Diese Dokumentation hinterläßt bei mir leider einen etwas spiespältigen Eindruck. Aufmachung und Umfang lassen zunächst auf ein ähnliches Kaliber wie die berühmten, großen BBC-Dokumentationen hoffen. Diesem Anspruch wird das vorliegende Werk allerdings nicht ganz gerecht.
Der Umfang und die Vielfalt der vorgestellten Landschaften und Nationalparks geht dabei völlig in Ordnung. Pro Scheibe werden zehn mehr oder weniger bekannte Parks und Landstriche vorgestellt, unter denen sich natürlich auch die großen Highlights wie Gran Canyon oder der Kilimanjaro befinden. Aber auch echte Perlen sind dabei, von denen man noch nie wirklich gehört hat, so daß man diesbezüglich wirklich Neues kennenlernt und durchaus seinen Horizont erweitert. Die Qualität der Aufnahmen ist gut, für mein Empfinden erreicht sie allerdings nicht das hohe Niveau von Produktionen wie "Planet Erde". Die dortigen Aufnahmen sind einfach eine Spur grandioser und sorgen für mehr herunterklappende Kinnladen.
Die Länge der einzelnen Beiträge ist mit einer knappen Viertelstunde pro Landschaft eher ein bißchen kurz. Die Zeit reicht oft gerade, um die wissenswertesten Fakten zu vermitteln; hier würde ich mir manchmal etwas mehr wünschen.
Leider macht sich hier auch bereits ein deutlicher Unterschied zu anderen Dokumentationen bemerkbar. Wenn z.B. die BBC loszieht, um in den Sundarbans in Indien zu filmen, dann erwähnen sie nicht nur, daß es dort eine kleine Population seltener Tiger gibt, sondern sie ZEIGEN sie auch. In der Weltnaturerbe-Doku werden die Tiger zwar auch erwähnt, aber mehr als eine hinterlassene Fußspur bekommt man nicht zu sehen.
Genauso ist es mit den Nashörnern in Afrika: da man offenbar keine lebenden Exemplare vor die Linse bekommen hat, werden stattdessen Archivfotos der Tiere gezeigt, und die sind qualitativ noch nicht einmal besonders gut.
Hier wäre weniger sicher mehr gewesen, und es drängt sich der Eindruck auf, als habe für die einzelnen Gebiete nur ein gewisses Zeitpensum zur Verfügung gestanden, bevor das Team weiterreisen mußte, und für alles, was man nicht "erwischt" hat, war keine Zeit mehr vorhanden. Von daher wirkt diese Dokumentation stellenweise wie die filmischen Ergebnisse einer drei- bis vierwöchigen Urlaubsreise, während die BBC-Teams sicherlich monatelang in einem Gebiet unterwegs sind und damit einfach mehr Chancen haben, die seltenen Tiere auch zu filmen.
Zwei weitere, in meinen Augen aber ganz wichtige Aspekte machen eine erstklassige Dokumentation ebenfalls aus: ein guter Sprecher und eine passende Musikuntermalung.
Auch hier kann diese Doku mich leider nicht ganz zufrieden stellen. Zugegeben: meine Ansprüche in diesen beiden Punkten sind hoch, aber wer einmal eine erstklassige Dokumentation gesehen hat, die von Christian Brückner (Wildes Russland), Norbert Langer (Planet Erde) oder Otto Clemens (Yellowstone) kommentiert wird, weiß, was ich meine. Solche Profis sind einfach imstande, allein durch die Dramaturgie ihrer Stimme oder den humorvollen Unterton einer Produktion den letzten Schliff zu verleihen.
Nicht so bei dieser Dokumentation. Der Sprecher ist zwar nicht wirklich als schlecht zu bezeichnen, aber er wirkt viel zu nüchtern und sachlich. Er klingt bisweilen, als würde er die mit etlichen lateinischen Bezeichnungen gespickten Texte aus einem Biologiebuch vorlesen, und da er zudem noch einen ganz leichten Sprachfehler hat, der die in unserer Sprache nun mal recht häufig vorkommenden Zischlaute "vernuschelt", fängt dieser Umstand nach zwei bis drei Stunden an, einen wirklich zu stören. Er versprüht ein bißchen den spröden Charme eines Jürgen Rüttgers, dem ich auch nicht wirklich bei einer mehrstündigen Rede zuhören möchte.
Auch die Begleitmusik kann mich nicht richtig begeistern. Für sich genommen, ist sie durchaus nett, denn es handelt sich um seichtes Lounge-Geklimper und durchaus wohlklingende Chill-Out-Melodien. Aber diese passen für mein Empfinden besser in den Fahrstuhl eines Casino-Hotels in Las Vegas oder in die Cocktailbar eines Kreuzfahrtschiffes als zu Tier-, Pflanzen- und Landschaftsaufnahmen in freier Natur.
Hier hat jemand wirklich kein glückliches Händchen bei der Musikauswahl gehabt, und es wirkt bisweilen so, als hätte da jemand nach dem Motto "Was können wir denn sonst nochmal auflegen?" relativ wahllos ins CD-Regal gegriffen und einfach irgendetwas abgespielt. Ich meine, die Musik muß definitiv zu den gezeigten Szenen passen, und wenn der Zuschauer gerade eine dramatisch anmutende Szene sieht, sollte diese auch durch ebenso dramatische Musik untermalt werden und nicht durch belangloses Allerwelts-Geklimper. Manchmal gelingt das zwar auch in dieser Dokumentation, aber eben nur zu einem geringen Teil. Insgesamt wirkt die Musikuntermalung damit ein bißchen amateurhaft und rangiert teilweise auf dem Niveau von Hobby-Filmern.
Unschön ist es auch, daß die Musik auch dann mit unveränderter Lautstärke weiterläuft, wenn der Sprecher gerade eine Szene kommentiert. Hier stören sich die Medien Sprache und Musik dann gegenseitig, und man kann beides nicht richtig genießen. Ein paar Dezibel weniger hätten der Musik an diesen Stellen häufig gut getan.
Da ich vom Sprecher und der Begleitmusik also nicht so angetan war, habe ich mal die Variante ausprobiert, mir nur die Filmaufnahmen anzusehen und sie von der ebenfalls vorhandenen Tonspur mit klassischer Musik untermalen zu lassen. Leider ergibt sich auch hier der gleiche Eindruck: Ton und Bild wirken viel zu häufig unsynchronisiert und wollen nicht recht zueinander passen. Auch hier entsteht der Eindruck, als habe jemand seine "Best of Classic"-Sammlung aufgelegt und - ohne darauf zu achten, ob sie zu den Filmszenen paßt - von Anfang bis Ende durchlaufen lassen.
Als Fazit kann ich sagen, daß diese Sammlung sicherlich nicht als Fehlkauf bezeichnet werden kann, aber andererseits ist sie auch nicht gerade billig, so daß meine Erwartungshaltung relativ hoch war. Die Filmbeiträge sind qualitativ durchweg gut, und ich habe viele kleine Landschaften kennengelernt, die mir bisher unbekannt waren und die ich in anderen Produktionen noch nicht gesehen habe. Das ist eindeutig ein Pluspunkt zugunsten dieser Doku, und rein optisch hätte sie sicher 4 Sterne verdient.
Andererseits haben mich der uninspirierte Sprecher und die unpassende Musikbegleitung am Ende so gestört, daß ich mir am liebsten nur die reinen Filmszenen ohne jeglichen Ton angesehen hätte. Im Gegensatz zu anderen Produktionen bin ich mir nicht sicher, ob ich mir diese Dokumentation auch noch ein zweites Mal ansehen werde, von daher vergebe ich im Gesamtergebnis durchschnittliche drei Sterne für ein durchschnittliches Produkt, das weder richtig gut noch richtig schlecht ist, sondern genau das, was drei Sterne ausdrücken: gesundes Mittelmaß.