Gleich vorneweg: Wer schon ein Buch zum Thema hat, braucht sich dieses definitiv NICHT zusätzlich anzuschaffen.
Mich hat "Das Vorstellungsgespräch" jedenfalls nicht weiter gebracht. Es gibt insbesondere keine überzeugende Antwort darauf, wie man mit unerlaubten Fragen (nach Vereinigungs-, Parteizugehörigkeit) umgeht. Klar darf man lügen, aber ist das sinnvoll? Wenn ja, WIE lügt man am besten oder sollte man ggf. nicht die Beantwortung der Frage ablehnen? Ebenfalls keine adäquate Lösung bietet der Ratgeber zum Problem mäßiger Zeugnisse oder Benotungen (die in Einzelfällen vielleicht sogar wirklich unberechtigt sind).
Auch sonst bleiben beim Leser hier und da Fragezeichen: Wer besorgt sich schon im Ernst Handelsregisterasuzüge der Unternehmen, bei denen er sich bewirbt? Wer würde andererseits auf die Idee kommen, "ausgefranste Jeans" oder "ausgelatschte Sandalen" zum Bewerbungsgespräch anzuziehen?!?
Die Einteilung der Gesprächspartner ("der Fuchs", "der harte Hund", "der Pfau" etc.) ist auch etwas an den Haaren herbeigezogen. In Reinkultur hat man es kaum je mit einem dieser Typen zu tun (und was macht man dann beim ausgefuchsten harten Pfau?).
Zwar ist der Ansatz gut, ein fiktives Bewerbungsgespräch zu kommentieren, aber die Fehler, die der virtuelle Bewerber macht, sind wohl kaum repräsentativ (weil grötenteils offensichtlich zu dämlich).
Die paar Seiten zu Einstellungstests am Ende des Buches hätte man sich ruhig sparen können. Da gibt es sicherlich bessere Referenzen.
Wenn man über null Bewerbungserfahrung verfügt, können die Kapitel zur Selbsteinschätzung und Gesprächsvorbereitung allerdings durchaus von Nutzen sein. Zumindest enthält der Ratgeber keine Tipps, die nach hinten losgehen können (und das ist leider keine Selbstverständlichkeit).
Fazit: Kein schlechtes Buch, aber man darf keine Wunder erwarten.