„Das Vermächtnis von Erdsee" ist, speziell mit der Kurzgeschichte „Schwebender Drache" (Neuübersetzung von „Drachenkind" in Silverbergs Anthologie „Das Meer und kleine Fische") das Übergangsbuch zwischen der Erdsee-Tetralogie und dem Roman „Rückkehr nach Erdsee". Mit einem gefühlvollen Vorwort nimmt LeGuin Stellung zum Thema Fantasy allgemein und ihrem Verhältnis zur, von ihr geschaffenen Welt Erdsee. Darauf folgen fünf Kurzgeschichten. Die erste („Der Finder") handelt von der Entstehung der Magierschule auf Rok - interessant und empfehlenswert, beantwortet aber nicht alle Fragen. Die zweite („Schattenrose und Diamant") gibt eine Liebesgeschichte wieder - nicht originell und schleppend. „Die Gebeine der Erde" gibt mehr Aufschluss über Ogions Meister und seiner selbst - routiniert geschrieben und Ogion als jungen Magier zu treffen ist eine nette Begegnung, mehr aber nicht. Die vorletzte Kurzgeschichte ist „Das Hochmoor" und spielt während der Zeit Geds als Erzmagier. Hier wird deutlich, wie gefährlich der Missbrauch der Macht des Gebietens ist. Diese, sowie die letzte Geschichte „Schwebender Drache", welche eine Brücke zum neuesten Werk LeGuins bildet, ergänzen das Wissen über die Geheimnisse der Erdsee, reißen aber auch neue spannende Fragen auf. Das macht das Lesen der „Rückkehr nach Erdsee" unumgänglich.
Zusammenfassend: Auch, wenn nicht alle Geschichten die Klasse der Großen haben (zumeist ist die Seitenanzahl zu kurz, um sich in die Charakteren hinein versetzten zu können), ist das Buch doch empfehlenswert für die, die mehr über die Erdsee und dessen Bevölkerung wissen wollen, da neben den angedeuteten Geschichten auch der Anhang des Buches „Eine Beschreibung von Erdsee" Aufschluss über Details gibt. Das Buch komplettiert die Sammlung der eigentlichen Romane.