Die hilfreichsten Kundenrezensionen
52 von 54 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Mord u. eine Liebeserklärung an die klassische Musik wu, 1. Februar 2003
Es gibt wohl sehr viele Bücher, die ich als gut, sehr gut oder sogar exzellent empfinde, aber es gibt leider nur sehr wenige Bücher, bei denen sowohl Dankbarkeit als auch eine leise Melancholie zurückbleibt, wenn das Buch beendet ist. Dankbarkeit über den Tipp oder Zufall, der zur Lektüre dieses Buches geführt hat, Melancholie darüber, dass dieses Lesevergnügen vorbei ist. Das vorliegende Buch gehört in diese kleine aber feine Kategorie. Das Buch spielt in dem kleinbürgerlichen Milieu einer holländischen Fischerstadt, beginnend Mitte der Fünfziger Jahre. Die Hauptperson ist ein Junge, hinter dessen Rücken ein Mord geschieht. Aufgrund der Tatsache, dass er meint, als einziger den Mörder gesehen zu haben, hat er Angst, ebenfalls ermordet zu werden. Diese Angst, das Heranwachsen des Jungen, die nur langsamen Fortschritte hin zu einer Lösung des Mordfalles und seine wachsende Liebe zur Musik begleiten den Leser über das ganze Buch. Der Roman ist klar, schnörkellos und spannend geschrieben. Der Autor gewährt einen, so denke ich, doch recht objektiven Blick in des kleinbürgerliche Milieu Hollands in der Fünfzigern und Sechzigern. Ruhig und sachlich schreibt er über deren Nöte und Freuden, über die positiven wie negativen Eigenschaften, auch über den Hass auf die deutschen Besatzer und das spürbare Misstrauen gegenüber Neuem oder Fremden (auch Personen). Diese Ruhe und diese Sachlichkeit verbunden mit der Schönheit seiner Sprache (Kompliment auch an den Übersetzer!) machen die Klasse dieses Romans aus. Von allen Büchern, zu denen ich bislang meine Kommentare, Beiträge in diesem Forum gegeben habe, ist es das erste, welchem ich gern sechs Sterne geben würde.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein
19 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Fesselnder Krimi zum "Mehrmals-Lesen", 18. Mai 1999
Von Ein Kunde
Maarten 't Hart schreibt einen ausgeklügelten Krimi, der aber gleichzeitig noch mehr sagen will. Es geht um den Komponisten Alexander Goudveyl, der auf seine Kindheit in der niederländischen Stadt Hoofd zurückblickt. Direkt hinter seinem Rücken wird (als er gerade Klavier spielt) ein Mord verübt. Die Hintergründe und Verflechtungen, die seine Nachforschungen ans Tageslicht bringen, reichen bis kurz vor die Einnahme der Niederlande durch Nazideutschland zurück. Eine Personenkonstellation, die es dem Leser nicht leicht macht, die Romanhandlung und -charaktere aufzuzählen und zu rekapitulieren, jedoch trotzdem nicht unübersichtlich wird, garantiert Spannung bis zur letzten Seite. Die Tatsache, dass der Schluss zum Teil offen ist, hebt das Buch aus der Reihe der vielen "normalen" Krimis heraus. Außerdem bleibt die Frage, ob 't Hart nicht noch mehr sagen wollte, etwa, dass das übliche "Schwarz-weiß-Denken" bezüglich der Beteiligung oder Nicht-Beteiligung an den Verbrechen der Nazis in der Zeit von 1933 bis 1945 gründlich überdacht werden muss und auf die "Grauzonen" hingewiesen werden sollte (Menschen, die sich falsch verhalten haben, aber keine Kollaborateure waren) oder dass es Beteiligungen nicht nur in Deutschland, sondern auch in den Niederlanden und anderen Ländern gegeben hat (siehe "Das Leben ist schön", Kinofilm). Selten habe ich ein Buch zweimal hintereinander verschlungen. Hinzu kommt die geniale Idee des Arche-Verlages noch einige Musikstücke, die erwähnt werden, zusammen mit Anmoderationen des Autors in deutsch, auf den Markt zu werfen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein
18 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
rezension zu "Das wüten der ganzen Welt" von Maarten t'Hart, 12. Februar 2002
Stellen sie sich vor, sie spielen gerade Klavier und hinter ihrem Rücken geschieht ein Mord. Sie drehen sich um und erkennen einen Mann, der auf sie eine Waffe richtet. Anstatt aufzuspringen, um etwa zu flüchten, bleiben sie sitzen und spielen einfach weiter. Genauso verhält sich der 12-jährige Alexander aus dem Roman „Das Wüten der ganzen Welt“ von Maarten t'Hart. Seitdem leidet der Junge aus dem niederländischen Dorf Hoofd unter der Angst, als Zeuge ebenfalls umgebracht zu werden. So hält er es für am sinnvollsten, den Mörder selbst aufzuspüren, umso seinen Verfolgungswahn zu mindern. Doch dies ist nicht der einzige Grund, was die besondere Entwicklung des Außenseiters ausmacht. Der Roman erzählt außerdem von den alltäglichen Erlebnissen und Erfahrungen, die ein Junge in dem Alter macht, wie z.B. die erste große Liebe oder die Isolierung zu den Eltern. Jedoch kommen auch eigenartige Dinge in dem Bestseller nicht zu kurz. Es geht auf der einen Seite um sexuelle Belästigungen und auf der anderen Seite um die Musik, die als Trost und Befriedigung für alles dient. Hierzu ist am Ende des Buches ein „Kleines Brevier zum Mit- und Nachhören“ angefügt. Es listet fast alle im Roman vorkommenden Klassikstücke auf. Das Werk des bekannten niederländischen Autors ließe sich eigentlich als Kriminalroman definieren, dem der gewisse Höhepunkt fehlt und der etwas zu lang geraten ist. Doch Maarten t'Hart schafft es, durch Themen, die stark zum Nachdenken auffordern, den Roman zu etwas Besonderem zu machen. Die vom Inhalt her sehr unterschiedlichen Kapitel scheinen zunächst nichts miteinander zutun zu haben, und sind doch alle miteinander verknüpft. Durch diese faszinierende Logik und die Kunst des klaren, verständlichen Schreibstils hat es der Autor geschafft, die einzigartige Entwicklung eines Jungen bis hin zum Erwachsenden auf eine besondere Art u. Weise zu beschreiben. Um die Leselust noch etwas mehr zu reizen, hier eine kleine Kostprobe: „Wie eigenartig, dass man in einem solchen sonnendurchglühten Augenblick denkt, das ganze Leben liege noch vor einem, während sich später herausstellt, dass ein solcher Moment das wahre Leben ist.“(Seite 267)
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein
|