Der Klappentext zu Robert Laughlins Essay verspricht viel, leider mehr, als der Text dann schlussendlich zu halten im Stande ist.
Tatsächlich ist der Beginn recht vielversprechend: Laughlin richtet den Blick auf die zunehmenden Einschränkungen der Freiheit von Wissen und Informationen, die seiner Ansicht nach einerseits der staatlichen Sicherheit geschuldet ist, etwa bei den Details zur Herstellung von waffenfähigen Stoffen oder Techniken. An dieser Stelle gesteht Laughlin eine gewisse Berechtigung zur Einschränkung der Informationsfreiheit zu, selbst wenn er an einigen Beispielen die problematische Konsequenzen aufzeigt, die damit verbunden sind: Etwa den beiden in Kapitel 6 ("Präzedenzfall Nukleartechnologie") genannten Fällen aus den 1970er Jahren, in denen ein findiger Journalist sowie ein engagierter Student unabhängig voneinander aus frei verfügbaren Quellen Informationen zum Bau einer Atombombe zusammenstellten - und damit zum Ziel behörlicher Ermittlungen und beinahe auch Sanktionen wurden.
Auf der anderen Seite, und dies ist der eigentliche Kritikpunkt Laughlins, wird die Freiheit von Wissen und Informationen durch ein überbordendes Patentwesen massiv eingeschränkt. Zentral ist hier das fünfte Kapitel ("Absurditäten des Patentwesens"), in dem der Autor etliche Beispiele für die z.T. moralisch recht fragwürdige Praktiken von Patentinhabern (meist Konzernen) liefert, etwa die geringfügige Änderung und anschließende Neuanmeldung der "Neuentwicklung" usw.
Soweit, so gut. Zwar formuliert Laughlin auch in diesen beiden Kapiteln inhaltlich recht ausufernd, sodass man die interessanten Teile gut auf die Hälfte hätte kürzen können. Doch verglichen mit den Kapiteln 8 ("Klonkriege"), 9 ("Spam, Spam, Spam") und 10 ("Das getrübte Utopia") stellen sie sich noch als die inhaltlichen Glanzlichter dar. Es fällt schwer, zu dem inhaltlichen "Geschwurbel" der genannten Kapitel eine geeignete inhaltliche Zusammenfassung zu liefern, wenn Laughlin etwa darüber in Kap. 10 (S. 127) schreibt, dass unseren aktuellen Probleme natürlich nicht annähernd so gravierend seien, wie die Sklaverei. Das sei auch sicher gut so, '"denn ein Angriff zorniger, mit Tastatur, Pizza und Cola bewaffneter Computerfreaks wäre sicher ganz fürchterlich. Wir müßten um unser Leben laufen. In die Ecke gedrängt, hätten wir keine andere Wahl, als Aufzugmusik in unseren Stereorecorder einzulegen und die Angreifer wegzupusten. Dann würden wir zwar als herzlose Schlächter in die Geschichte eingehen, aber wir könnten uns immerhin auf Notwehr berufen."
Manche mögen solche weitschweifigen Ausführungen unterhaltsam finden. Der Verdeutlichung des eigentlichen ernsten Zwecks der Betrachtung sind sie keinesfalls dienlich. Hinzu treten einige begriffliche Unschärfen, wie z.B. die Verwechslung von "Inzest" mit "Inzucht" (S. 104ff) und der Verweis auf die "afrikanische Sklaverei", wo die "us-amerikanische" gemeint ist.
Laughlin bemüht sich in seinem Essay um ein ebenso interessantes wie brisantes Thema, das er inhaltlich jedoch leider nur äußerst unzureichend zu füllen versteht. Vielleicht sollte sich die Redaktion der edition unseld überlegen, das gleiche Thema noch einmal von einem Sozialphilosophen behandeln zu lassen. Ein Blick auf die Autorenliste der ebenfalls dem Suhrkamp-Verlag zugehörigen stw-Reihe könnte hier weiterhelfen.