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Das Vaterspiel
 
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Das Vaterspiel [Taschenbuch]

Josef Haslinger
3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (16 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.at-Redaktion

Der 35-jährige Rupert Kramer ist ein Looser. Ohne Job, Haschisch rauchend sitzt er nächtelang vor seinem Computer, um ein Spiel zu programmieren, mit dem er groß herauszukommen hofft: das "Vatervernichtungsspiel". Rupert hasst seinen sozialdemokratischen Vater, dem zeitlebens seine politische Karriere wichtiger war als die Familie, die er schließlich wegen einer jüngeren "Schnepfe" verlässt. Ruperts Leben erfährt eine entscheidende Wendung, als seine Jugendliebe Mimi aus New York anruft und ihn um einen obskuren Gefallen bittet. Er soll das Versteck von Mimis Großonkel ausbauen, der während des zweiten Weltkriegs an der Hinrichtung litauischer Juden beteiligt war. Seit nunmehr 32 Jahren verbirgt er sich im Keller eines Hauses auf Long Island. Nach anfänglichem Widerstand entscheidet sich Rupert, Mimis Bitte nachzukommen.

Josef Haslinger, 1955 in Zwettl/Niederösterreich geboren, lebt heute in Wien und Leipzig. 1995 erschien sein Roman Opernball, der vom Publikum begeistert aufgenommen wurde und 1998 als TV-Zweiteiler verfilmt wurde. Josef Haslinger ist ein politischer Autor. Im Opernball entwirft er das Panorama einer vom Terrorismus bedrohten Wohlstandsgesellschaft. In Das Vaterspiel beschreibt er anhand des Lebens dreier Familien, dass niemand der Geschichte entkommen kann, weder der seines Landes noch seiner eigenen. Mit diesem Buch ist Haslinger ein weiteres Meisterwerk gelungen, welches beweist, dass große Romane nicht nur aus dem angloamerikanischen Sprachraum kommen müssen. Er kreiert gerade durch seine knappe, distanzierte Sprache eine erzählerische Dichte, in der er dem Leser die Auswirkungen geschichtlichen Handelns auf groteske Weise vor Augen führt. Das Vaterspiel ist ein Buch, das den Leser bis zur letzten Seite in Atem hält. --Bettina Wenzel -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Kurzbeschreibung

Rupert Kramer, genannt Ratz, ist der Sohn eines österreichischen Ministers. Er ist 35 Jahre alt und das, was man einen Versager nennt. Nächtelang sitzt Ratz vor dem Computer, um ein abstruses Vatervernichtungsspiel zu entwickeln. Er hasst seinen korrupten sozialdemokratischen Vater, der seine Familie wegen einer jungen Frau verlassen hat.
Im November 1999 erhält Ratz einen geheimnisvollen Anruf von Mimi, seiner Jugendliebe. Ratz fliegt nach New York, ohne zu wissen, was ihn erwartet. Bald ist klar: Er soll helfen, das Versteck von Mimis Großonkel auszubauen, einem alten Nazi, der an der Hinrichtung litauischer Juden beteiligt war. Seit 32 Jahren verbirgt er sich im Keller eines Hauses auf Long Island. Dort kommt es zu einer unheimlichen Begegnung mit dem verwahrlosten Mann.
Anschaulich und fesselnd erzählt Josef Haslinger vom Schicksal dreier Familien: einer jüdischen Familie, die bei den Massakern der Nazis in Litauen vernichtet wird, der Familie der Täter, die sich nach Amerika re tten kann und dort einen grotesken Zusammenhalt bewahrt, sowie von Ratz eigener, sozialdemokratischer Familie, die sich im Wien der neunziger Jahre erbärmlich auflöst. Bestechend genau beleuchtet Haslinger die Verwerfungen des vergangenen Jahrhunderts und macht eindringlich spürbar, dass man der Geschichte nicht entkommen kann

Über den Autor

Josef Haslinger wurde am 5. Juli 1955 im niederösterreichischen Zwettl geboren. Er war Sängerknabe im Zisterzienserkloster des dortigen Stifts und besuchte ab 1969 das Gymnasium in Horn. Nach der Matura 1973 studierte Haslinger Philosophie, Theaterwissenschaft und Germanistik in Wien. 1973 wurde er Mitherausgeber der Literaturzeitschrift »Wespennest« - und blieb es bis 1992. Mit einer Arbeit über Die Ästhetik des Novalis (in überarbeiteter Fassung 1981 im Hain-Verlag, Königstein, erschienen) promovierte Haslinger 1980 zum Dr. phil. Haslinger arbeitete in den Folgejahren als Wissenschaftler (mit Lehraufträgen und Gastprofessuren in Deutschland, Österreich und in den Vereinigten Staaten), war Mitherausgeber der Gedichte von Hugo Sonnenschein (»Sonka«), veranstaltete internationale Symposien, war von 1986 bis 1989 Generalsekretär der Grazer Autorenversammlung und von 1986 bis 1995 gemeinsam mit Kurt Neumann Organisator der »Wiener Vorlesungen zur Literatur«. Seit 1996 lehrt Haslinger als Professor für literarische Ästhetik am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Im Jahr seiner Promotion und dem Beginn seiner akademischen Laufbahn trat Haslinger mit seiner ersten literarischen Publikation an die Öffentlichkeit: Der Erzählband Der Konviktskaktus (Autorenedition, München) erschien 1980, fünf Jahre später die Novelle Der Tod des Kleinhäuslers Ignaz Hajek (bei Luchterhand, später wurde das Werk gemeinsam mit einer weiteren Novelle, Die mittleren Jahre, als Fischer Taschenbuch veröffentlicht). Ob mit der Streitschrift Politik der Gefühle. Ein Essay über Österreich (zunächst im Luchterhand Verlag, dann auch als Fischer Taschenbuch) oder mit dem Essayband Das Elend Amerikas. 11 Versuche über ein gelobtes Land (mit diesem Buch wurde Haslinger 1992 Autor des S. Fischer Verlages) - Haslinger mischte sich ein, war und ist immer auch ein eminent politischer Autor. Auch jenseits des Literarischen wurde dies deutlich: 1992 war er Mitbegründer der antirassistischen Plattform »SOS-Mitmensch«. Haslingers kritische Auseinandersetzung mit sozialer und politischer Wirklichkeit kulminierte dann in einem Roman, der 1995 im S. Fischer Verlag erschien: Opernball, literarischer Thriller, politische Provokation und Mediensatire, zielte und traf mit der Wahl des Ausgangspunkts (ein Attentat auf den Wiener Opernball) mitten ins Herz der konservativ-rückwärtsgewandten österreichischen Teilöffentlichkeit. Der Roman wurde ein spektakulärer Erfolg bei Kritik und Lesepublikum und 1998 in einer aufwendigen TV-Inszenierung verfilmt. 1996 veröffentlichte Haslinger den Essay Hausdurchsuchung im Elfenbeinturm (Collection S. Fischer). Josef Haslingers neuester Roman trägt den Titel Das Vaterspiel - , im August 2000 ist der Band bei S. Fischer erschienen. Im Frühjahr 2001 folgte der Essayband Klasse Burschen.

Auszug aus Das Vaterspiel. von Josef Haslinger. Copyright © 2000. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Mimi rutschte zu mir herüber und berührte mich mit ihrem Knie. Sie sagte: Heute muss ich dir noch ein paar Dinge erzählen. Und morgen früh sagst du mir, ob du gleich wieder zurückfliegst oder ob du bleibst und mir hilfst.
Was ist es?, fragte ich. Und warum diese Geheimniskrämerei?
Mimi sagte auf Deutsch und so laut, dass der Fahrer es hören konnte: Halten Sie bitte an! Der Fahrer reagierte nicht.
Sie lehnte sich zurück und sagte: Dieses Haus auf Long Island ist nicht leer. Dort lebt jemand, von dem niemand weiß, dass er noch lebt. Auch ich habe es jahrelang nicht gewusst. Und diejenigen, die vermuten, dass er noch lebt, wissen nicht, wo er lebt.
Wer ist es?
Mein Großonkel. Der Bruder meiner Großmutter.
Und warum muss er sich verstecken?
Weil er gesucht wird.
Weshalb?
NS-Verbrechen.
Der muss doch ein alter Mann sein.
Sogar sehr alt. Er ist 78.
Und seit wann versteckt er sich?
Seit 32 Jahren.
Seit 32 Jahren?
Ja. Zuerst in der Wohnung, in der wir gerade waren, dann im Haus auf Long Island. Und was soll ich machen?
Sein Versteck verbessern.
Während dieses Gesprächs war mir, als würde ich in einem Aufzug stecken, der in den Keller hinabrast. Hilflos drückte ich noch an irgendwelchen Knöpfen herum, ohne Hoffnung, dass sie den Aufzug zum Halten bringen würden. Dann schlug der Aufzug im Keller auf. Sein Versteck verbessern. Einem Nazi helfen. Sonst noch etwas? Ich saß in diesem Taxi und glotzte auf die Hochhäuser hinaus. Mein erster Gedanke war: Da darfst du dich nicht hineinziehen lassen. Das bist du deiner Herkunft schuldig. Großvater in Dachau, Enkel hilft seinem Peiniger. Das ist eine zu steile Karriere.
Mach ich nicht, sagte ich. Mit Nazis will ich nichts zu tun haben. Eine Erballergie.
Du musst dich nicht gleich entscheiden, sagte Mimi. Als ich es erfuhr, habe ich nicht anders reagiert. Es reicht, wenn du mir morgen sagst, ob du mir hilfst.
Was soll morgen anders sein? Nazis können mir gestohlen bleiben.
Morgen glaubst du mir vielleicht, dass der Mann unschuldig ist.
Ein Unschuldiger versteckt sich seit 32 Jahren? Da stimmt doch etwas nicht.
Du hast Recht, da stimmt etwas nicht. Darum versteckt er sich ja. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
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