Jährlich am 18. August wird der Kreuzfindungstag begannen, an welchem der Fund des Jesus-Kreuzes als Reliquie durch Helena, die Mutter des Römischen Kaisers Konstantin im Jahre 326 n. Chr. in Erinnerung gerufen und zelebriert wird.
Der Fund der Reliquie, vielmehr jedoch die sich daraus gut abzuleitende mystisch-geheimnisvolle Geschichte um die Zeit des Holzgestells vor dem Tag des Fundes inspirierte den Autor Jörg Kastner zu umfangreichen historischen Recherchen und zu seinem phantastisch-realen Roman. Dabei nutzt er geschichtliche Eckdaten und Erkenntnisse ebenso, wie die über die vielen Jahrhunderte gefestigten Mysterien und Glaubensvarianten bezüglich der Echtheit und der Existenz der bedeutenden Reliquie. Es ist entscheidend, wie er es im Buch selbst darlegt, wie stark man an die Reliquie glaubt und welche Bedeutung dem Gegenstand beigemessen wird, der ihn so wichtig macht.
Im Roman spielt Bastian Topart die entscheidende Rolle. Er geht zur Zeit, kurz nachdem Napoleon Bonaparte Kairo eroberte, als dokumentarischer Zeichner mit dem Forschertrupp seines Onkels um 1789 nach Ägypten, um aufzumalen, was es dort an Schätzen und Besonderheiten gibt. Ein geheimnisvoller Tempel birgt neben den erhofften Schätzen eine große Gefahr. Als sie den Schreien einer gepeinigten Frau nachgehen, endet dieser erste Tempelbesuch mit einem tödlichen Kampf und der Rettung der geheimnisvollen Ourida. Sie entwickelt sich trotz ihres Schweigens und ihrer Unnahbarkeit als erste wirkliche Liebe des jungen Künstlers. Es zeigt sich, dass er sie schon kennt allerdings ist das schon über sechshundert Jahre her. Damals verteidigte er als Ritter Roland die Reliquie und auch Ourida spielte eine entscheidende Rolle.
Jörg Kastner verhilft einem durch die einfache und doch niveauvolle Erzählweise zu einer schnellen Teilhabe am Geschehen, egal, ob man Ereignisse der Gegenwart des endenden 18. Jahrhunderts oder aber in der Vergangenheit der mittelalterlichen Ritter nacherlebt. Stück für Stück erfährt man aufgrund der intensiv bildlich-lebhaften Träume des Protagonisten sowohl die Abläufe zur damaligen Zeit als auch die glaubhaft realistischen Vorgänge im Kairo Napoleons, der auch selbst Kontakt zu Bastian über dessen Onkel hat. So nah war einem der spätere Kaiser Frankreichs noch nie.
Trotz der Verfolgung und Bedrohung durch die Ritter des Orden des verlorenen Kreuzes versucht Bastian stets seine Ourida, die ein zweites und drittes Mal verschwindet beziehungsweise entführt wird, zu retten und mit ihr zugleich das Kreuz, an dem Jesu starb. Aber auch Afhra, die Tochter eines ägyptischen Gelehrten, der Bastian und seinem Onkel Jean Unterstützung bieten kann, spielt im Denken und Handeln des Jünglings eine nicht zu vernachlässigende Rolle. Das umsomehr, als sie Bonaparte öffentlich angreift und deswegen hingerichtet werden soll.
Trotz vieler auch grausig endender - Kämpfe und Auseinandersetzungen entbehrt die Geschichte einer reißerischen Art. Sie gefällt durch eine gute Mischung aus Fiktion und nachgewiesener Historie und die detailreichen Schilderungen sorgen bis zum Schluss für gute Spannung, auch wenn sein vorheriges Buch Die Farbe Blau die aufregendere Geschichte ist.
Am Ende liefert der Autor noch einige Informatione zur Geschichte und eine Zeittabelle, um anhand realer Ereignisse besser einordnen zu können, in welchem Kontext die Geschichte spielt. Das verstärkt gewissermaßen das Möglichkeitsvertrauen. © 5/2007, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.