Der zehnjährige Benjamin ist ein Findelkind. Man sagt, er wäre das Kind einer Meerjungfrau und eines Wikingers, was seine meerblauen Augen und sein rotes Haar erklären würde. Doch nicht nur das unterscheidet ihn von anderen Kindern. Benjamin hat noch nie ein Wort gesprochen und zeigt niemals Gefühle. Nichts scheint ihn zu berühren, er hat noch niemals jemanden oder etwas vermisst, nichts vermag ihn wirklich zu fesseln. Er mag es überhaupt nicht, berührt zu werden. Selbst seine liebevollen Pflegeeltern Onkel Floyd und Tante Joan müssen Abstand halten. Doch sie verstehen ihren Jungen auch so. Denn Benjamin hat ein besonderes Talent. Er malt die wunderschönsten Bilder, und er kann mit Farben und Pinsel die Vergangenheit und Zukunft auf Papier bannen. In der alten Scheune auf dem kleinen Hof der Pflegeeltern hat er sein Atelier, dort kann er sein Innerstes zeigen, was ihm durch Mimik oder Worte nicht gelingt.
Eines Tages hört König Jonjo Mayo I. von Benjamins außergewöhnlichem Talent. Es sind nur noch vier Wochen bis zum Heiligen Abend, an dem er seinem Volk nach der Christmette ein neues Krippengemälde präsentieren muss. Bis heute hat sich kein geeigneter Künstler gefunden und Benjamin scheint seine letzte Hoffnung zu sein. Er schickt drei Ritter auf die Reise, um den jungen Künstler auf sein Schloss zu holen.
Der Junge hat den elterlichen Bauernhof noch nie verlassen und keiner weiß, ob er der tagelangen Reise gewachsen ist. Zusammen mit seinem Onkel Floyd kommt er aber wohlbehalten bei König Jonjo an, der sich zufrieden zeigt und Benjamin ganz offiziell den Auftrag erteilt, innerhalb der nächsten drei Wochen das königliche Krippengemälde zu erstellen. Es soll traditionell und der Beschreibung in der Bibel nachempfunden sein.
Wieder zu Hause angekommen, macht sich Benjamin fleißig an die Arbeit. Als Vorlage dienen ihm die hofeigenen Tiere, wie die Stute Jezebel, ein altes knochiges Pferd mit fahlem Fell oder die Kuh Nell, ebenfalls schon alt und extrem dünn. Für ein königliches Gemälde eignen sich diese Tiere eigentlich nicht, doch Benjamin zeichnet sie nicht so, wie wir sie sehen würden, sondern so wie sein Herz sie sieht. Wunderschön und liebenswert...
Während seiner nächtlichen Arbeit an dem Bild vernimmt Benjamin plötzlich eine freundliche Stimme. Zuerst kann er niemanden entdecken und glaubt schon an Einbildung, als plötzlich ein Schwein ins Licht seiner Laterne tritt und klar und deutlich sein Kunstwerk bewundert. Dieses sprechende, braun-rosa gefleckte Schwein stellt sich als Valerie vor und irgendwie berührt sie etwas in Benjamins tiefstem Inneren. Er spricht in dieser Nacht sein erstes Wort.
Valerie leistet Benjamin nun jede Nacht Gesellschaft. Sie führen lange Gespräche und Benjamin ist zum ersten Mal in seinem Leben in der Lage, Sehnsucht, Freude und Glück zu empfinden. Doch schon bald wird ihre noch junge Freundschaft auf eine harte Probe gestellt...
Kinky Friedmann hat mit "Das Weihnachtsschwein" ein wunderbares Märchen geschrieben, das Kindern wie Erwachsenen, die wahre Bedeutung des Weihnachtsfestes vor Augen führt. Liebe und Toleranz, Freundschaft und Respekt voreinander, sind die wahrhaft wichtigen Dinge des Lebens. Die farbigen Illustrationen des Zeichners Daniel Schreiber verstärken die Intensität dieser Weihnachtsgeschichte und geben ihr das gewisse Etwas. Die Tragik der Geschichte erinnert an Märchen von Hans Christian Andersen wie zum Beispiel "Die kleine Meerjungfrau" oder "Das Mädchen mit den Schwefelhölzern". Man sollte sich also eine Packung Taschentücher bereitlegen, bevor man sich diesem kleinen, ergreifenden Buch widmet, das die dunkle Jahreszeit dennoch ein wenig erhellt.