Der historische Hintergrund dieses Buches (Nordamerika, Indianervölker, 13. Jahrhundert), gehörte bisher überhaupt nicht in mein Lese-Metier. Ich kam zu dem Buch per Zufallsfund in der Bibliothek und dachte, ich probiere es mal damit.
Kurze Inhaltsangabe:
Die gerade zur Frau gewordene Rote Schlinge wird aus politischen Gründen dem Großen Tayac versprochen. Die Ehe soll die Macht von Rote Schlinges Dorf Flache Perle stärken. Doch schon auf den ersten Seiten wird sie ermordet und dem Leser werden die verschiedenen Protagonisten serviert, die ein Motiv haben und als Täter in Frage kommen. An erster Stelle steht Wilder Fuchs, ein junger Mann, der eine heimliche Liebschaft mit Rote Schlinge unterhielt. Alle glauben, dass er Rote Schlinge aus Eifersucht tötete, weil er nicht ertragen konnte, dass sie einen anderen heiraten sollte.
Sonnenmuschel, die Cousine und beste Freundin von Rote Schlinge, ist in Wilder Fuchs verliebt und setzt nun alles daran, zu beweisen, dass er nicht der Mörder ist. Sie holt einen zurückgezogen lebendenen alten Indianer namens Jaguar dazu, der als Zauberer und sehr gefährlich verschrien ist. Er macht sich nun daran, den gesamten Tathergang zu untersuchen, mit Zeugen zu sprechen und somit den Täter zu finden.
Die Kombination aus Krimi und Indianer-Historie mutet ein wenig seltsam an und passt, meiner Meinung nach, nicht wirklich gut zueinander. Richtig schlecht ist es aber auch nicht. In jedem Fall erfährt der Leser unglaublich viele Details über die nordamerikanischen Indianervölker und ihre Lebensweise. (Ob sie korrekt sind, kann ich leider nicht beurteilen, da ich mich mit den Indianern bisher nicht befasst habe.) Das allein könnte mehr als genug Stoff bieten, um einen authentischen historischen Roman zu schreiben, in dem es um das Handeln und Streben der amerikanischen Ureinwohner geht.
Doch leider musste dem Ganzen der Krimi-Stempel verpasst werden und die Nachforschungen und Gespräche von Jaguar erinnern mich einfach unweigerlich an Figuren wie Sherlock Holmes oder Miss Marple. Obwohl es durchaus sehr spannend zu sehen war, wie sich die Facetten der Geschichte nach und nach entfalten, konnte ich es dadurch nicht mehr richtig ernstnehmen. Es ist nicht mal so, dass die Aufklärung des Mordes in den historischen Kontext eingebettet wurde. Vielmehr hatte ich den Eindruck, es ging vorwiegend um die Erschaffung eines Krimis und das Umfeld und die Zeit wurden drum herum gebastelt, denn es geht wirklich um nichts anderes als das Finden des Täters.
Unverständlich war mir auch die kurze Einleitung, die in der Gegenwart handelt und in der es darum geht, dass in den USA ein Gesetz erlassen wurde, das die nativen Einwohner dazu berechtigt, historische Relikte aus Museen usw. zurück zu fordern, da sie als ursprüngliche Eigentümer gelten. Ein Museumsmitarbeiter wendet sich an einen Anwalt, weil er eine Klage einreichen will, um ihm entwendete Relikte zurück zu fordern. Weiter erfährt man, dass die Leute, die sich die Sachen unter den Nagel gerissen haben, alles an einen Indianer-Shop verscheuern. Und danach findet man kein Wort mehr zu dem Sachverhalt in dem Buch. Kein Hinweis wie es ausgeht oder sonstwas. Häh?
Nunja, wie gesagt, der historische Teil und die Krimigeschichte selbst sind für sich ziemlich gut. Ersteres sehr interessant aufgrund der vielen historischen Details, zweiteres extrem spannend. Beides zusammen passte aber so gut wie Wiener Schnitzel mit Schokosoße. Dafür ziehe ich anderthalb Sterne ab. Und einen weiteren halben Stern dafür, dass die Geschichte so ausgewalzt wurde. Das Buch hat 523 Seiten, handelt aber lediglich wenige Tage ab. Da ist viel Platz für Wiederholungen, Aufbauschungen und belanglosen Füllstoff.
Das Buch gehört offenbar zu einer umfangreichen Reihe. Ich glaube, ich brauche davon kein weiteres lesen und auch dieses ist eher unspektakulär, so dass ich es vermutlich schon bald vergessen haben werde. Also geht so.