Dieses Debüt der Autorin Bettina Heinzelmann ist erstaunlich vielseitig: Es ist ein Familienroman, ein Beziehungsroman und der Roman einer jungen Frau, die auf der Suche nach sich selbst ist.
Jo, die Protagonistin des Romans, ist in einer Krise: Sie hat sowohl mit der schwierigen Familienkonstellation ihrer Familie zu kämpfen - besonders die Mutter ist verschwiegen, zurückhaltend und traditionell eingestellt - als auch mit der undurchsichtigen Familiengeschichte. Zudem steht sie zwischen zwei Frauen: ihrer Freundin Alba, der temperamentvollen Italienerin, und Elsa, der schönen und etwas abgeklärten Geliebten, die wiederum zwischen Jo und ihrem eigenen Mann steht. Jo kann lange Zeit nicht mit Alba über ihre veränderten Gefühle sprechen, letztlich ist sie auch so verschwiegen wie ihre eigene Familie, bei der sie gerade gegen dieses Verhalten rebelliert.
Aber verständlich: Denn solange die Familiengeschichte nicht aufgearbeitet wird, werden die Verhaltensmuster in die nächste(n) Generation(en) weitergegeben.
Die einzelnen überraschenden Handlungswendungen werden an dieser Stelle natürlich nicht verraten, da passiert noch einiges Unerwartetes. Auch Jos bestem Freund Jakob widerfährt in einem Nebenstrang der Handlung eine große Überraschung.
Gut gefallen hat mir auch das Wasser-Motiv, das, wie schon im Titel deutlich wird, eine wichtige konkrete und auch abstrakte Bedeutung spielt und das sich durch den ganzen Roman zieht.
Einige eingebaute Literaturanspielungen verleihen eine interessante Note.
Gelungen ist auch das bayerische Lokalkolorit, das authentisch eingefangen ist, aber nicht zu ausgeprägt dargestellt ist, der Roman spielt auch international" in Wien und in Italien, ist für Leser in Nord und Süd interessant.
Alles in allem eine abwechslungsreiche Geschichte, die realistisch bzw. glaubwürdig gezeichnet ist, mit interessanten Charakteren, die Ecken und Kanten haben.
Der Erzählfluss und somit auch der Lesefluss ist gut, der Leser wird rasch in die Geschichte und die vielfältigen Handlungsstränge hineingezogen.
Besonders gelungen sind die Dialoge, die die Handlungen und die Charaktere der Figuren gekonnt auf den Punkt bringen und die Spannung halten.
Fazit: Ein vielseitiger Roman über die Selbstfindung einer jungen Frau. Erst durch die Bewältigung der familiären Vergangenheit erlangt sie die innere Unabhängigkeit, frei auf ihre eigene Zukunft zu blicken.
Ein gelungenes Debüt, das unterhaltsam geschrieben ist, aber auch ernste Themen aufgreift.
Lesenswert!
4,5 von 5 Punkten