Nachdem ich mehr oder weniger durch Zufall über das Voynich-Manuskript, oder besser gesagt über dessen Mythos gestolpert war und eine gewisse Faszination dafür entwickelt hatte, weckte auch Marzins Roman mein Interesse.
Neue Erkenntnisse zu diesem sehr Rätselhaften und sagenumwobenen Manuskript bietet dieser Roman freilich nicht, ich erwartete dies auch nicht, vielmehr war mein Interesse gerichtet auf die Story, welche der Autor um diesen sehr schleierhaften Kern "Voynich-Manuskript" denn aufbauen würde - und der Weg zur Beantwortung dieser Frage war ziemlich lang. 527 Seiten hat der Roman, fast 300 Seiten lang muss man durchhalten, bis die Handlung wirklich Fahrt aufnimmt. Bis dahin erfährt man allerlei (mehr oder weniger) interessante Details über das Leben der Protagonisten.
Leider gewinnt man ab und zu den Eindruck, dass der Verlag Marzin im Nacken saß, mit der Auflage, mindestens 500 Seiten zu fabrizieren. So erscheinen einige Geschehnisse und seitenlange Dialoge nur um ihrer blähenden Wirkung wegen verfasst. Auch störend sind zu sehr ausschweifende Beschreibungen, so wird man schon mal über mehrere Seiten genaustens darüber informiert, wie ein Kaffee vor sich hin dampft, oder wie ein Ohrring im Licht der Sonne glitzert. Solche Details gehören sicherlich in einen guten Roman, doch in diesem Fall sind sie oft so ausschweifend, dass es störend, und vor allem im zweiten Teil der Handlung, bremsend wirkt.
Dennoch gelingt es dem Autor, vor dem Hintergrund der amerikanischen Geschichte seit 1960, welche sich wie ein roter Faden durch den Roman zieht, eine glaubwürdige Geschichte aufzubauen, mit sehr lebendigen und vielschichtigen Charakteren, mit interessanten Konstellationen, was einem über eine mal wieder auftauchende Länge hinweghilft und das ständige Bedürfnis aufrecht erhält, weiterzulesen.
Das Ende hat mir sehr gut gefallen, und das ist auch alles, was ich zur Auflösung sage, alles andere würde vielleicht schon etwas vorwegnehmen.
Fazit: Ein gewisses geschichtliches Interesse sollte man als Leser haben und auf ausschweifende Detailbeschreibungen sollte man nicht allergisch reagieren - dann kann man an diesem Roman durchaus Gefallen finden.
Leider kann man keine halben Sterne vergeben, 3,5 Sterne wären mein Urteil, so profitiert der Roman von der mathematischen Aufrundungsregelung ;)