Der Regisseur und Drehbuchautor Michael Glawogger schuf mit "Das Vaterspiel" einen verwirrenden Film, dessen Aussage erst nach einer längeren Einleitung an Kraft gewinnt und einen erahnen lässt, was die Motivation der Umsetzng eines vielseitigen Romans gewesen sein könnte. Der Österreicher Michael Glawogger, der mit Filmen wie "Slumming" und "Contact High" und der leider viel zu unbekannten Dokumentation "Workingmans's Death" meiner Meinung nach großartige Produktionen veröffentlichte bleibt seiner Linie in "Das Vaterspiel" auf der einen Seite treu, indem auch hier die Frage nach der individuellen Rolle im großen Spiel des Ganzen thematisiert wird, was in nachhaltigen Bildern und unkonventionellen Erzählweisen unterstrichen wird, auf der anderen Seite ist dem auf mehreren Erzählebenen und Rückblenden aufgebaute Film weit aus schwerer zu folgen, da eine klare Struktur manchmal zu fehlen scheint, weil experimentelle Spielereien manchmal überhand nehmen und somit den Platz für die Geschichtserzählung einnehmen.
Der Langzeitstudent Ratz lebt noch bei seinem Vater, einem herrschaftssüchtigen und einen auf die Etikette achtenden Mann. Ratz sitz die meiste Zeit in seinem Zimmer und programmiert an seinem Langzeitprojekt herum, einem Ego-Shooter der dem User erlaubt, seinen Vater mehrfach zu ermorden. Schnell wird klar, dass das Spiel namens "Kill Daddy Good Night" eine Art Eigentherapie darstellt um der Abscheu dem Vater gegenüber ein Ventil geben zu können. Eine bizarre Beziehung besteht zwischen Ratz und seiner Schwester, die aufgrund ihres gemeinsamen Hasses gegen das Familienoberhaupt viele Gemeinsamkeiten entwickelten, in der es aber auch zu inzestuösen Annäherungen kommt.
Ratz bekommt eines Tages einen Anruf von Mimi, einer alten Liebesbeziehung aus frühen Studentenzeiten, die ihn bitten, möglichst am nächsten Tag zu ihr nach New York zu kommen, da sie seine handwerklichen Fähigkeiten benötige. Als er in den USA ankommt, wird er allerdings mit der Wahrheit konfrontiert, in der sich der Großvater seit über 30 Jahren im Keller versteckt hält, aus Angst vor der Aufdeckung des Verhaltens während des zweiten Weltkrieges, in dem er als Anführer einer litauischen Einheit an der Ermordung hunderter Juden beteiligt war. Das karge und dunkle Kellerverlis des Großvaters benötigt eine großangelegte Renovierung, allerdings geht es Mimi um viel mehr als die Verschönerung von Wohnraum für einen Kriegs- und Naziverbrecher.
In einer parellel erzählten Geschichte geht es um den Jounalisten Jonas Shtrom, dessen jüdischer Vater 1941 in Litauen erschlagen wurde und der im Zuge der Suche nach den Schuldigen und der Gewissheit darüber, ob die eigene angetretene Fluch dem Vater das Lebe kostete, ab den fünfziger Jahren nach Deutschland kommt, um als Zeuge die erlebte Geschichte zu Protokoll zu geben. Eigene Schuldzuweisungen und Zweifel treiben ihn immer wieder unnachgiebig an, durch die Hölle der eigenen Geschichte und Biographie zu gehen.
Auch wenn wie oben bereits beschrieben die Handlungsstränge, der Erzählstil und die filmische Umsetzung streckenweise sehr gewöhnungsbedürftig erscheint, kann der Film einen bleibenden Eindruck hinterlassen und dazu führen, dass man über die Verkettung der verschiedenen Vater/Sohn Ebenen, einem nicht nur in der Nachkriegszeit herrschenden Generationskonflikt und den (Kausal)Zusammenhängen von Sozialisation, Erfahrungen, Gefühlen etc zu dem eigenen Verhalten, nachdenken muss. Es ist insbesondere die psychologische Ebene des Streifens, die ihm, vielleicht erst auf den zweiten Blick deutlich werdende Besonderheit enthüllt. "Das Vatespiel" ist bildgewaltig wie auch anstrengend, streckenweise einer Linie folgend und dann ins experimentell-freiheitlich-chaotisch abdriftend. Er könnte ein Tip für diejenigen sein, die Gefallen an den Arbeiten von Julio Medem ("Lucia Und Der Sex" und "Das Rote Eichhörnchen), Jonasson Nossiter ("Signs And Wonders"), oder sogar Andreas Dresen ("Halbe Treppe") finden. Nicht weil die genannten unbedingt Filme ähnlichen Inhalts gemacht haben, sonder weil die Bildersprache, die Verwendung von Symbolik und Zeichen, der freie und undogmatische Stil des Erzählens und Filmens, etc denen von Michael Glawogger Film von Zeit zu Zeit nicht unähnlich sind.