Thomas de Padova greift in diesem Buch zwei äußerst interessante astronomische Entdeckungen auf, die die Wissenschaft revolutioniert haben. Vor genau 400 Jahren blickte Galileo Galilei in Italien durch ein Fernrohr zu den Sternen und Johannes Kepler erarbeitete in Prag seine Planetengesetze. Dass es einen (wenn auch nicht immer sehr regen) Briefwechsel zwischen diesen beiden sehr unähnlichen Zeitgenossen gegeben hat, wusste ich bislang nicht. Umso interssanter war es, de Padovas Ausführungen zu folgen. Der Physiker und Astronom berichtet hier äußerst spannend und überaus lebendig von einer Zeit der Umbrüche. Noch war die Welt (v.a. die Kirche) nicht so weit, naturwissenschaftliche Erkenntnisse als das zu akzeptieren, was sie zweifellos waren: Weltbewegend - im wahrsten Sinne des Wortes. Eine Verortung der Welt innerhalb des damals bekannten Kosmos konnte nur ganz besonderen Wissenschaftlern gelingen. Galilei, Sohn eines Musikers und von den Herrschenden begünstigt, hatte eine ganz andere Herangehensweise an die Astronomie als Kepler, der als Protestant nicht nur in seiner Heimat, sondern eigentlicht überall, wohin er kam, marginalisiert wurde. Sein Leben war geprägt von schweren Schicksalsschlägen, fast seine ganze Familie fiel entweder der Pest oder sogar der Inquisition (seine Mutter) zum Opfer. Der Leser wird in die Zeit vor dem 30-jährigen Krieg entführt - ausgerechnet nach Prag! Und doch benimmt sich Kepler manchmal wie ein junger Hund, fällt (im Briefwechsel) in seinem Ungestüm über Galilei her, der sich verschreckt zurückzieht. Über mehrere Jahre hinweg.
Die Lektüre dieses Buches war mir ein großes Vergnügen. Man erfährt nicht nur viel über die Entwicklungen im Bereich der Astronomie (bzw. Naturwissenschaften allgemein), sondern auch über das Lebensgefühl in zwei unterschiedlichen Kulturkreisen (frühneuzeitliches Italien, Deutschland, Österreich zur Zeit der Gegenreformation). Man muss sich nicht unbedingt für Wissenschaftsgeschichte interessieren, um dieses Buch mit Genuss lesen zu können. Die Schilderung der beiden grundverschiedenen Charaktere (Kepler und Galilei) und vieler anderer Persönlichkeiten, die man vielleicht schon kennt (Tycho Brahe!) machen aus diesem Sachbuch eine spannende Erzählung, die man durchaus auch zur Unterhaltung lesen kann.
Im Jahr der Astronomie unbedingt noch lesen!