Kurz vor der Vereidigung zum amerikanischen Präsidenten wird die hoch-schwangere Frau des liberalen, demokratischen Senators während eines Festakts kaltblütig erschossen, der Attentäter selbst stirbt durch ungeklärte Umstände und der schwer-reiche Gastgeber und Hotelier wird als angeblicher Auftraggeber des Attentats zum Tode verurteilt. Tragisch, dass gerade seine Tochter im Weissen Haus für den neuen Präsidenten arbeitet und fest von seiner Unschuld überzeugt ist: Doch auf eigene Faust zu ermitteln, erscheint unmöglich, da kurz nach dem Attentat der neue Präsident das 'Washington Dekret' verabschiedet. Das Ziel soll ein neues, lebenswertes Amerika ohne Kriminalität, ohne Arbeitslosigkeit, ohne Waffenindustrie sein. So ehrwürdig das Ziel auch klingt, werden mit dem Dekret jedoch die Rechte der Bürger massiv eingeschränkt, Demonstrationen werden blutig niedergeschlagen, die Opposition wird mundtot gemacht, die Medien zensiert, Kriminelle werden unbedacht aus der Haft entlassen und die Grenzen des Landes werden dicht gemacht. Die ehemals so ruhmreiche Demokratie beginnt, sich einer Diktatur zu unterwerfen und im Chaos zu versinken. Während die Tochter des angeblichen Attentatplaners versucht, ihren Vater vor der Todesstrafe zu bewahren und seine Unschuld zu beweisen, stösst sie auf Hinweise, die auf eine schier unglaubliche Verschwörung deuten. Und doch scheint es längst zu spät zu sein, ihren Vater und das Land zu retten...
Dieser bereits 2006 in der Originalfassung erschienene Roman ist mein erster 'Jussi Adler-Olsen', entsprechend unvoreingenommen und neugierig habe ich mich auf das Buch gefreut, das derzeit (Februar 2013) in riesigen Stapeln bei den stationären Buchhändlern ausliegt. Die zahlreichen, so positiven und kurzen Reviews in den Medien suggerieren darüber hinaus eine grandiose Idee und atemberaubende Spannung eines Meisters seines Fachs.
Diesem Lob kann ich leider jedoch nicht folgen: Die ersten Kapitel lasen sich langatmig und zäh und darüber hinaus verwirrend lückenhaft, denn wenn ein Staatsapparat so auf den Kopf gestellt wird, bedarf es Erklärungen und Erläuterungen für die Ursachen und Hintergründe. Diese fehlen vollständig. Aus dem anfänglich verwirrenden Polit-Thriller wird zunehmend und ausschließlich im weiteren Verlauf der Handlung ein Action-geladener Spionage- und Verschwörungsthriller, der Ludlum zweifelsfrei Konkurrenz hätte machen können. Doch fehlt jedwede Plausibilität, die Fiktion driftet unerklärlich in eine so starke Entfremdung der Realität ab, dass die später im Romane folgende Zusammenfassung der Geschehnisse als Vorab-Auflösung - mit Verlaub - lächerlich und lachhaft wird.
Die Figuren sind an sich liebesvoll gezeichnet, Cliffhanger sorgen für hohes Tempo und die eigentliche Idee des Romans ist durchaus brillant - die Umsetzung und chaotische Konstruktion sowie die tatsächlich auf Fakten basierende, aber extrem weit hergeholte Fiktion des Plotts aber dürfte anspruchsvollen Lesern nicht genügen. Wer jedoch flotte, fiktionale Unterhaltung ohne großen Anspruch auf Realitätsnähe und Fakten mag, wird sich jedoch mit diesem Thriller sicherlich anfreunden und ein paar vergnügliche, kurzweilige Stunden verbringen können. Aber 'Tempo' und 'Action' sind eben nicht alles, um einen Roman als heraussragend oder perfekt zu bezeichnen - auch nicht im Genre der Spannungsliteratur.