allen Regeln der Kunst ein klassischer Psychothriller, denn die Intrigen die gesponnen werden, die typischen Konflikte zwischen den "Sub-Hauptfiguren" und eine labile gestörte Frau sind vorhanden. Ebenso ist das zentrale Thema klar zu erkennen, wobei die Hauptfigur die Wahrheit kennt, und die anderen Protagonisten versuchen herauszufinden, was Wahrheit und was Täuschung ist. Das alles zusammen macht "Das Wesen" zu einem echten Katz und Maus Spiel, bei dem der Faktor Zeit die wichtigste Rolle spielt.
Was mir wiederum nicht so gut gefallen hat, ist das Verhalten der Beamten, mit ihrem zum Beispiel unerlaubtem Eindringen in Wohnungen, und dem Bedrohen von Personen (er hat ja bei der Polizei in Aachen recherchiert), ob das Verhalten wirklich so gang und gebe ist? Des Weiteren gab es einen allem Anschein nach wichtigen Hinweis, dem unbedingt von den Beamten nachgegangen werden sollte, nur leider erfährt man nicht was daraus geworden ist, es verläuft im Sande. Das sind so zwei Kleinigkeiten, die vielleicht nicht so ganz der Hit waren, aber ansonsten ist "Das Wesen" ein klasse Thriller, den man sich eigentlich nicht entgehen lassen sollte.
Zur Story: "Vor 15 Jahren wurde ein 4 jähriges Mädchen vom Spielplatz, der direkt vor dem Haus der Eltern liegt, entführt und nach 3 Tagen tot aufgefunden. Der "angebliche" Entführer und Mörder, der Psychiater Dr. Joachim Lichner, kam damals für 13 Jahre ins Gefängnis. 15 Jahre später, Dr. Lingner ist wieder auf freiem Fuss, bekommen die Kriminalbeamtem Alexander Seifert und Bernd Menhkoff (die beiden haben auch damals den Fall bearbeitet und den Doktor ins Gefängnis gebracht) einen anonymen Anruf, dass ein 2 jähriges Kind entführt worden sein soll. Als sie bei der ihnen genannten Adresse auftauchen, trauen sie ihren Augen nicht, denn nach dem Klingeln und dem darauf folgenden Öffnen der Tür, steht Dr. Lichner vor ihnen, der allem Anschein nach unter dieser Adresse lebt. Nach kurzer Überprüfung des Melderegisters steht fest, Lichner hat eine 2 jährige Tochter. Das prekäre an der Situation, Lichner weiß nichts von einer "eigenen" Tochter. Sofort rückt er wieder ins Visier der Ermittler. Zufall? Will ihm da jemand eine Falle stellen? Was ist dran an der Geschichte? Ein Wermutstropfen bleibt obendrein, war er damals schon der wirkliche Mörder, Alexander Seifert kommen erneut Zweifel?"