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Das Verzeihen: Essays zur Moral und Kulturphilosophie
 
 
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Das Verzeihen: Essays zur Moral und Kulturphilosophie [Gebundene Ausgabe]

Vladimir Jankélévitch , Ralf Konersmann , Claudia Brede-Konersmann

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Produktbeschreibungen

Perlentaucher.de

Buchnotiz zu : Die Zeit, 28.08.2003
Iris Radisch kann es kaum fassen, dass es bis zum hundersten Geburtstag des Philosophen dauern musste, bis er endlich auch in deutscher Übersetzung vorliegt. Auch in Frankreich war er bis zu seinem Tod 1985 nur Wenigen bekannt, teilt die Rezensentin mit. Sie informiert, dass Vladimir Jankelevitch als Sohn russischer Einwanderer, die vor dem Antisemitismus aus Odessa geflohen waren, seit 1940 nicht mehr an der Universität in Lille arbeiten konnte und in die Resistance ging. Der Band steht in der "brillanten Tradition französischer Essayistik", preist die Rezensentin, und sie findet die ausgewählten Texte "ungemein lesbar und modern". Dies liegt ihrer Meinung nach nicht zuletzt daran, dass der Autor auf seine eigenen Empfindungen vertraut und sich der Begründung moralischer Urteile in seinen Essays enthält. Die Abhandlungen, so die Rezensentin angetan, sind "subjektiv und rigoros" und entwickeln dabei geradezu "literarische" Qualitäten. "Merksätze" zum Einnähen in den "Mantelsaum" seien zwar nicht in dem Band zu finden, betont Radisch. Doch liest sie aus ihnen den Appell heraus, sich nicht nach den "tausenderlei Rück- und Hinsichten der Epoche", sondern nach dem "Herzen" zu richten, und das scheint ihre Zustimmung zu bekommen.

© Perlentaucher Medien GmbH

Buchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 21.06.2003
Manfred Geier reagiert nutzt das Erscheinen dieser Sammlung einiger Schriften Jankélévitchs zu seinem hundertsten Geburtstag zur Nacherzählung seiner intellektuellen Biografie, nach der das alles eigentlich ganz anders hätte kommen sollen. Als früher Bewunderer von Goethe, Schelling, Hölderlin, Novalis, Schopenhauer und Nietzsche, der deutschen Ideen vom "Leben" und "Willen" und vor allem von Georg Simmels Versuch, diese Traditionen zusammenzuführen, hatte Jankélévitch ursprünglich eine enthusiastische Fortsetzung dieses Denkens vorgeschwebt, berichtet Geier. Doch dann kam der Nationalsozialismus und Jankélévitch habe sich mit einem "verwundeten Bewusstsein" den Lügen, den ideologischen Verführungen und Verblendungen seiner Zeitgenossen zugewandt bis hin zu der "ersten kindlichen Schwindelei". Von da an würde sein frühes "Hohelied der Unschuld und der Einfachheit, der Aufrichtigkeit und Offenheit" nur noch "wie eine verzweifelte Hoffnung" in seinen Schriften nachklingen, schreibt Geier weiter, als Suche nach den raren Augenblicken, in denen sich vielleicht "noch etwas von der Liebe und Tugend zeigen" könne, "nach denen er sich sehnt". Das "Presque-Rien", das "Beinahe-Nichts" sei fortan, so Geier, "sein großes Thema" geworden - aber eben auch, was seine Wirkung angeht, "sein eigenes Schicksal". Als weitere zentrale Themen seines Werks, die dieser Band spiegelt, nennt Geier Jenkélévitchs Auseinandersetzung mit dem Tod und seinen Widerspruch gegen das Verzeihen angesichts der nationalsozialistischen Gräuel.

© Perlentaucher Medien GmbH

Kurzbeschreibung

In seinem Heimatland Frankreich wird Vladimir Jankelevitch heute als einer der zentralen Philosophen des 20. Jahrhunderts angesehen. Das war nicht immer so. Unwillig, um die Gunst der öffentlichen Meinung zu buhlen, galt der Nachfahr jüdisch-russischer Einwanderer lange Zeit als Solitär, als "heimatloser Philosoph". Aus seiner Prägung durch Henri Bergson hat Jankelevitch nie ein Hehl gemacht. Vor allem seine Sprache verrät die Spur dieser Herkunft: Kühne Wortbildungen und ein von fließen Perioden getragener, durch jähe Abbrüche interpunktierter Stil bestimmen den Gestus eines Denkens, das ein permanenter Neubeginn sein will, Denken in Bewegung. Jankelevitch war ein Denker des Engagements, und nichts hat nachhaltiger seine Themenwahl bestimmt als die Jahre in der Resistance. Er hat über den Tod geschrieben, über die Liebe, über die Lüge - am eindringlichsten aber über das Verzeihen. Die Vernichtung der Juden war für Jankelevitch ein Kulturbruch, der die Grenzen des Verzeihens definitiv überschritt. So hat er, der einst über Schelling promoviert hatte, sich nach dem Krieg jede Verbindung nach Deutschland untersagt. Er blieb unversöhnt - bis zu seinem Tod im Jahr 1985. Anläßlich seines hundertsten Geburtstages präsentiert die vorliege Auswahl das Denken eines philosophischen Schriftstellers, der unbequem ist, ja fordernd, und der seine weitgespannten Themen ungemein pack darzulegen versteht. Für deutsche Leser ist Jankelevitch Entdeckung und Herausforderung zugleich.

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