Pressestimmen
"'Das Vermächtnis der Feuerelfen' bietet Spannung und viele großartig gezeichnete Figuren, wie das Wechselwesen Saphrax mitsamt Durin oder die schillernde Elfenkriegerin Finearfin. Überraschende Wendungen gibt es ebenfalls und so steht einer kraftvollen Fantasygeschichte made in Germany nichts im Wege." (Booksection.de )
"Die Geschichte hat sehr viel Charme. Sie nimmt einen spannenden Verlauf, ist faszinierend, fantasievoll und einzigartig." (literature.de )
"Tolkien-Fans und andere Fantasy-Freunde werden begeistert sein." (Rheinische Post )
"Die Geschichte hat sehr viel Charme. Sie nimmt einen spannenden Verlauf, ist faszinierend, fantasievoll und einzigartig." (literature.de )
"Tolkien-Fans und andere Fantasy-Freunde werden begeistert sein." (Rheinische Post )
Kurzbeschreibung
Eine Geschichte wie eine Legende
Seit fünfzehn Wintern sind die Elfenpriesterin und ihre Tochter auf dem Meer verschollen. Seitdem überziehen Eiskrieger und Frostdämonen das Zweistromland mit Tod und Verheerung. In ihrer Not schicken die Elfen die Kriegerin Finearfin aus, die einstige Hüterin ihrer Wälder zu suchen. Doch die ruht längst auf dem Meeresgrund. Nun bleibt den Elfen nur noch eine Hoffnung: Caiwen, Tochter der Priesterin und Erbin ihrer schützenden Macht. Sie hat überlebt, aber sie ahnt nichts von ihrer Herkunft und ihrer Gabe. Wird es der zukünftigen Elfenmagierin gelingen, das Vermächtnis ihrer Mutter anzunehmen, oder ist ihr Volk endgültig dem Untergang preisgegeben?
Seit fünfzehn Wintern sind die Elfenpriesterin und ihre Tochter auf dem Meer verschollen. Seitdem überziehen Eiskrieger und Frostdämonen das Zweistromland mit Tod und Verheerung. In ihrer Not schicken die Elfen die Kriegerin Finearfin aus, die einstige Hüterin ihrer Wälder zu suchen. Doch die ruht längst auf dem Meeresgrund. Nun bleibt den Elfen nur noch eine Hoffnung: Caiwen, Tochter der Priesterin und Erbin ihrer schützenden Macht. Sie hat überlebt, aber sie ahnt nichts von ihrer Herkunft und ihrer Gabe. Wird es der zukünftigen Elfenmagierin gelingen, das Vermächtnis ihrer Mutter anzunehmen, oder ist ihr Volk endgültig dem Untergang preisgegeben?
Klappentext
»Felten Fantasy ist klasse Fantasy.«
Bild am Sonntag
Bild am Sonntag
»Mystisch, romantisch und dramatisch ist dieses Fantasy-Ereignis. Ein Gesamtkunstwerk von einzigartiger Kraft.«
Passauer Neue Presse über »Das Erbe der Runen«
»Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen: Hier schreibt ein direkter Nachkomme Tolkiens.«
Kundenrezension auf amazon.de
Über den Autor
Monika Felten, geboren 1965, gehört zu den erfolgreichsten und renommiertesten deutschen Fantasy-Autoren. Ihre hervorragend komponierten Fantasy-Reihen, die „Saga von Thale“, die „Geheimnisvolle Reiterin“ und „Das Erbe der Runen“ begeisterten auf Anhieb große Leserschaften. Bereits zwei ihrer Bücher wurden mit dem "Deutschen Phantastik Preis" ausgezeichnet. Monika Felten lebt mit ihrer Familie in der Holsteinischen Schweiz.
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Dämmerung senkte sich über die schwarzen, wild zerklüfteten Riffinseln weit draußen vor der Küste Tamoyens. Das Licht wurde grau, die Schatten länger, während der Ozean der Stürme seine gischtenden Fluten gegen die Klippen der kleinen Inselgruppe warf und die Sonne als roter Feuerball hinter einer aufziehenden Wolkenwand im Westen versank.
Die einsetzende Dunkelheit brachte den Wind zum Schweigen. Reglos harrten die schlanken silbergrauen Halme des Nebelgrases der Nacht, während die pfeifenden Schreie der Felstölpel verstummten, als sie wie an jedem Abend ihre Schlafmulden zwischen den Felsen aufsuchten.
Lenval stand am Fenster, ließ den Blick über das Land schweifen und beobachtete, wie in den Wohnstätten der Riffbewohner nach und nach die Feuer der Öllampen aufflackerten. Aus der Ferne wirkten die tanzenden Flammen fast wie kleine Lebewesen. Sie zeigten ihm, dass er nicht allein war. Es hätte ihn trösten sollen, doch der Schmerz, den er spürte, war zu groß. Die Trauer über den Verlust seines ersten Kindes zu übermächtig, als dass der Anblick der Feuer ein Licht in sein Herz hätte tragen können.
Hinter sich in der Schlafkammer hörte er Verrina schluchzen. Es brach ihm fast das Herz. Vergeblich hatte er versucht, ihr das kleine Bündel wegzunehmen, das sie seit dem späten Nachmittag unter Tränen an sich presste und wiegte, als wohne noch eine Seele in dem winzigen Körper.
Lenval zog sich das dunkle Gewand enger um die Schultern, obwohl er wusste, dass es nicht die Kälte war, die ihn frösteln ließ. Es war ein ungerechtes und grausames Leben, das die Menschen der Riffinseln führten. Auf dem kargen, einsamen Eiland gab es kaum Heilmittel und so war der Tod oft zu Gast in den ärmlichen Hütten.
Die Neugeborenen traf es am härtesten. Besonders wenn sie so klein und zart waren wie seine Caiwen. Nur vier Wochen nach der Geburt hatte das Fieber sie gepackt und nicht wieder losgelassen, bis das erschöpfte Herz den Kampf aufgegeben hatte. Es gab keinen Trost. Was blieb, war der Schmerz über den tragischen Verlust und eine Bitternis, die Lenval zornig die Fäuste ballen ließ.
Warum trifft es ausgerechnet uns? Es gab keine Antwort auf diese Frage und doch kreiste sie unaufhörlich durch seine Gedanken. Warum? Sie hatten doch so lange auf dieses Kind gewartet und waren so glücklich gewesen, als Verrina endlich die Gewissheit hatte, schwanger zu sein - und nun?
»Ihr werdet andere Kinder haben«, hatte die Heilerin Armide vor drei Wintern zu Lenvals Schwester gesagt, als diese ihr Neugeborenes verloren hatte. Worte, die fast jede Familie der Riffinseln schon einmal gehört hatte. Doch für Lenval gab es diese Hoffnung nicht. Seine Schwester hatte später noch zwei Söhne geboren, Verrinas Schoß aber würde leer bleiben. Nach der schweren Geburt hatte Armide klare Worte gefunden. Verrina würde keine Kinder mehr bekommen.
Vor dem Hintergrund des verblassenden Sonnenlichts türmten sich die Wolken am Horizont rasch zu einer bedrohlichen Front auf.
Es würde Sturm geben. Lenval spürte es mit jeder Faser seines Körpers. Die Windstille war nur ein Vorbote des Unwetters. Ein Atemholen der Natur, ehe sie ihre entfesselten Gewalten wütend gegen die Felsen schleuderte. Der Ozean der Stürme trug seinen Namen zu Recht. Er war berüchtigt für heftige und plötzlich auftretende Unwetter und bei allen Seeleuten gefürchtet.
Für die Menschen, die hoch oben auf den Klippen wohnten, war das Fluch und Segen zugleich. Da sie keinen Handel trieben, waren ihre einzigen Nahrungsquellen der Fischfang und die Jagd auf Felstölpel. Nur nach einem Sturm gab es am Strand auch andere Beute zu machen.
Ein scharfer Windzug fuhr durch die Ritzen der Steinhütte. Lenval seufzte. Wenn alles vorüber war, würde er mit den Männern hinunter an den Strand gehen. Auf die Suche, wie sie es nannten. Mit etwas Glück würde Mar-Undrum, der Gott des Meeres und des Windes, ihnen gewogen sein und sie teilhaben lassen an dem Tribut, den er immer wieder von den Seefahrern forderte.
Zuvor jedoch hatte Lenval noch eine traurige Pflicht zu erfüllen. Das Kind musste bestattet werden. Es noch länger bei Verrina zu lassen, würde sie nur unnötig quälen.
Lenval warf einen letzten Blick auf die Öllampen in den Fenstern, deren Flammen jetzt stärker flackerten. Seine Miene wirkte versteinert. Er war ein Mann der Tat, gestählt von dem entbehrungsreichen Leben, das keinen Raum für Sentimentalitäten ließ. Verrina das Kind zu nehmen aber war mehr, als selbst er ertragen konnte.
Und dennoch. Es musste sein.
Lenval presste die Lippen aufeinander, drehte sich um und schritt auf die Tür zu, die den Wohnraum von der kleinen Schlafkammer trennte. Verrina schien zu ahnen, was er vorhatte. Als er die Tür öffnete, verstummte ihr Schluchzen. Mit angstgeweiteten Augen folgte sie seinen Bewegungen, als er an das Bett trat. »Nein!« Schützend presste sie das Kind an ihre Brust, aber ihr fehlte die Kraft, sich ihm zu widersetzen.
Eine heftige Windböe bauschte seinen Umhang und trug Verrinas verzweifelte Schreie mit sich fort, als Lenval die Tür öffnete, nach dem Spaten griff und mit dem Bündel im Arm in die Nacht hinausstapfte.
Als er zurückkehrte, hatte der Wind seine Tränen getrocknet. Im Stillen dankte er Mar-Undrum für den Sturm, der rasch weiter zunahm und zur Mitte der Nacht seinen Höhepunkt erreichte. Das Rütteln und Zerren, Heulen und Pfeifen übertönte die bedrückende Stille im Haus. Und manchmal trug es ihm ein Geräusch zu, das ihn aufhorchen ließ und glauben machte, Caiwen läge noch in ihrer Wiege.
Schlaf fand er keinen.
Irgendwann in den frühen Morgenstunden setzte der Regen aus. Der Wind wurde schwächer. Es wurde Zeit, die Suche zu beginnen. Erschöpft von den Ereignissen und der durchwachten Nacht, aber auch froh über die willkommene Ablenkung, erhob sich Lenval und machte sich bereit.
Ein kurzer Blick in die Schlafkammer zeigte ihm, dass Verrina eingeschlafen war. Rote Locken hingen ihr wirr ins Gesicht, das selbst im Schlaf von Trauer und Verzweiflung gezeichnet war. Für einen Augenblick fragte er sich, wie es weitergehen sollte, verdrängte die Gedanken jedoch sogleich wieder. Der Strand rief. Die Männer warteten sicher schon auf ihn. Alles andere musste warten, bis er zurückkehrte.
Leise öffnete er die Tür, nahm Axt und Spaten vom Haken und einen Sack zur Hand. Dann trat er in den erwachenden Morgen hinaus. Die Luft war nach dem Sturm salzig und frisch. Die Vorfrühlingssonne sandte ihre ersten Strahlen über den fernen Horizont und über dem Riff zogen die Felstölpel ihre Kreise. Ihre pfeifenden Rufe mischten sich mit dem Tosen der Brandung. Ein Blick hinunter ins Dorf zeigte ihm, dass sich die anderen Männer schon am Versammlungsplatz eingefunden hatten. Wie er waren sie mit Säcken, Schaufeln, Seilen und Äxten ausgerüstet und schienen begierig, mit der Suche zu beginnen.
»Lenval, du Langschläfer, wo bleibst du denn?«, begrüßte ihn Borel, Verrinas Bruder, lachend. »Wenn wir nicht schnell genug unten sind, wird sich die Flut noch die besten Stücke holen.«
Die einsetzende Dunkelheit brachte den Wind zum Schweigen. Reglos harrten die schlanken silbergrauen Halme des Nebelgrases der Nacht, während die pfeifenden Schreie der Felstölpel verstummten, als sie wie an jedem Abend ihre Schlafmulden zwischen den Felsen aufsuchten.
Lenval stand am Fenster, ließ den Blick über das Land schweifen und beobachtete, wie in den Wohnstätten der Riffbewohner nach und nach die Feuer der Öllampen aufflackerten. Aus der Ferne wirkten die tanzenden Flammen fast wie kleine Lebewesen. Sie zeigten ihm, dass er nicht allein war. Es hätte ihn trösten sollen, doch der Schmerz, den er spürte, war zu groß. Die Trauer über den Verlust seines ersten Kindes zu übermächtig, als dass der Anblick der Feuer ein Licht in sein Herz hätte tragen können.
Hinter sich in der Schlafkammer hörte er Verrina schluchzen. Es brach ihm fast das Herz. Vergeblich hatte er versucht, ihr das kleine Bündel wegzunehmen, das sie seit dem späten Nachmittag unter Tränen an sich presste und wiegte, als wohne noch eine Seele in dem winzigen Körper.
Lenval zog sich das dunkle Gewand enger um die Schultern, obwohl er wusste, dass es nicht die Kälte war, die ihn frösteln ließ. Es war ein ungerechtes und grausames Leben, das die Menschen der Riffinseln führten. Auf dem kargen, einsamen Eiland gab es kaum Heilmittel und so war der Tod oft zu Gast in den ärmlichen Hütten.
Die Neugeborenen traf es am härtesten. Besonders wenn sie so klein und zart waren wie seine Caiwen. Nur vier Wochen nach der Geburt hatte das Fieber sie gepackt und nicht wieder losgelassen, bis das erschöpfte Herz den Kampf aufgegeben hatte. Es gab keinen Trost. Was blieb, war der Schmerz über den tragischen Verlust und eine Bitternis, die Lenval zornig die Fäuste ballen ließ.
Warum trifft es ausgerechnet uns? Es gab keine Antwort auf diese Frage und doch kreiste sie unaufhörlich durch seine Gedanken. Warum? Sie hatten doch so lange auf dieses Kind gewartet und waren so glücklich gewesen, als Verrina endlich die Gewissheit hatte, schwanger zu sein - und nun?
»Ihr werdet andere Kinder haben«, hatte die Heilerin Armide vor drei Wintern zu Lenvals Schwester gesagt, als diese ihr Neugeborenes verloren hatte. Worte, die fast jede Familie der Riffinseln schon einmal gehört hatte. Doch für Lenval gab es diese Hoffnung nicht. Seine Schwester hatte später noch zwei Söhne geboren, Verrinas Schoß aber würde leer bleiben. Nach der schweren Geburt hatte Armide klare Worte gefunden. Verrina würde keine Kinder mehr bekommen.
Vor dem Hintergrund des verblassenden Sonnenlichts türmten sich die Wolken am Horizont rasch zu einer bedrohlichen Front auf.
Es würde Sturm geben. Lenval spürte es mit jeder Faser seines Körpers. Die Windstille war nur ein Vorbote des Unwetters. Ein Atemholen der Natur, ehe sie ihre entfesselten Gewalten wütend gegen die Felsen schleuderte. Der Ozean der Stürme trug seinen Namen zu Recht. Er war berüchtigt für heftige und plötzlich auftretende Unwetter und bei allen Seeleuten gefürchtet.
Für die Menschen, die hoch oben auf den Klippen wohnten, war das Fluch und Segen zugleich. Da sie keinen Handel trieben, waren ihre einzigen Nahrungsquellen der Fischfang und die Jagd auf Felstölpel. Nur nach einem Sturm gab es am Strand auch andere Beute zu machen.
Ein scharfer Windzug fuhr durch die Ritzen der Steinhütte. Lenval seufzte. Wenn alles vorüber war, würde er mit den Männern hinunter an den Strand gehen. Auf die Suche, wie sie es nannten. Mit etwas Glück würde Mar-Undrum, der Gott des Meeres und des Windes, ihnen gewogen sein und sie teilhaben lassen an dem Tribut, den er immer wieder von den Seefahrern forderte.
Zuvor jedoch hatte Lenval noch eine traurige Pflicht zu erfüllen. Das Kind musste bestattet werden. Es noch länger bei Verrina zu lassen, würde sie nur unnötig quälen.
Lenval warf einen letzten Blick auf die Öllampen in den Fenstern, deren Flammen jetzt stärker flackerten. Seine Miene wirkte versteinert. Er war ein Mann der Tat, gestählt von dem entbehrungsreichen Leben, das keinen Raum für Sentimentalitäten ließ. Verrina das Kind zu nehmen aber war mehr, als selbst er ertragen konnte.
Und dennoch. Es musste sein.
Lenval presste die Lippen aufeinander, drehte sich um und schritt auf die Tür zu, die den Wohnraum von der kleinen Schlafkammer trennte. Verrina schien zu ahnen, was er vorhatte. Als er die Tür öffnete, verstummte ihr Schluchzen. Mit angstgeweiteten Augen folgte sie seinen Bewegungen, als er an das Bett trat. »Nein!« Schützend presste sie das Kind an ihre Brust, aber ihr fehlte die Kraft, sich ihm zu widersetzen.
Eine heftige Windböe bauschte seinen Umhang und trug Verrinas verzweifelte Schreie mit sich fort, als Lenval die Tür öffnete, nach dem Spaten griff und mit dem Bündel im Arm in die Nacht hinausstapfte.
Als er zurückkehrte, hatte der Wind seine Tränen getrocknet. Im Stillen dankte er Mar-Undrum für den Sturm, der rasch weiter zunahm und zur Mitte der Nacht seinen Höhepunkt erreichte. Das Rütteln und Zerren, Heulen und Pfeifen übertönte die bedrückende Stille im Haus. Und manchmal trug es ihm ein Geräusch zu, das ihn aufhorchen ließ und glauben machte, Caiwen läge noch in ihrer Wiege.
Schlaf fand er keinen.
Irgendwann in den frühen Morgenstunden setzte der Regen aus. Der Wind wurde schwächer. Es wurde Zeit, die Suche zu beginnen. Erschöpft von den Ereignissen und der durchwachten Nacht, aber auch froh über die willkommene Ablenkung, erhob sich Lenval und machte sich bereit.
Ein kurzer Blick in die Schlafkammer zeigte ihm, dass Verrina eingeschlafen war. Rote Locken hingen ihr wirr ins Gesicht, das selbst im Schlaf von Trauer und Verzweiflung gezeichnet war. Für einen Augenblick fragte er sich, wie es weitergehen sollte, verdrängte die Gedanken jedoch sogleich wieder. Der Strand rief. Die Männer warteten sicher schon auf ihn. Alles andere musste warten, bis er zurückkehrte.
Leise öffnete er die Tür, nahm Axt und Spaten vom Haken und einen Sack zur Hand. Dann trat er in den erwachenden Morgen hinaus. Die Luft war nach dem Sturm salzig und frisch. Die Vorfrühlingssonne sandte ihre ersten Strahlen über den fernen Horizont und über dem Riff zogen die Felstölpel ihre Kreise. Ihre pfeifenden Rufe mischten sich mit dem Tosen der Brandung. Ein Blick hinunter ins Dorf zeigte ihm, dass sich die anderen Männer schon am Versammlungsplatz eingefunden hatten. Wie er waren sie mit Säcken, Schaufeln, Seilen und Äxten ausgerüstet und schienen begierig, mit der Suche zu beginnen.
»Lenval, du Langschläfer, wo bleibst du denn?«, begrüßte ihn Borel, Verrinas Bruder, lachend. »Wenn wir nicht schnell genug unten sind, wird sich die Flut noch die besten Stücke holen.«
Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Dämmerung senkte sich über die schwarzen, wild zerklüfteten Riffinseln weit draußen vor der Küste Tamoyens. Das Licht wurde grau, die Schatten länger, während der Ozean der Stürme seine gischtenden Fluten gegen die Klippen der kleinen Inselgruppe warf und die Sonne als roter Feuerball hinter einer aufziehenden Wolkenwand im Westen versank.Die einsetzende Dunkelheit brachte den Wind zum Schweigen. Reglos harrten die schlanken silbergrauen Halme des Nebelgrases der Nacht, während die pfeifenden Schreie der Felstölpel verstummten, als sie wie an jedem Abend ihre Schlafmulden zwischen den Felsen aufsuchten.Lenval stand am Fenster, ließ den Blick über das Land schweifen und beobachtete, wie in den Wohnstätten der Riffbewohner nach und nach die Feuer der Öllampen aufflackerten. Aus der Ferne wirkten die tanzenden Flammen fast wie kleine Lebewesen. Sie zeigten ihm, dass er nicht allein war. Es hätte ihn trösten sollen, doch der Schmerz, den er spürte, war zu groß. Die Trauer über den Verlust seines ersten Kindes zu übermächtig, als dass der Anblick der Feuer ein Licht in sein Herz hätte tragen können.Hinter sich in der Schlafkammer hörte er Verrina schluchzen. Es brach ihm fast das Herz. Vergeblich hatte er versucht, ihr das kleine Bündel wegzunehmen, das sie seit dem späten Nachmittag unter Tränen an sich presste und wiegte, als wohne noch eine Seele in dem winzigen Körper.Lenval zog sich das dunkle Gewand enger um die Schultern, obwohl er wusste, dass es nicht die Kälte war, die ihn frösteln ließ. Es war ein ungerechtes und grausames Leben, das die Menschen der Riffinseln führten. Auf dem kargen, einsamen Eiland gab es kaum Heilmittel und so war der Tod oft zu Gast in den ärmlichen Hütten.Die Neugeborenen traf es am härtesten. Besonders wenn sie so klein und zart waren wie seine Caiwen. Nur vier Wochen nach der Geburt hatte das Fieber sie gepackt und nicht wieder losgelassen, bis das erschöpfte Herz den Kampf aufgegeben hatte. Es gab keinen Trost. Was blieb, war der Schmerz über den tragischen Verlust und eine Bitternis, die Lenval zornig die Fäuste ballen ließ.Warum trifft es ausgerechnet uns? Es gab keine Antwort auf diese Frage und doch kreiste sie unaufhörlich durch seine Gedanken. Warum? Sie hatten doch so lange auf dieses Kind gewartet und waren so glücklich gewesen, als Verrina endlich die Gewissheit hatte, schwanger zu sein - und nun?»Ihr werdet andere Kinder haben«, hatte die Heilerin Armide vor drei Wintern zu Lenvals Schwester gesagt, als diese ihr Neugeborenes verloren hatte. Worte, die fast jede Familie der Riffinseln schon einmal gehört hatte. Doch für Lenval gab es diese Hoffnung nicht. Seine Schwester hatte später noch zwei Söhne geboren, Verrinas Schoß aber würde leer bleiben. Nach der schweren Geburt hatte Armide klare Worte gefunden. Verrina würde keine Kinder mehr bekommen.Vor dem Hintergrund des verblassenden Sonnenlichts türmten sich die Wolken am Horizont rasch zu einer bedrohlichen Front auf.Es würde Sturm geben. Lenval spürte es mit jeder Faser seines Körpers. Die Windstille war nur ein Vorbote des Unwetters. Ein Atemholen der Natur, ehe sie ihre entfesselten Gewalten wütend gegen die Felsen schleuderte. Der Ozean der Stürme trug seinen Namen zu Recht. Er war berüchtigt für heftige und plötzlich auftretende Unwetter und bei allen Seeleuten gefürchtet.Für die Menschen, die hoch oben auf den Klippen wohnten, war das Fluch und Segen zugleich. Da sie keinen Handel trieben, waren ihre einzigen Nahrungsquellen der Fischfang und die Jagd auf Felstölpel. Nur nach einem Sturm gab es am Strand auch andere Beute zu machen.Ein scharfer Windzug fuhr durch die Ritzen der Steinhütte. Lenval seufzte. Wenn alles vorüber war, würde er mit den Männern hinunter an den Strand gehen. Auf die Suche, wie sie es nannten. Mit etwas Glück würde Mar-Undrum, der Gott des Meeres und des Windes, ihnen gewogen sein und sie teilhaben lassen an dem Tribut, den er immer wieder von den Seefahrern forderte.Zuvor jedoch hatte Lenval noch eine traurige Pflicht zu erfüllen. Das Kind musste bestattet werden. Es noch länger bei Verrina zu lassen, würde sie nur unnötig quälen.Lenval warf einen letzten Blick auf die Öllampen in den Fenstern, deren Flammen jetzt stärker flackerten. Seine Miene wirkte versteinert. Er war ein Mann der Tat, gestählt von dem entbehrungsreichen Leben, das keinen Raum für Sentimentalitäten ließ. Verrina das Kind zu nehmen aber war mehr, als selbst er ertragen konnte.Und dennoch. Es musste sein.Lenval presste die Lippen aufeinander, drehte sich um und schritt auf die Tür zu, die den Wohnraum von der kleinen Schlafkammer trennte. Verrina schien zu ahnen, was er vorhatte. Als er die Tür öffnete, verstummte ihr Schluchzen. Mit angstgeweiteten Augen folgte sie seinen Bewegungen, als er an das Bett trat. »Nein!« Schützend presste sie das Kind an ihre Brust, aber ihr fehlte die Kraft, sich ihm zu widersetzen.Eine heftige Windböe bauschte seinen Umhang und trug Verrinas verzweifelte Schreie mit sich fort, als Lenval die Tür öffnete, nach dem Spaten griff und mit dem Bündel im Arm in die Nacht hinausstapfte.Als er zurückkehrte, hatte der Wind seine Tränen getrocknet. Im Stillen dankte er Mar-Undrum für den Sturm, der rasch weiter zunahm und zur Mitte der Nacht seinen Höhepunkt erreichte. Das Rütteln und Zerren, Heulen und Pfeifen übertönte die bedrückende Stille im Haus. Und manchmal trug es ihm ein Geräusch zu, das ihn aufhorchen ließ und glauben machte, Caiwen läge noch in ihrer Wiege.Schlaf fand er keinen.Irgendwann in den frühen Morgenstunden setzte der Regen aus. Der Wind wurde schwächer. Es wurde Zeit, die Suche zu beginnen. Erschöpft von den Ereignissen und der durchwachten Nacht, aber auch froh über die willkommene Ablenkung, erhob sich Lenval und machte sich bereit.Ein kurzer Blick in die Schlafkammer zeigte ihm, dass Verrina eingeschlafen war. Rote Locken hingen ihr wirr ins Gesicht, das selbst im Schlaf von Trauer und Verzweiflung gezeichnet war. Für einen Augenblick fragte er sich, wie es weitergehen sollte, verdrängte die Gedanken jedoch sogleich wieder. Der Strand rief. Die Männer warteten sicher schon auf ihn. Alles andere musste warten, bis er zurückkehrte.Leise öffnete er die Tür, nahm Axt und Spaten vom Haken und einen Sack zur Hand. Dann trat er in den erwachenden Morgen hinaus. Die Luft war nach dem Sturm salzig und frisch. Die Vorfrühlingssonne sandte ihre ersten Strahlen über den fernen Horizont und über dem Riff zogen die Felstölpel ihre Kreise. Ihre pfeifenden Rufe mischten sich mit dem Tosen der Brandung. Ein Blick hinunter ins Dorf zeigte ihm, dass sich die anderen Männer schon am Versammlungsplatz eingefunden hatten. Wie er waren sie mit Säcken, Schaufeln, Seilen und Äxten ausgerüstet und schienen begierig, mit der Suche zu beginnen.»Lenval, du Langschläfer, wo bleibst du denn?«, begrüßte ihn Borel, Verrinas Bruder, lachend. »Wenn wir nicht schnell genug unten sind, wird sich die Flut noch die besten Stücke holen.«