"Das Wörterbuch der Liebenden" ist kein gewöhnlicher Liebesroman. Dieser Roman erzählt keine Geschichte mit Anfang, Höhepunkt und Ende - zumindest nicht so, dass man den Anfang auch am Anfang findet.
Dem Alphabet folgend versorgt der Erzähler uns mit Stichworten, die uns die Beziehung zwischen ihm und seiner Partnerin verständlich machen und es gelingt, dass die einzelnen Versatzstücke am Ende wirklich so etwas wie ein großes Ganzes ergeben. Man erfährt keine Namen und keine kompletten Lebensgeschichten, man wird lediglich mit flüchtigen Eindrücken, kurzen Dialogen oder Gedankengängen bedacht, die das Wesen dieser Beziehung beleuchten. Man erfährt nicht mal die Geschlechter der beiden Liebenden, das bleibt der individuellen Interpretation überlassen.
Diese Methode, dem Leser lediglich Puzzlestückchen in die Hand zu geben, aber keine Vorlage für das komplette Bild, hat mich sehr an Leanne Shaptons Auktionskatalog einer Liebe erinnert. In "Bedeutende Objekte und persönliche Besitzstücke aus der Sammlung von Lenore Doolan und Harold Morris, darunter Bücher, Mode und Schmuck" wird die Geschichte einer Liebe anhand der Besitztümer des Paares aufgedröselt und entwirrt, die es während seiner Partnerschaft angehäuft hat. Bis ins kleinste Detail wird alles aufgelistet, was die beiden mit ihrer zweisamen Zeit in Verbindung bringen und zusammengenommen ergibt es ein Bild, so wie David Levithans Stichworte ein Bild ergeben, das viel Raum für Interpretationen lässt.
Eine wirkliche kreative Idee, versehen mit schönen Formulierungen, die zum Denken anregen. Der einzige Nachteil: dadurch, dass man nichts definitiv erfährt und sich alles selbst zusammenreinem muss, bleibt auch die Geschichte an sich flüchtig und gerät so unter Umständen schnell dem Vergessen anheim.