Die Filme bieten die aus vielen anderen Knopp-Produktionen bekannte Mischung aus Spielszenen,Kommentaren, Originalfotos und Interviews. Es gelingt dadurch durchaus, Geschichte spannend vorzustellen. Die Kritik vieler Historiker an diesen Fernsehproduktionen kann ich nicht teilen (Geschichte werde hier zu sehr personalisiert, manches sei zu reißerisch, zu plakativ, die Spielszenen seien eben keine Quellen, so etwas sei unhistorisch etc.), denn vor allem mit Hilfe der aufwändig gemachten Spielszenen gelingt es gut, auch junge Menschen für die Geschichte zu interessieren. Und wenn eine Dokumentation das schafft, so haben wir viel erreicht. Zudem: Historische Fehler finden sich nicht in den Streifen, allenfalls Kürzungen, die aufgrund des kompakten Formats nicht zu umgehen sind. Der interessierte Fachmann wird sich also daran stören können, dass nicht alle Aspekte der Kolonialgeschichte angesprochen werden (z.B. werden die wirtschaftlichen Ursachen nur am Rande angesprochen), es ist nun einmal nicht möglich, etwas so Komplexes wie geschichtliche Ereignisse in wenigen Fernsehminuten umfassend darzustellen.
Gelungen ist meines Erachtens auch die Zusammenstellung der Interviewpartner, denn da werden auch kontroverse Meinungen geäußert bzw. diskutiert (z.B. zur Frage, ob der Mord an den Herero als Völkermord zu bezeichnen ist). Gut auch, dass die Betroffenen ausführlich zu Worte kommen (z.B. die Nachfahren der unterdrückten und ausgeraubten Völker). Und an dieser Stelle werden dann auch ambivalente Zwischentöne aufgenommen, die sehr gut die durchaus nicht einheitliche heutige Bewertung der Kolonialzeit in den ehemaligen Kolonien selbst spiegeln. Ein guter Ansatzpunkt, um diese schwierige Frage mit jungen Leuten, z.B. mit Schülern, zu diskutieren. Also: Nichts für die Fachhistoriker, viel für historisch Interessierte, die in ein bisschen Spannung nicht gleich eine Todsünde gegen die klassiche quellenorientierte Geschichtsschreibung betrachten.